Schloss bleibt als Kulturstätte offen. Barbara Lehmden will Schloss Deutschkreutz als Kulturstätte weiter positionieren und zusätzlichen Fokus auf Ausbildung legen.

Von Isabella Kuzmits und Michaela Grabner. Erstellt am 30. Juli 2020 (05:55)
Im Schloss zu Hause. Schon als Kind hat Barbara Lehmden jeden Sommer in Deutschkreutz verbracht. „Ich liebe die landschaftliche Situation rund um das Schloss, diese mildhügeligen Ebenen mit ihren Weinbergen.Viele Menschen hier sind mir noch aus der Jugend bekannt und vertraut und ich schätze die Deutschkreutzer sehr“, so Lehmden.
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Schon als Kind hat Barbara Lehmden ihre Ferien in Deutschkreutz verbracht „und zwar sehr gerne“, wie sie selbst sagt. „Das habe ich auch später mit meinen Kindern so beibehalten und wir waren im Sommer meistens acht Wochen am Stück im Schloss“, schildert sie. „Heute bin ich auch vorwiegend in der warmen Jahreszeit im Schloss, da die Beheizung – ich heize hier in meiner Wohnung nur mir Holzöfen – sich sehr arbeitsreich gestaltet und dennoch oft unzureichend ausfällt.“

Nach dem Tod ihres Vaters Anton Lehmden im Sommer 2018 lag es für Barbara Lehmden auf der Hand, das sie ihren Weg, den sie 2004 mit großer Zustimmung ihres Vaters eingeschlagen hatte, fortsetzt. „Auch in der Familie ist man überein gekommen, dass es jemanden braucht, der das Schloss konkret nach außen hin vertritt“, so Lehmden. Seit 2004 organisiert sie den Kultursommer Schloss Deutschkreutz und sie hat dazu 2005 den Verein Kultursignale Schloss Deutschkreutz gegründet.

Den größten Eindruck machte mir die Verwandlung des verfallenen Schlosses in ein Heim, es war die Spielwiese meiner Kindheit und meiner Jugend, heute hat sich das nur noch verstärkt. Barbara Lehmden

Für die Zukunft ist es ihr ein großes Anliegen, das Gedächtnis an den Künstler Anton Lehmden wach zu halten und seine Bilder dem Publikum weiter zugänglich zu machen. „Schon jetzt mache ich sehr viele Führungen, die ganz wunderbar angenommen werden – vermutlich, weil die Besucher spüren wie ich mit meinem Vater und seiner Kunst verwachsen bin. Ich möchte sein ‚Haus‘ ganz in seinem Sinne als Kulturstätte weiter positionieren mit einem zusätzlichen Fokus als Ausbildungsstätte“, betont Lehmden.

So fanden heuer bereits ein gut besuchter Gitarrenkurs mit Martina Schäffer und eine Sommerakademie mit Axl Litschke, einem ehemaligen Schüler und Assistenten von Anton Lehmden an der Akademie der bildenden Künste in Wien, statt (siehe auch Artikel Seite 21). „Der heurige Sommer war trotz Corona oder im Gegenteil wegen Corona sehr veranstaltungsreich, da ich mich schon bald dazu entschlossen hatte, unsere privilegierte Position – nämlich den weitläufigen Innenhof – für Open Air Veranstaltungen mit weit gestreuter Bestuhlung zu nutzen, um den Künstlern endlich wieder eine Auftrittsplattform zu geben“, so Lehmden. So gab es einen Krimiabend mit Stefan Slupetzky sowie zwei Konzerte unter dem Titel „Landlust“ bzw. „Sommerliches Divertimento“.

„‚Literatur in Grün‘ war mein richtiges ‚Baby‘“

„Mein richtiges ‚Baby‘ aber war meine Veranstaltungsreihe ‚Literatur in Grün‘, die ich 2004 bis 2013 laufen hatte. Es war meine ureigenste Erfindung die Literatur mit Autorenlesungen in die Landschaft zu setzen, in den Schlosspark und den Schlosshof, und dadurch ein neues Publikum für die Literatur zu gewinnen und zu begeistern – ohne den üblichen verstaubten und verkrampften Rahmen von üblichen Lesestuben“, so Lehmden.

Angesichts dessen verwundert es kaum, dass auf die Frage nach ihren Lieblingshobbys die eindeutige Antwort „Lesen, lesen, lesen....“ kommt. Dabei war es zunächst nicht die Literatur, sondern die Bühne, die Barbara Lehmden verlockte. „Mein Traumberuf wäre Schauspielerin gewesen. Ich war als Kind bekannt für meine lustigen Parodien und mein Vater sagte von mir immer, das Max-Reinhardt-Seminar warte nur auf mich. Dieser Plan hat sich aber dann in meiner Jugend ganz verloren“, erzählt Lehmden.

Stattdessen begann sie Kunstgeschichte zu studieren. „Da ich früh Mutter geworden bin, habe ich mein Kunstgeschichte Studium (leider) abgebrochen“, so Lehmden. „Ich war dann lange bei meinen drei Kindern zuhause, was ich auch sehr genossen habe. Später habe ich dann bei meiner Schwägerin in ihrer Galerie gearbeitet.“

Und heute ist sie der kulturelle Kopf des Schlosses. „Ich liebe die Herausforderung und punkte gerne mit meinen spontanen Entscheidungen. Bei meinem Job gefällt mir am meisten die Eigenverantwortlichkeit, autonome Entscheidungen treffen zu dürfen, das Abwechslungsreiche und der Kontakt zu den Menschen.“

In Zukunft würde sie gerne wieder mehr Zeit zum Schreiben haben. „Ich würde sehr gerne wieder selbst schreiben, komme aber nicht dazu. Es kam ja 2002 der Lyrikband ‚Rahmenlos’ von mir heraus. Inzwischen schreibe ich leider nur noch Konzepte und ToDo-Listen für meine Veranstaltungen… Aber schön wäre es doch!“