Sorge um Wasserstand: Neusiedler See mit Hochs & Tiefs. Das Sturmtief „Petra“ führte zu extremen Pegelschwankungen im Steppensee.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 12. Februar 2020 (06:14)

In Seglerforen in den Sozialen Netzwerken wird derzeit wieder heiß diskutiert. Eines der Themen: Wie präpariert man am besten das Ruderblatt, um im Neusiedler See nicht im Schlamm stecken zu bleiben.

Klar, momentan ist keine Segelsaison, der Wasserstand des Steppensees ist unter Wassersportlern aber immer Thema. In den vergangenen Tagen wieder verstärkt, denn besorgniserregende Bilder machten die Runde: Etwa von einer Badeleiter, die nicht ins Wasser, sondern lediglich in den trockenen Uferbereich führt, Purbacher Hafenausfahrten im Schlamm oder geschotterten Bootsliegeplätzen in Neusiedl. Auch im Rahmen der Aktion „Frag die BVZ“ stellte ein Leser die Frage, wo denn das Wasser im Neusiedler See geblieben sei.

„Die Pegelschwankungen gehören einfach zum See.“Elvira Horvath, Segelschule Neusiedl

Eines vorweg: Experten beruhigen, vor einer Austrocknung des Sees braucht man sich mittelfristig nicht zu fürchten. Der stürmische Nordwestwind zwischen 3. und 5. Februar habe lediglich zu enormen Wasserverlagerungen geführt.

Karl Maracek, Leiter des Referats Hydrographie in der Burgenländischen Landesregierung, erklärt das Phänomen im BVZ-Gespräch so: „Der extreme Nordwestwind drückte das Wasser vom Norden in den Süden. Die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten Pegelstand im See kann in so einem Fall bis zu einem Meter oder mehr betragen. Das kommt alle zwei bis drei Jahre ein Mal vor.“

Die Messdaten bestätigen seine Erklärung. Fast im gleichen Maße, wie der Pegelstand am nördlichsten Messpunkt sank, stieg er im südlichen Teil des Sees, in Illmitz, an. Das ergab am Nachmittag des 5. Februars einen Unterschied von rund einem Meter an Wassertiefe zwischen Neusiedl am See (114,76 Meter über Adria) und Illmitz (115,7 Meter über Adria).

Auf die Frage, ob Wasser bei solchen Stürmen im Schilfgürtel versickert, relativiert Maracek: „Im Sommer, wenn das Schilf trocken ist, dann saugt es. Dann kann es zu Wasserverlusten kommen. Zu dieser Jahreszeit ist das aber nicht der Fall.“

Pegelstand weit unter dem Durchschnitt

Weil der Pegelstand des Sees je nach Windstärke und Windrichtung enormen Schwankungen unterliegt, ist als Grundlage für eine aussagekräftige Diskussion über den Neusiedler See der Mittlere Pegelstand herzunehmen.

Und dieser hat sich auch an den Sturmtagen nicht wesentlich von den Tagen davor oder danach unterschieden. Derzeit liegt der Mittlere Wasserstand bei 115,40 Meter über Adria (Stand 7.2.2020).

Neusiedler See. Die blaue Kurve zeigt den Pegelstand der Messstation Neusiedl. Auffallend der Ausschlag nach unten am 5. Februar. Innerhalb eines Tages sank der Wasserstand um rund 75 Zentimeter auf unter 114,8 Meter über Adria. Die Werte sind unter https://wasser.bgld.gv.at nachzulesen.  Foto: Amt der Bgld. Landesregierung
Amt der Bgld. Landesregierung

Was aber doch aufhorchen lässt, ist die Tatsache, dass dieser Wert gleich um zehn Zentimeter unter dem Februarwert des Vorjahres und unter dem langjährigen Mittelwert liegt. Dieser wurde schon ab der zweiten Jahreshälfte 2019 um genau jene zehn Zentimeter unterschritten, die dem See auch jetzt noch auf einen durchschnittlichen Wasserstand fehlen.

Ist daran der lange heiße Sommer Schuld? „Nein“, sagt Maracek. 2019 hätten sich die Sommertemperaturen nicht wesentlich von 2018 unterschieden. „Die negative Komponente war die Niederschlagssituation.“ Es habe schlicht zu wenig geregnet. Davon habe sich der See bis heute nicht erholt.

Der Neusiedler See wird etwa zu 87 Prozent durch Niederschlag und 13 Prozent durch kleine Zubringer, wie die Wulka, gespeist. Verdunstung kann also im Wesentlichen nur durch Regen wettgemacht werden. Auch der Grundwasserspiegel sei für den Wasserstand des Neusiedler Sees nicht ausschlaggebend.

Für Segler sollte der Wasserstand mit Beginn der Frühjahrssaison aus heutiger Sicht aber kein Problem sein. Vorausgesetzt man segelt mit dem richtigen Boot. Das bestätigt auch Elvira Horvath, Geschäftsführerin der Segelschule Neusiedl. Sie beobachtete in den vergangenen Jahren, dass die Segelboote am See immer größer werden und „eigentlich nicht für den Neusiedler See geeignet sind“.

„Es ist ein Phänomen, immer wenn es viel Wasser gibt, werden große Boote gekauft und wenn der Wasserstand dann sinkt, kommen diese Boote nicht mehr aus dem Hafen. 32 Fuß-Schiffe sind nun einmal nicht für den Neusiedler See geeignet. Die Pegelschwankungen gehören einfach zum See“, weiß Horvath.