Sportlich im Alter: Racket und Rad statt Rollator. Der 80-jährige Johann Schlaffer aus Neckenmarkt braucht keine Gehhilfen, sondern jagt vielmehr dem Tennisball hinterher und den Großglockner hinauf.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 20. September 2020 (04:12)
Am Tennisplatz. Johann Schlaffer entschied das Match gegen die Rohrbacher Senioren mit seinem Partner souverän für seine Neckenmarkter. Mittlerweile spielt der 80-Jährige seit über vier Jahrzehnten Tennis.
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Bei den Tennis-Meisterschaftsspielen der Neckenmarkter 60+ Mannschaft wird bei der Mannschaftsaufstellung oft vom Gegner darauf hingewiesen, dass nicht nur 60-Jährige der Tenniskugel hinterherjagen, sondern auch ein paar noch ältere Herren, die sogar schon 65 oder 66 Jahre auf dem Buckel haben und noch immer aktiv sind. Da können die Neckenmarkter Tennis-Oldies nur lächeln. „Wir haben mit Johann Schlaffer einen 80-Jährigen in unseren Reihen!“, geben die Neckenmarkter dann, nicht ohne Stolz, zur Antwort.

Sie sind der Meinung, dass es schon allein dafür einen Zusatzpunkt beim Endergebnis geben müsste – aber die gibt es natürlich nicht. „Und brauchen wir auch nicht, denn ‚Hans‘ macht auch so seine Punkte, wie er beim letzten Meisterschaftsspiel gegen die 60er aus Rohrbach unter Beweis gestellt“, schildert Mannschaftskollege Josef Schukovits. Das Doppel wurde souverän gewonnen, und das nur wenige Tage vor Schlaffers 80. Geburtstag. „Man muss sagen, dass unser Jubilar ein sportliches Phänomen ist.“

Großglockner-Radtour. Johann Schlaffer und Gerhard Petsovits bevor sie sich aufmachen, den Berg zu bezwingen.
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Sein ganzes Leben lang hat Johann Schlaffer diverse Sportarten ausgeübt. Mit dem Tennissport begann er in den späten 70er-Jahren, als der Neckenmarkter UNION-Tennisclub gegründet wurde. Er war von Anfang an dabei – und als man erstmals an der burgenländischen Meisterschaft teilnahm, hat er im Laufe der Jahre mit vielen Siegen mitgeholfen, dass der Tennisclub aus dem Blaufränkischland einer der erfolgreichsten Vereine im Bezirk war und noch immer ist.

Einjährige „Auszeit“ für neue Hüfte

Johann Schlaffer hat also erst mit knapp unter 40 Jahren mit dem Tennissport begonnen – daher waren seine Gegner immer ziemlich jünger als er und sind es natürlich auch jetzt – und ist jetzt also weitere 40 Jahre dabei, wobei er doch auch eine „Auszeit“ hinnehmen musste – vor fünf Jahren bekam er eine neue Hüfte und musste daher über ein Jahr pausieren.

Nun glaubten seine Vereinskameraden an ein Ende seiner Karriere, doch da verkannten sie den Kämpfer in ihm. Johann Schlaffer kam zurück und ist immer noch ein wichtiger Bestandteil der 60+ Seniorenmannschaft.

„Dass er im Tennissport noch was vorhat, beweist auch die Tatsache, dass er sich erst vor Kurzem einen neuen Tennisschläger zugelegt hat“, meint Schukovits.

Vom runden Leder zur gelben Filzkugel

Sportlich war Schlaffer eigentlich schon immer – und so war er in seinen jungen Jahren beim örtlichen Fußballverein aktiv. Und das viele Jahre; es war fast so, dass er vom Fußball- gleich zum Tennissport übergewechselt ist. Bei seiner Fußballkarriere – er war auch lange Jahre Kapitän der Kampfmannschaft – hatte er allerdings das Pech, in einer Mannschaft zu spielen, die oft in den hinteren Regionen der Tabelle zu finden war.

Und dann war da noch ein weiteres sportliches Hobby: das Radfahren. Schon in seinen Jugendjahren war Schlaffer gezwungenermaßen viel mit dem Rad unterwegs, weil es in den Nachkriegsjahren nichts anderes gab. Und so war es für ihn selbstverständlich, viele Wege mit dem Rad zu erledigen. Es folgten später aber auch Radtouren, zuerst im Blaufränkischland, dann in der Buckligen Welt und schließlich machte er oftmals Radausflüge – allein oder auch in einer Gruppe – rund um den Neusiedler See. Tagestouren mit rund 120 Kilometern sind für ihn auch heute noch keine Seltenheit. Doch das absolute Highlight war die Bezwingung des Großglockners im Alter von etwa 60 Jahren. „Er erzählte einmal, wie er mit seinem gewöhnlichen Herrenfahrrad vielen jüngeren und wesentlich besser ausgerüsteten Kollegen ‚das Hinterrad zeigte‘ und so den Großglockner bezwang“, schmunzelt Schukovits.

Eine weitere Sportart, die Schlaffer intensiv betrieben hat und noch betreibt: das Schifahren. Seit dem Jahre 1979 ging’s jeden Winter mit seiner Familie ins Salzburger Land, nach Leogang, um dort die Pisten unsicher zu machen. Es werden laut Angaben seines Sohnes zirka 30 Winterurlaube „mit Kind und Kegel“ im Hause von Olympiasiegerin Elfi Eder gewesen sein.

Weiters erwähnenswert sind seine Fußmärsche in den Wallfahrtsort Mariazell. Viele Jahre – sicher an die zwanzig Mal – ließ er es sich nicht nehmen, mit seinen Neckenmarktern diesen Pilgermarsch bei Sturm und Regen oder auch bei großer Hitze in Angriff zu nehmen.

Johann Schlaffers Familie – er ist Witwer, hat drei Kinder, neun Enkelkinder und drei Urenkerl – wird ihn zu seinem 80. Geburtstag am 20. September hoch leben lassen ebenso wie seine „60er“ vom Tennisklub.