Putz: „Solange es geht, werde ich Musik spielen“. Oberpullendorf/Dörfl: Musikschuldirektor Gottfried Putz wird im September seinen wohlverdienten Ruhestand antreten.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 15. Juli 2021 (04:36)

Er war noch ein Kind, als sein Großvater, ein Musiker, mit seinen Kollegen vor dem Gasthaus Faymann in Dörfl auf der Gasse gespielt hat. „Wir Kinder haben die Noten halten dürfen. Damals habe ich mir gedacht, das will ich auch einmal können“, erinnert sich Gottfried Putz noch lebhaft an diesen Tag.

Einige Jahrzehnte später steht er als Direktor an der Spitze der Zentralmusikschule Oberpullendorf und der Carl Goldmark-Musikschule Deutschkreutz, von denen er nun bald Abschied nehmen wird. Denn Gottfried Putz darf mit September seinen wohlverdienten Ruhestand antreten. Ganze 36 Jahre hat er an der Musikschule unterrichtet. Vor sieben Jahren übernahm er dann als Karenzvertretung die Leitung der Zentralmusikschule Oberpullendorf, vor fünf Jahren kam nach der Pensionierung von Albert Wieder auch die Leitung der Carl Goldmark-Musikschule hinzu. Zuletzt zeichnete er für 25 Lehrer und rund 750 Schüler verantwortlich.

Heute spielen bei den Blaskapellen im Bezirk viele, die bei mir gelernt haben. Gottfried Putz

Die Musik begleitet Gottfried Putz schon sein ganzes Leben. Schon mit fünf, sechs Jahren hat er als kleines Kind die leeren Leimdosen aus der Tischlerei seines Vater umgedreht und als Trommel genutzt. Von seinem Großvater bekam er dann eine Geige geschenkt und während Mutter und Großmutter gemeinsam Socken stopften, saß er daneben und spielte alle Lieder aus dem Gotteslob durch. Als er als junger Mann zum Bundesheer gekommen ist, landete er natürlich bei der Militärmusik. Durch die Vermittlung einer Bekannten führte ihn sein weiterer Weg ans Konservatorium der Stadt Wien, wo er Trompete studierte. Nach Abschluss des Studiums war Putz vier Jahre als Assistent für seinen Lehrer Professor Richard Schwameis tätig und er unterrichtete zu dieser Zeit auch Trompete an den Musiklehranstalten der Stadt Wien. „Wegen der Familie bin ich dann ins Burgenland gegangen. Heute spielen bei den Blaskapellen im Bezirk viele, die bei mir gelernt haben“, meint er.

Als Schulleiter ist er besonders stolz auf das legendäre Faschingskonzert, die musikalischen Schlösserreisen, das FairPlay-Benefizkonzert, das Muttertagskonzert beider Musikschulen im Lisztzentrum, Konzerte in Kirchen und zahlreiche Vorspielabende. „Ich war fast auf jedem“, schmunzelt Putz, dessen Traumberufe Instrumentenbauer, Jäger oder Musikant waren. Das Jagen blieb nur Hobby, die Musik dagegen wurde neben der Freizeitbeschäftigung auch zum Beruf.

Rosen streut Putz‘ seinen Kolleginnen und Kollegen und das nicht nur für die wirklich hervorragende Unterrichtsarbeit während Corona. „Das Lehrerkollegium war wirklich sehr gut, es wurde kollegial gut zusammengearbeitet in beiden Schulen“, betont er. „Ich habe es wirklich gern gemacht, aber die Zeit ist reif für mich, auch vom Alter.“

Vor einem Pensionsschock fürchtet er sich nicht. Die Gründe: „Fünf Enkelkinder, das Jagen, einmal nix tun und ich spiele nach wie vor im Musikverein Dörfl und bin Archivar und Hausmeister.“ Die Musik wird also weiter eine wichtige Rolle in Gottfried Putz‘ Leben spielen. Aktuell musiziert er mehrmals pro Woche und er beschäftigt sich auch gerne und viel mit alten Noten, die er im Laufe der Jahre zusammengetragen hat. Ebenso hat er auch alte Instrumente gesammelt, die er als Leihgabe dem Musikverein zur Verfügung gestellt hat. Eines ist für ihn gewiss: „Solange es geht, werde ich Musik spielen.“