artesanía musste schließen, Buchhandlung wieder weg. Ende von artesanía bedeutet auch Aus für buchwelten als Shop im Shop. Letztere eröffneten Bücherhaus in Dörfl.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 15. Januar 2020 (04:38)
Im Bücherhaus. Felix Emmer berät seine Kunden nun gerne wochentags jeden Nachmittag in Dörfl.
Dank

BVZ

„Im Handel kämpft jeder“, meint Susanne Geldner. Mit ihrem Geschenkartikel-Geschäft artesanía ging es ihr nicht anders und daher musste sie dieses nun schließen. „Im Geschenkeartikel-Handel habe ich nur das Weihnachtsgeschäft, die Kosten habe ich aber zwölf Monate im Jahr“, so Geldner weiter. „Dass die Frequenz immer geringer wird, damit kämpfen alle Städte, und die Kosten steigen. Da rede ich nicht von den Mietkosten. Die Lohnnebenkosten bringen uns um und da tut sich politisch nichts. Die einzigen, die überleben, sind die, die selbst im Geschäft stehen und sich selbst ausbeuten.“

10 Jahre hatte artesanía in der Hauptstraße geöffnet, zuvor war man bereits in der Spitalstraße tätig gewesen. Begonnen hatte aber alles am Standort des heutigen Hofers beim Kreisverkehr an der B50. „artesanía ist ein Geschäft, das mit viel Liebe entstanden ist“, so Geldner. Man habe sich immer bemüht, schöne Geschenkartikel gekauft und diese auch schön verpackt. „Aber es nützt nichts, wenn man in Schönheit stirbt“, seufzt Geldner.

„Bevor ich draufzahle, schließe ich das Geschäft, denn umsonst arbeiten mag ich auch nicht. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und viel herumgerechnet. Aber die Zahlen sprechen dagegen. Tragisch ist, dass ich eine Mitarbeiterin kündigen musste, die 35 Jahre bei mir ist. Sie ist keine Angestellte, sondern ein Familienmitglied. Das war das Schwierigste.“

Im Handel kämpft jeder. Wir haben im Stadtmarketing versucht, dagegenzuwirken und uns wirklich bemüht. Deshalb sieht man es in Oberpullendorf nicht so deutlich. Susanne Geldner, Gewerbetreibende

Ihr selbst habe es psychisch gut getan, dass ihr viele Leute gesagt haben, wie schade es um das Geschäft sei. Am 17. Jänner findet nochmals ein Abverkauf statt. Und da bis März noch der Mietvertrag läuft, überlegt Geldner, eventuell einen weiteren Abverkauf im März mit Frühlingsware durchzuführen.

Schon seit über einen Jahr arbeitete Geldner neben dem Geschäft als Immobilienmaklerin bei REMAX in Eisenstadt und das wird sie auch in Zukunft machen. Außerdem wird sie verstärkt als Oma eingeteilt sein. „Oma-Dienst und REMAX-Immobilien ist beides sehr spannend“, so Geldner.

„Das liebste ist mir aber der Weihnachtsmarkt in Wien.“ Dort hat sie in den vergangenen Jahren artesanía-Geschenkartikel verkauft und das wird sie auch in Zukunft beibehalten. „Ich bin Steinbergerin und Steinberger sind Marktfahrer“, meint sie. Wer auch künftig artesanía-Produkte kaufen möchte, kann sie also in der Adventzeit auf den Weihnachtsmärkten am Stephansplatz oder am Rathausplatz besuchen.

Bücherhaus in Dörfl öffnete seine Pforten

Die Schließung von artesanía bedeutet auch das Aus für die Buchhandlung buchwelten als Shop im Shop. Am 8. November des Vorjahres war buchwelten dank der Kooperation mit artesanía in die Stadt zurückgekehrt, nachdem das buchwelten-Geschäftslokal in der Hauptstraße Mitte März seine Pforten geschlossen hatte.

Die Buchhandlung buchwelten hat indes dieser Tage ihr neues Bücherhaus in Dörfl (Obere Hauptstraße 104) eröffnet. „Das haben wir schon im Vorjahr geplant, dann hat sich die Kooperation mit artesanía ergeben“, meint Geschäftsführer Felix Emmer. Er möchte nun einmal abwarten, wie das neue Bücherhaus in Dörfl angenommen wird. Vorerst wird dieses Montag bis Freitag jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet haben. Eine erneute Rückkehr der buchwelten nach Oberpullendorf schließt er aber auch nicht aus. „Wenn sich eine gute Kooperation ergeben würde, wäre ich auch nicht abgeneigt“, meint er. „Mit artesanía hat es gut gepasst. Leider geht es nicht mehr weiter.“