Bürokratie als Hemmnis: „Zu wenig Zeit für Kunden “. Wirtschaftskammer macht Besuchsoffensive, um aus erster Hand zu erfahren, wo die Unternehmer der Schuh drückt.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 18. September 2019 (04:00)
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Starten Besuchsoffensive. Stefan Kneisz und Freddy Fellinger von der Wirtschaftskammer.

Unter dem Motto „WIRtschaft GEMEINSAM“ startet die Wirtschaftskammer von 30. September bis 4. Oktober im Bezirk Oberpullendorf eine Besuchsoffensive. Funktionäre und Mitarbeiter werden in sieben Tagen 130 Betriebe besuchen, um im direkten Gespräch mit den Unternehmern vor Ort zu erfahren, was sich verändern oder auf alle Fälle bleiben muss, damit es mit der Wirtschaft im Bezirk erfolgreich weitergeht.

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Wirtschaftskenndaten für den Bezirk. 2018 wurden 227 neue Unternehmen im Mittelburgenland gegründet. 184 Millionen Kaufkraftvolumen stehen im Bezirk zur Verfügung. Dem steht eine Kaufkraft-Eigenbindung von 122 Millionen Euro gegenüber, die wieder im Bezirk investiert werden.

Wirtschaftskammer-Regionalstellenobmann Stefan Kneisz verweist in dem Zusammenhang auf einen internationalen Vergleich des renommierten Schweizer Instituts IMD, bei dem Österreich auf Platz 19 im Standort-Ranking gelandet ist. „Ein Platz im glanzlosen Mittelfeld. Für überbordende Bürokratie, eine komplexe Steuergesetzgebung und den Rückstand bei der Digitalisierung gab es Punkteabzüge.“ Die Bürokratie werde bei Betriebsbesuchen oft als größtes Hemmnis genannt. „Die Firmen haben viel zu wenig Zeit für den Kunden, das eigentliche Thema soll der Kunde sein, nicht die Bürokratie“, betont Kneisz. Durch Verschärfung von EU-Vorgaben auf Landesebene entstehe der Wirtschaft zudem ein Mehraufwand von 500 Millionen Euro. Rund 800 solcher Überregulierungen habe die Wirtschaftskammer festgemacht.

Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung

Außerdem würden in der Region viele Arbeitgeber zu wenig Fachkräfte und Lehrlinge finden. Hier müsse man bei der Lehrlingsausbildung ansetzen, wobei das Lehrlingscasting eine von vielen Maßnahmen dazu ist. Aufholbedarf ortet Kneisz auch in Sachen Digitalisierung. „Davon hängt auch ab, wie attraktiv der Bezirk für Betriebsansiedelungen ist“, betont Kneisz.

Die infrastrukturelle Aufwertung des Bezirks im Bereich Verkehr habe neben dem Tourismus indes dazu geführt, dass neue Betriebe geschaffen wurden. Ein neuer Wirtschaftspark von Oberpullendorf und Steinberg ist zum Beispiel am S31-Zubringer geplant. „Die Verlängerung der S31 hat aber auch Probleme mit sich gebracht“, meint Regionalstellenleiter Freddy Fellinger hinsichtlich des geplanten Fahrverbots für Lkw über 7,5 Tonnen auf der B62.

„Die burgenländische Wirtschaft ist nur dann geschützt, wenn es eine Ziel- und Quellverkehrsausnahme für das gesamte Burgenland gibt“, so Fellinger. Er rechnete vor, dass andernfalls ein Unternehmer, der mit seinem 12 Tonnen-Lkw eine Lieferung von Kobersdorf nach Sopron bringt anstelle von 62 Kilometer hin und retour über Deutschkreutz rund 250 Kilometer über den Grenzübergang Rattersdorf und Szombathely nach Sopron und retour zurücklegt.