Positiv Getestete (39): „Wichtig: An Maßnahmen halten“. 39-jährige Pädagogin und Mutter zweier Kinder wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Sie erzählt, wie sie ihren Alltag in dieser Situation gemeistert hat.

Von Dieter Dank. Erstellt am 02. April 2020 (05:25)
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BVZ: Sie waren am Corona-Virus erkrankt. Die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen jetzt?

Es ist nun über 2 Wochen her, dass ich krank wurde und mir geht es sehr gut. Gott sei Dank hatte ich einen milden Krankheitsverlauf.

BVZ: Wie haben Sie erfahren, dass sie infiziert sind?

Kurz vor der Schließung von Schulen und Kindergärten bekam ich Kopf- und Gliederschmerzen. Ich vermutete, mir eine Verkühlung beim Sport zugezogen zu haben. Meine Beschwerden waren in etwa einem grippalen Infekt gleichzusetzen. Aufgrund meiner Sensibilität und dem hellhörigen Verfolgen der Medienberichte verbrachte ich die Zeit ausschließlich zu Hause, obwohl es mir nach wenigen Tagen wieder besser ging. Ich hatte aufgrund meiner Problembewusstheit gegenüber der Corona-Thematik schon zuvor genügend Lebensmittel besorgt und hielt mich an die Verordnungen der Regierung. Schon bei der Bekanntgabe der einschränkenden Maßnahmen verabschiedeten sich meine Familie und ich von unseren Eltern bzw. Großeltern. Dies beruhigte mich, da ich sie so vor einer möglichen Infizierung geschützt hatte.

„Während der Wartezeit auf das Ergebnis, aber vor allem nach Bekanntgabe meiner Infizierung, war meine Psyche schwer angeschlagen.“

BVZ: Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie sich mit dem Virus infiziert haben könnten?

Nachdem mich meine Schwester – auch sie ist mittlerweile wieder völlig gesund – informiert hat, dass sie positiv auf das Virus getestet wurde. Ohne zu zögern wählte ich die Hotline 1450, da mir schlagartig klar wurde, dass auch ich Trägerin und Überträgerin des Virus sein könnte. Es wurden mir Fragen zu meinem Symptomverlauf gestellt und ich gab auch bekannt, dass ich mich bereits wieder gut fühle, aber seit kurzer Zeit einen verminderten Geruchs-und Geschmackssinn verspüre, was ein typisches Anzeichen einer Infektion darstellt.

BVZ: Wie lange dauerte es bis zur Testung?

Einige Stunden nach meiner Meldung bei der Hotline bekam ich einen Rückruf von der Zentrale in Eisenstadt, zwei Stunden später führte ein Sanitäter des Roten Kreuzes mittels Rachenabstrich den Test durch. Während der Wartezeit auf das Ergebnis, aber vor allem nach Bekanntgabe meiner Infizierung, war meine Psyche schwer angeschlagen. Ich übermittelte die schon vorbereitete Kontaktliste an die Bezirkshauptmannschaft, damit diese Personen sogleich verständigt werden konnten. Es tut mir leid, dass ich meine sehr weitreichend angegebenen Kontaktpersonen unnötig in Angst versetzt habe, denn Gott sei Dank ist keine davon erkrankt.

BVZ: Wie ging Ihr Bekanntenkreis mit dieser Schocknachricht um?

Ich war eine der ersten Infizierten im Bezirk. Meine Bekannten haben nachdenklich, aber auch verständnisvoll und gefasst reagiert. Ihnen wurde dadurch bewusst, wie schnell sich das Virus verbreiten kann. Ich erhielt noch am selben Abend Nachrichten wie „Mach dir keine unnötigen Sorgen“ oder „Du trägst ja keinerlei Schuld!“ Sehr berührt haben mich die Beruhigungsversuche in vielen Telefonaten, die kleinen Aufmerksamkeiten, die vor die Tür gestellt wurden, die angebotenen Hilfsdienste für Einkäufe und die aufmunternden Botschaften mittels Nachrichten, Video und Briefen.

BVZ: Wie hat Ihre Familie die Situation aufgenommen?

Meine engste Familie hat mich sehr liebevoll durch diese, für mich sehr emotionale Zeit geführt. Wichtig war uns in der Quarantäne, dass wir uns zumindest räumlich distanziert haben. Zum Schutz meiner Familien trug ich eine Schutzmaske. Ich war hin und hergerissen zwischen der Sorge um das Wohlergehen meiner Kontaktpersonen und der Hoffnung darauf, dass sie gesund bleiben.

BVZ: Wie sieht Ihr Leben nach der Quarantäne aus?

Ich bin bereit, mit meiner erlebten und für mich sehr prägenden Geschichte, aufklärend und offen umzugehen und möchte meinen Mitmenschen vermitteln, dass eine Ausbreitung des Virus erfolgreich verhindert werden kann, wenn die uns auferlegten Maßnahmen strikt eingehalten werden. Ich selbst gelte wieder als völlig gesund und möchte nun meinen Beitrag zur Forschung leisten, indem ich mich als Blutplasma-Spenderin zur Verfügung stelle, um zu einer möglichen Medikamentenentwicklung beitragen zu können. Die erlebten, positiven zwischenmenschlichen Beziehungen haben mir viel Kraft gegeben. Nun möchte ich unterstützend für jene Personen da sein, die zur Risikogruppe zählen.