Kaiseradler in Nationalpark-Nähe angeschossen. Der elf Jahre alte Vogel war im Jahr 2009 der erste jemals von Wissenschaftern im Freiland, also im Nest, beringte Jungvogel Österreichs.

Von Redaktion Neusiedl. Erstellt am 23. November 2020 (13:54)
Beim Röntgen wurde festgestellt ,dass der Körper des Kaiseradlers mit Schrot durchlöchert ist. Am linken Flügel hat er eine offene Fraktur.
VIER PFOTEN

Am Samstagabend wurde in Wallern im Burgenland, nur einen Kilometer von der Nationalparkgrenze entfernt, ein schwer verletzter Kaiseradler gefunden.

Der wissenschaftliche Leiter der von "Vier Pfoten" geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS), Dr. Hans Frey, fuhr nach der Verständigung durch die 1. Naturschutzabteilung des Landes Burgenland mitten in der Nacht sofort los, um den in der EU streng geschützten Vogel persönlich zu bergen.

In der EGS wurde der Adler sofort mit Verband und Medikamenten erstversorgt. Beim Röntgen wurde festgestellt, dass sein Körper völlig mit Schrot durchlöchert ist. Am linken Flügel hat er eine offene Fraktur. Ob er überleben wird, ist fraglich.

Erster im Freiland beringter Vogel

Es handelt sich noch dazu um einen ganz speziellen Kaiseradler: Der 11 Jahre alte Vogel war im Jahr 2009 der erste jemals von Wissenschaftern im Freiland, also im Nest, beringte Jungvogel Österreichs.  

„Unser Patient war als erster beringter Kaiseradlernestling ein Brutvogel im Burgenland. Er war somit ein wichtiger Botschafter seiner Art, der die Rückkehr des Kaiseradlers in seinen ursprünglichen Lebensraum in Österreich markierte“, sagt EGS-Leiter Dr. Hans Frey.

Frey: "Das Ganze ist ein Verbrechen"

„Das Ganze ist nicht nur aus Tier- und Artenschutzsicht furchtbar, sondern schlicht ein Verbrechen. Der Vogel wurde aus nächster Nähe beschossen, danach hilflos und schwer verletzt einfach liegen gelassen“, erklärt Dr. Frey. „Ich hoffe wirklich, dass der oder die Verantwortliche gestellt wird.“

Die Vogel- und Naturschutzorganisation Birdlife wird Anzeige erstatten. Sie übernimmt auch die Kosten für die tierärztliche Versorgung des Kaiseradlers im Rahmen des „PannonEagle LIFE Projekts“.  

Der Kaiseradler gilt weltweit als gefährdete Art. In Österreich galt er seit 1811 als ausgestorben, bis 1999 wieder eine Brut stattfand. Dank verschiedenster Schutzmaßnahmen nimmt die Zahl langsam zu, aber er ist einer der seltensten Brutvögel Österreichs.

2020 wurden 25 Brutpaare gezählt, 35 Jungvögel sind ausgeflogen. Sein Vorkommen beschränkt sich auf offene Landschaften Ostösterreichs.