Vier Verletzte! Junge Frau teilte aus. Eine 18-Jährige verletzte drei gleichaltrige Frauen und brach einem Polizisten eine Rippe.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 22. Mai 2020 (04:41)
Vertagt. Ein Gutachter soll die Verletzung am Auge eines Opfers beurteilen.
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Begonnen hatte die Aggressionsserie am 10. Juni 2019. An diesem Tag geriet die 18-jährige Angeklagte, die nun eine Lehre absolviert, in einer Diskothek im Bezirk Oberpullendorf in Streit mit einer gleichaltrigen Freundin. „Sie hat was mit meinem Ex-Freund gehabt“, sagte die Angeklagte. „Das hat mich aufgeregt, keine Ahnung.“

Sie gab zu, die Freundin in den Schwitzkasten genommen und mit dem Umbringen bedroht zu haben. „Tut Ihnen das leid?“, fragte Jugendrichterin Birgit Falb beim Prozess in der Vorwoche. „Natürlich“, antwortete die Angeklagte. Sie gab zu, unter Alkoholeinfluss manchmal „auszuticken“.

Freundin mit Posting bloßgestellt

Eine Woche nach dem Vorfall in der Diskothek postete die Angeklagte ein manipuliertes Foto von der Freundin auf einer Chat-Plattform. „Das finde ich widerlich“, sagte die Richterin. „Warum haben Sie das Foto gepostet?“„Das kann ich Ihnen nicht wirklich beantworten“, erklärte die Angeklagte.

Noch heftiger verlief am 6. Oktober 2019 ein Streit mit einer anderen 18-Jährigen. Es ging wieder um den Ex-Freund der Angeklagten. „Ich hatte mit ihm etwas am Laufen und redete mit ihm vor der Disco“, berichtete die Angeklagte. Das habe der Kontrahentin „nicht gepasst“. „Ich hatte mit ihrem Ex-Freund keine Beziehung, aber ich hatte mit ihm etwas am Laufen“, sagte das 18-jährige Opfer dieser Auseinandersetzung.

Die Angeklagte habe sie an den Haaren gezogen. Daraufhin habe sie die andere am Hals gepackt, worauf die Angeklagte mit einem Trinkglas in der Hand in ihr Gesicht geschlagen habe. Die 18-Jährige, die im folgenden Krankenstand ihren Job verloren hat, zeigte im Gerichtssaal auf eine Narbe auf der linken Wange. Außerdem seien ihr aus dem linken Auge mehrere Glassplitter entfernt worden.

Opfer: „Bin froh, dass ich nicht blind bin“

„Ich bin froh, dass ich nicht blind bin“, sagte die Zeugin. 5.000 Euro Ersatz für Schmerzen und Verunstaltung forderte ihr Anwalt für sie.

Aufgrund der Rauferei war die Polizei in die Diskothek gerufen worden. „Ein Kollege kannte sie von früheren Amtshandlungen“, berichtete jener Polizist, dem die Angeklagte später eine Rippe brach. Man habe die junge Frau, die sich mit den Splittern des Trinkglases selbst an der Hand verletzt hatte, im Stadtgebiet von Oberpullendorf gefunden und ins Spital gebracht. Dort trafen sie auf die verletzte Kontrahentin.

Polizist: „So etwas habe ich noch nie erlebt!“

„Es war schlimm. So etwas habe ich noch nicht erlebt!“, berichtete der Polizist. Die jungen Frauen hätten geschimpft und geschrien, sodass eine Ärztin für Ruhe sorgen musste.

Nachdem die Wunden der immer noch stark alkoholisierten Angeklagten versorgt waren, boten die Polizisten an, sie nach Hause zu bringen, „um zu vermeiden, dass es zur nächsten Eskalation kommt“, so der Polizist. „Wie reagierte sie?“, fragte die Richterin. „Unmöglich!“, erinnerte sich der Polizist. Man habe sogar die Festnahme aussprechen müssen.

Mit Händen und Füßen wehrte sich die 18-Jährige dagegen, in das Dienstfahrzeug gesetzt zu werden. Ein größerer Polizeibus mit Schiebetüre musste angefordert werden. Zu viert zog und schob man die junge Frau ins Wageninnere. „Sie trat mich dabei gegen die Brust. Das war Pech. Die 6. Rippe links war gebrochen“, sagte der Polizist.

Er forderte 4.200 Euro Verdienstentgang und Schmerzensgeld, sei aber auch mit den von der Richterin vorgeschlagenen 3.000 Euro einverstanden. „Das ist auch in Ordnung. Wenn die junge Dame nur einmal sagen würde, es tut ihr leid. Beim letzten Vorfall waren wir schon wieder dabei“, erklärte der Polizist.

Am Disco-WC begann der dritte Streit...

„Der letzte Vorfall“ datiert vom 1. März 2020 und ereignete sich wiederum in der Diskothek.

Am WC sei sie mit einer ihr zuvor gar nicht näher bekannten 18-jährigen Frau in Streit geraten, auf der Tanzfläche sei es weitergegangen. Ein Security beobachtete die Rauferei und brachte die Angeklagte hinaus, die Kontrahentin folgte. Draußen soll die Angeklagte die andere niedergestoßen haben.

„Im Nachhinein ist mir das peinlich“, sagte die Angeklagte, die im Großen und Ganzen zu allen Vorwürfen geständig war.

Der Prozess wurde vertagt. Ein Gutachter soll beurteilen, wie gravierend die Verletzung am Auge des zweiten Opfers war. „Davon hängt viel ab. Es macht einen Unterschied bei der Strafe, ob es sich um eine leichte oder um eine schwere Körperverletzung handelt“, so die Richterin.