Darscho bei Apetlon: Fische umgesiedelt

Erstellt am 28. Juli 2022 | 05:51
Lesezeit: 3 Min
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Kollektive Rettungsaktion am Darscho. Etwa vier bis fünf Tonnen Fische wurden umgesiedelt.
Foto: Lang
Fischsterben auch im Neusiedler See. Das Wasser ist für einige Arten zu warm.

Während sich letzte Woche die Bilder vom Fischsterben im Zicksee verbreiteten, verfolgten die Verantwortlichen des Darschos bei Apetlon dessen Entwicklung besonders genau.

Die Urbarialgemeinde Apetlon zählt mit ihren über 1.200 Hektar als größte im ganzen Burgenland. Dazu zählen auch große Teile des Naturschutzgebietes und der Darscho. Nachdem dort letzten Dienstag beobachtet wurde, dass die ersten Fische bereits aus dem See ragten, entschloss sich der Vorstand der Urbarialgemeinde, die Salzlacke vorsorglich auszufischen.

„Wenn die Landesregierung sagt, wir dürfen nicht mehr pumpen, dann gibt es auch keinen Darscho mehr. Das ist Fakt.“

Am Mittwoch frühmorgens fanden sich daher Fischer aus dem ganzen Bezirk ein. Mit einem Netz, das zwischen zwei Traktoren gespannt wurde, zog die Urbarialgemeinde circa vier bis fünf Tonnen Karpfen aus dem Wasser.

Raubfische gebe es kaum. Viele seien bereits verendet oder haben sich im Schlamm vergraben, erklärt Eric Lang, Obmann der Urbarialgemeinde. Die Tiere wurden, wie beim Zicksee auch schon, von privaten Teichbesitzern übernommen. Ab circa einhundert Kilogramm gab es eine freie Spende anstatt fester Preise. Zu groß war die Sorge, nicht für alle Tiere rechtzeitig ein neues Habitat finden zu können. Die vorsorgliche Fischbestandsminimierung fand seither schon mehrmals statt.

Eric Lang erklärt auch, dass es aktuell zwei Pumpen gebe, die Grundwasser in den Darscho zuführen. Deren Einsatz ist im Sommer inzwischen schon seit Jahren notwendig. Auch heuer laufen die Pumpen mit so viel Leistung, wie es der gesunkene Grundwasserspiegel hergibt. Leider passiert es auch manchmal, dass Personen die Pumpen abdrehen. Die Beweggründe sind noch nicht eindeutig geklärt.

Die Urbarialgemeinde beschäftigt aber einen eigenen Pumpenbetreuer, der diese täglich inspiziert. Obmann Eric Lang erklärt: „Wenn die Landesregierung sagt, wir dürfen nicht mehr pumpen, dann gibt es auch keinen Darscho mehr. Das ist Fakt.“

Auch im Neusiedler See sterben aufgrund der warmen Wassertemperaturen die ersten Fische, vor allem jene, die kältere Gewässer brauchen, wie Zander und Sichling. Weil es durch den niedrigen Wasserstand teilweise keine typische Schichtung von wärmeren und kühleren Zonen im See gibt, können sich die Fische nicht mehr zurückziehen. Eine Umsiedelung wie im Zicksee oder Darscho ist aufgrund der Größe des Sees aber nicht möglich.

Bewässerung: erste Einschränkungen

Die Lacken im Seewinkel sind – anders als der Neusiedler See – vom Grundwasser abhängig. Fehlt die Verbindung durch einen zu niedrigen Grundwasserspiegel, reißt der Salztransport ab und eine Aussüßung der seltenen Salzlebensräume tritt ein.

Naturschutz und Landwirtschaft befinden sich dabei momentan in einem extremen Spannungsfeld: Die Bewässerung der Felder aus den zahlreichen Brunnen im Seewinkel steht unter immer größerer Kritik, selbst von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Erste Einschränkungen für die Landwirtschaft gebe es bereits, wie Christian Sailer, Leiter der „Taskforce Neusiedler See - Seewinkel“ im Amt der Landesregierung, im BVZ-Gespräch am Dienstag wissen lässt: „Für Teilregionen in Apetlon gelten ab sofort per Bescheid restriktive Maßnahmen. Bestimmte Fruchtkulturen dürfen nicht mehr bewässert werden.“ In Trockenphasen müsse anders gewirtschaftet werden.