Naturschützer alarmiert: XXXLutz erweitert Zentrallager. XXXLutz möchte in Zurndorf erweitern. „Alliance for Nature“ kritisiert weitere Bauarbeiten am Lager und fordert UVP.

Von Daniel Hahofer. Erstellt am 22. Juli 2021 (05:58)

In der bereits genehmigten zweiten Baustufe der ersten Bauphase soll das XXXLutz-Logistikzentrum in Zurndorf um ein Untergeschoss erweitert werden. Eine Verlängerung des südlichen und nördlichen Gebäudeflügels soll in der zweiten Bauphase ergänzt werden. Hierzu fand vor kurzem die bau- und gewerbebehördliche Verhandlung statt. Christian Schuhböck von „Alliance for Nature“ war vor Ort und äußerte seine Bedenken an der Erweiterung des Riesenprojektes und zweifelt an dessen Umweltverträglichkeit.

Der Grundstein des umstrittenen Zentrallagers wurde bereits 2019 errichtet. Zu Beginn der Bauarbeiten rechnete man mit Gesamtkosten in der Höhe von ungefähr 60 Millionen Euro. Aktuell ist ein genauer Endbetrag nach der Fertigstellung der Erweiterungsarbeiten seitens des Möbelkonzerns nur schwer abzuschätzen.

Das auf einer Fläche von ungefähr 40 Hektar geschaffene Logistikzentrum ermöglicht die Warenversorgung für Mittel- und Südosturopa. „Nach dem Endausbau werden etwa 320 Arbeitsplätze im Zentrallager vorhanden sein“, meint XXXLutz-Pressesprecher Thomas Saliger. Darüber freut sich insbesondere Zurndorfs Bürgermeister Werner Friedl: „Hiermit konnten nicht nur Arbeitsplätze für unsere Gemeinde, sondern für die gesamte Region geschaffen werden. In Zeiten wie diesen halte ich so etwas für wichtig und ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, so Friedl.

„Alliance for Nature“ übt scharfe Kritik

Die Umweltorganisation „Alliance for Nature“ zeigte sich allerdings schon zu Beginn kritisch. Die Organisation befürchtete nämlich „eine erhebliche negative Beeinträchtigung der Fauna“ des angrenzenden Natura-2000-Schutzgebietes. Bisher wurden jedoch jegliche Beschwerden und Anträge von „Alliance for Nature“ abgewiesen.

Im Zuge der Verhandlungen zur zweiten Bauphase brachte die Organisation und dessen Generalsekretär Christian Schuhböck weitere Einwendungen ein. Laut Schuhböck müsste aufgrund von wertvollen Kulturgütern eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Während der Bauarbeiten stieß man nämlich auf historische Funde aus der Römerzeit: „Seit über zwei Jahren laufen fast ununterbrochen archäologische Grabungen“, so XXXLutz-Pressesprecher Thomas Saliger. „Es wurde eine römerzeitliche Villa freigelegt mit den dazugehörigen Siedlungen, Grubenhäusern, Friedhöfen und Straßen. Die Funde werden vom Bundesdenkmalamt katalogisiert und gelagert. Nach Abschluss der Dokumentation wird gemeinsam ein Konzept für eine, auch museale, Verwendung erstellt.“ Da es sich um eine der größten römerzeitlichen Ausgrabungen im Burgenland handelt, kümmerte sich XXXLutz bisher selbst um die entstandenen Kosten während der Grabungsarbeiten.

Des Weiteren behauptet Schuhböck, dass verschiedenste Gutachten und Prüfstände, auf welche sich der Möbelkonzern beruft, mit dem aktuellen Ausmaß des Bauprojektes nicht mehr übereinstimmen. Beispielsweise würden zwangsläufige Nebenwirkungen des wesentlich größeren Warenumschlages im gegenständlichen Bescheid keine Deckung finden. Deshalb fordert „Alliance for Nature“ erneut die Durchführung eines UVP-Feststellungsverfahrens sowie die Anpassung und Neubeurteilung mehrerer Gutachten.

Zu den Einwendungen der Organisation gebe es Saliger zufolge bereits aus den vorangegangenen Verfahren eindeutige Erkenntnisse des Verwaltungsgerichts. Bürgermeister Werner Friedl beteuerte ebenso, dass seitens XXXLutz alle Naturschutzauflagen erfüllt worden seien: „Natürlich ist auch die Gemeinde am Natur- und Umweltschutz interessiert und wird dem nicht querschießen.“