Als Romeo in Berlin auf der Bühne: Oberpullendorfer im Interview

Erstellt am 24. November 2022 | 05:41
Lesezeit: 6 Min
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Ein Oberpullendorfer in Berlin. Paul Csitkovics (Romeo) (3.v.r.) mit (v.l.) Nico Went (Mercutio), Peter Plate, Yasmina Hempel (Julia), Ulf Leo Sommer und Nils Wanderer (Todesengel).
Foto: Stage Entertainment/Jörn Hartmann
Der Oberpullendorfer Paul Csitkovics wird am Stage Theater des Westens eine Hauptrolle im Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ des deutschen Komponistengespanns Peter Plate und Ulf Sommer (Rosenstolz, Helene Fischer, Sarah Connor, ...) spielen.

Wie sind Sie bei der Produktion am Theater des Westens in Berlin gelandet?

Paul Csitkovics: Im Juli wurde ich von der Casting Abteilung der Stage Entertainment zur Audition für den Castwechsel von „Ku’damm 56 – Das Musical“ ins Theater des Westens eingeladen. Persönlich habe ich mich nicht wirklich in der Show gesehen. Alle Rollen, für die ich eingeladen wurde, wurden von Kollegen gespielt, die wahnsinnig talentiert und zwei Köpfe kleiner waren als ich. In solchen Fällen ist es mir schon oft passiert, dass ich bereits beim Betreten des Raumes der Audition gemerkt habe, dass mein Name durchgestrichen wird, bevor ich überhaupt noch einen Ton gesungen hatte. Deswegen wollte ich die Audition eigentlich absagen. Christoph Drewitz, Regisseur meines zu dem Zeitpunkt aktuellen Stücks „Drosselbart!“ bei den Grimm-Festspielen Hanau, in dem ich Prinz Ferdinand spielen durfte, riet mir aber, trotzdem hinzugehen. Und da er für „Ku’damm“ auch Regie geführt hatte, machte ich mich auf den Weg nach Berlin.

Wie bereitet man sich auf so ein Casting vor?

Csitkovics: Vorzubereiten gab es sehr viel in sehr kurzer Zeit – fünf Szenen und fünf Songs innerhalb einer Woche. Alles mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich sowieso nicht auf die Rollen passe.

Wie ist das Casting abgelaufen?

Csitkovics: Als ich zum Bühneneingang des Theaters des Westens kam, warteten bereits die anderen Bewerber. Viele bekannte Gesichter – viele blonde Gesichter, die alle den Blick heben mussten, um mir beim Grüßen in die Augen sehen zu können. Nicht unbedingt das beste Zeichen, wenn alle anderen Bewerber ganz anders aussehen und halb so groß sind. Nach ein paar Stunden Warterei und dutzenden Blondschöpfen war ich dran. Ich rechnete mit dem Kratzen des Kulis am Papier, das das Durchstreichen meines Namens untermalt, bevor ich noch „Hallo!“ gesagt habe. Doch da war kein Kratzen. Überhaupt ist es plötzlich sehr ruhig geworden im Raum, in dem gut zehn Leute gesessen sind, die mich alle angeschaut und mitten im Gespräch abgebrochen haben. Die Leute der Casting Abteilung von Stage Entertainment, darunter ein blonder Typ mit einem Schmunzeln, das ich nicht deuten konnte: Peter Plate. Rosenstolz. Sänger, Komponist, Produzent, Echo, Comet, mehrfach Paltin-ausgezeichnete Platten, Bundesverdienstkreuz und jetzt Schmunzler. „Was geht?“, höre ich mich das Schweigen durchbrechen. Ups. Kurzes Schweigen. Dann lachen sie. Ich singe den ersten Song. Merke, dass getuschelt wird. Sie wollen noch einen hören. Peter Plate fragt, ob er mich filmen darf. „Ja, aber das kostet extra“, höre ich mich sagen. Ups Nummer zwei. Sie lachen wieder. Ich singe die restlichen Songs und sie wollen auch die Schauspielszenen sehen. Als ich mich bedanke und gehen will, fragt mich Peter Plate, was ich heute noch mache. Ich: Mein Zug nach Hanau geht in 30 Minuten. Er: Schade. Als ich gehe, höre ich hinter mir eilige Schritte: Die Chefin der Castingabteilung. Ob ich die nächsten Tage Zeit habe. Von Diskretion ist die Rede. Und dem nächsten großen Ding. So geht das eine Weile, bevor ich frage, worum es überhaupt geht. Sie: Wir glauben du wärst ein guter Romeo für unsere neue Show.

