Neusiedler hat 140 Liter Blut gespendet. Bezirks-Spitzenreiter: Der 72-jährige Neusiedler Ernst Horvath hat in seinem Leben schon 318 Mal Blut gespendet.

Von Paul Haider. Erstellt am 22. Juni 2020 (05:12)
„Aus Liebe zum Menschen“. Ernst Horvath hat in seiner Blutspender-Laufbahn schon viel Anerkennung und auch Geschenke bekommen - wie ein Weingenießer-Set oder die Trophäe für seine 300. Blutspende (Bild rechts). Klar im Vordergrund steht für den Neusiedler aber das Helfen an sich.
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Ernst Horvath ist vermutlich ein hundertfacher Lebensretter: Der Hafner- und Fliesenlegermeister im Ruhestand hat schon über 300 Mal Lebenssaft gespendet. Mit insgesamt 318 Spenden ist Ernst Horvath der „Blutspendemeister“ des Neusiedler Bezirks und burgenlandweit auf Platz zwei im Ranking der fleißigsten Blutspender (auf Platz eins ist eine Person aus dem Bezirk Eisenstadt, mit einem „Vorsprung“ von 22 Spenden zu Ernst Horvath).

„Aus Liebe zum Menschen“. Ernst Horvath hat in seiner Blutspender-Laufbahn schon viel Anerkennung und auch Geschenke bekommen - wie ein Weingenießer-Set oder die Trophäe für seine 300. Blutspende (Bild oben). Klar im Vordergrund steht für den Neusiedler aber das Helfen an sich.
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Anlässlich des Weltblutspendetages am vergangenen Sonntag hat Ernst Horvath der BVZ verraten, warum er schon so lange Stammgast bei Blutspendeaktionen ist. „Würstel kann ich ungefähr seit meiner 200. Spende nicht mehr sehen“, lacht er in Anspielung auf die traditionelle kostenlose Stärkung nach einer Blutspende. Trotzdem ist er auch nach dem 200. Paar Frankfurter noch über 100 Mal „zur Nadel“ geschritten. Und das, obwohl er ursprünglich nicht die besten Voraussetzungen zum Blutspenden mitgebracht hatte.

Lange Zeit seines Lebens wurde er nämlich von einer Angst vor Nadeln gequält - die er aus heutiger Sicht auf einen wahrscheinlich traumatischen Krankenhausaufenthalt als Fünfjähriger zurückführt. „Ich habe Scharlach gehabt und musste sechs Wochen in Isolation im Krankenhaus verbringen“, erinnert sich Ernst Horvath.

Die erste Blutspende gibt er dann trotz Nadel-Phobie in den 1960er-Jahren beim Bundesheer ab. „Das haben fast alle gemacht, weil wer Blut gespendet hat, hat den restlichen Tag freibekommen“, erklärt der Neusiedler. Prompt wird ihm während der Blutabnahme schlecht - und in weiterer Folge rät ihm sein Arzt aufgrund der Aufregung von weiteren Blutspenden ab.

Doch als sich Horvath im Alter von 38 Jahren gegen Zecken impfen lässt und ihm auffällt, dass er seine Angst vor der Nadel offenbar überwunden hat, gibt er auch dem Blutspenden eine zweite Chance. Nicht zuletzt weil er mit A negativ eine seltene, aber vielseitig einsetzbare Blutgruppe hat, will er seinen wertvollen Lebenssaft wieder jenen zur Verfügung stellen, die dringend eine Blutkonserve benötigen.

Irgendwann macht es sich Herr Horvath zur Angewohnheit, nach Ablauf der achtwöchigen Wartefrist zwischen zwei Blutspenden sofort wieder zu spenden - bis zu sechs Mal pro Jahr. Als er zum ersten Mal hört, dass vermehrt Plasma- und Thrombozyten-Spender gesucht werden, zögert er nicht lange und spendet seither regelmäßig auch diese oft lebensrettenden Blutkomponenten.

„Wegen Leuten wie Ihnen lebe ich noch“

Bei wem genau eine Blutspende schließlich landet, erfährt der Spender freilich nicht. Man wird lediglich informiert, in welchem Krankenhaus die gespendete Blutkonserve eingesetzt werden konnte.

Dennoch kann Ernst Horvath von zwei ganz persönlichen Erlebnissen im Zusammenhang mit dem Blutspenden berichten. Die erste Begegnung passiert bei einem Großhändler in Wien, dem Ernst Horvath davon erzählt, dass er gerade auf dem Weg zur Blutspendezentrale sei: „Ein junger Mann von ungefähr 30 Jahren hat das Gespräch mitbekommen und hat sich zu mir umgedreht. Dann hat er gesagt: ‚Ich habe Leukämie gehabt. Wegen Leuten wie Ihnen lebe ich noch‘.“

Ein weiteres berührendes Gespräch führt Horvath mit einer Freundin, die mit Hilfe von Stammzellen-Therapie und Thrombozyten-Transfusion eine Krebserkrankung überwunden hat: „Sie hat gesagt: ‚Die Thrombozyten, die ich bekommen habe, waren vielleicht von dir‘.“

Positive Begegnungen wie diese geben Ernst Horvath die Motivation, auch in der „Blutspende-Pension“ weiterhin beim Roten Kreuz aktiv zu bleiben und vielen Menschen zu helfen: „Ich habe in meinem Leben viel erreicht und viel Glück gehabt. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben und freue mich wirklich, wenn ich helfen kann“, bringt es Ernst Horvath auf den Punkt.