Wie ging es dann weiter?

Csitkovics: Im Zug nach Hanau habe ich Kopfhörer auf – drei neue Songs, vier Szenen in klassischer Sprache, alles vorzubereiten innerhalb von drei Tagen. Die Worksession fand online statt, weil weder sie noch ich Zeit hatten, vor Ort zu sein. So singe und spiele ich in meinem Wohnzimmer vor meiner iPad-Kamera und sehe die kleinen Quadrate auf dem Bildschirm mich mit Argusaugen beobachten. Zwei Wochen später kam der Anruf: „Wir hätten dich gerne als Romeo.“ Und wieder zwei Wochen später stand ich auf der Bühne des Theater des Westens und durfte den Song „Liebe ist Alles“ auf der ausverkauften Pressekonferenz zum neuen Musical von Peter Plate und Ulf Leo Sommer „Romeo & Julia – Liebe ist Alles“ performen. Verträge werden unterschrieben. Fototermin. Interviews. Werbe-Jingle fürs Radio einsprechen. Und dann schnell wieder ins Tonstudio, wieder neue Songs aufnehmen, die vor einer Stunde geschrieben wurden. Die Mailbox geht über. Instagram explodiert. Das habe ich echt unterschätzt. Diese ganze Aufmerksamkeit. Aufregend. Aber auch eigenartig. Vor allem, weil ich nicht das Gefühl habe, je was anders gemacht zu haben. Und trotzdem ist jetzt irgendwie alles anders. Und alle behandeln dich anders. Das ist eigentlich gar nicht so cool.

Die Premiere von „Romeo und Julia“ wird am 19. März sein. Wann starten die Proben?

Csitkovics: Wir fangen erst im Januar mit den Proben an. Die Maxi-CD mit den ersten zwei Singles kommt am 16. Dezember raus. Das ganze Album mit allen Songs zum Musical im März. Plötzlich sollst du 500 CDs signieren und sitzt beim Fitting für ein Musikvideo, wo deine Locken gestylt werden, die du als Teenager nicht mochtest, weil alle anderen glatte, helle Haare hatten. Und du denkst dir, es kann doch nicht wirklich 500 Leute geben, die eine CD kaufen wollen, auf der du singst und auf der du krakelig deinen Namen schreibst mit dem Nachnamen, der dir deine ganze Berufsbahn lang madig geredet wurde, weil zu lang, zu kompliziert und zu undeutsch. Aber du sitzt jetzt da. Mit dem Mikro in der Hand und den Locken auf dem Kopf. Du darfst ein Stück spielen mit Inhalt. Eine schauspielerische Herausforderung, nach der du dich schon lange gesehnt hast. In einer Show, die es noch nie gab. Die du mitformen und mitkreieren kannst.

Was gefällt dir besonders am Musical „Romeo und Julia“?

Csitkovics: Die neuen Songs, die so schön und berührend sind, dass man sie nie wieder abschalten möchte, wenn sie laufen. Und dann sind da die lustigen Songs und die ganze Comedy, die Romeo und Julia bietet und von denen man ganz vergessen hat, dass es die auch gibt im Stück. Und die Aktualität die der Stoff hat, obwohl er so alt ist. Man möchte zur Zeit gar nicht mehr Nachrichten schauen, weil einen dieser allgegenwertige Hass überall auf der Welt zu erdrücken scheint. Und dass die Liebe die einzige Antwort darauf sein kann. Die zwei Seiten der gleichen Medaille, Liebe und Hass. Zwei Sachen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch den gleichen Ursprung haben: die Leidenschaft. Etwas, dem wir uns nicht entziehen können. Nur, dass es wir selbst sind, die entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Ich denke, dass es das ist, was Shakespeare uns mit Romeo und Julia zeigen wollte. Dass wir es sind, die es in der Hand haben.