Mit 16. März: Buchhandlung sperrt zu. Mit der BVZ sprach Buchwelten-Chefin Herta Emmer über die Schließung des Geschäfts und ihr „Buchhandel neu“-Konzept.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:27)
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Übersiedelt ins Internet. Buchhändlerin Herta Emmer möchte die Region künftig mit Online-Shop, Bücherbus und Buchhaus literarisch versorgen.

BVZ: Das „buchwelten“-Geschäftslokal in der Hauptstraße schließt mit Mitte März. Was waren die Gründe für diese Entscheidung?
Emmer: Seit 2015 mache ich mir intensiv Gedanken über die Zukunft des Handels. Seit zwei Jahren arbeite ich am Projekt „Buchhandel neu erfinden“. Wir sehen ja im Umfeld von Oberpullendorf schon, wie sehr das neue Konsumentenverhalten unser Ortsbild verändert. Immer mehr Geschäfte schließen ihre Pforten. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Weniger Umsatz bringt weniger Geschäfte, weniger Geschäftslokale bringen weniger Kundenfrequenz, die dann weniger Umsatz bringt usw. In vielen Gesprächen, in der Beobachtung des Marktes, in Studien bildete ich mir eine Meinung zur Zukunft des Handels und des Buchhandels und kam zum Entschluss, einen völlig anderen Weg einschlagen zu müssen, wenn ich noch BUCH machen möchte.

Gehen Sie nach neun Jahren Buchhandlung mit einem lachenden oder eher weinendem Auge?
Ich gehe mit vielen weinenden Augen. Mein ganzes Herzblut liegt in diesem Geschäft, in der Literatur, den Geschichten, den vielen schönen Dingen, der Freude, die ich bereiten konnte. Am meisten werde ich den Kundenkontakt vermissen. Wie gerne ich doch Buchempfehlungen abgebe. Wie groß meine Freude ist, wenn ich Menschen glücklich machen kann. Aber ich habe auch vorgesorgt: die Buchempfehlungen bleiben, insofern ich in verschiedenen sozialen Medien Bücher vorstellen werde, bei persönlichen Buchvorstellungsabenden, beim open-house im Bücherhaus. Gerne erinnere ich mich an die Anfangszeit zurück, als ich das neue Design und Konzept umgesetzt habe und die Kunden das gut fanden.

"Ich gehe mit vielen weinenden Augen. Mein ganzes Herzblut liegt in diesem Geschäft, in der Literatur, den Geschichten, den vielen schönen Dingen, der Freude, die ich bereiten konnte."

„buchwelten“ wird es aber weiterhin geben als Online-Shop und Bücherbus. Wie kann man sich das vorstellen?
Wir sind ein burgenländisches Unternehmen mit Online-Shop, der alle Stückeln spielt. Bei uns kann man direkt im Online-Shop einkaufen, aber auch ein email schreiben, anrufen, ein Fax schicken oder auf facebook schreiben. Ein bestelltes Buch kommt standardmäßig mit der Post. Grundsätzlich möchte ich schon anmerken, dass Konsumenten mit Ihrer Kaufentscheidung die Macht haben, ob wir einen Sozialstaat finanzieren können oder nicht. Wir – die „buchwelten“ – zahlen Steuern in Österreich. Bei uns können Sie mit ruhigem Gewissen und bei tollem Service einkaufen. Bücher kosten überall das gleiche wegen der Buchpreisbindung. Deshalb haben Sie sicher keinen Preisnachteil – das macht die Entscheidung doch ganz leicht. Der Bücherbus bringt Bücherausstellungen in die Orte, da sind wir sehr flexibel. Wir hoffen auf viele Buchungen – gerne auch zu Spezialthemen wie zum Beispiel Erstkommunion oder Firmung oder Schulstart. Schreiben Sie uns an, wir stellen ein Bücherbus-Sortiment zusammen und düsen los.

„buchwelten“ war bei Kunden über die Bücher hinaus dafür bekannt, besondere Dinge für besondere Anlässe anzubieten. Wird es dieses Angebot weiter geben?
Das schmerzt sehr, aber von diesem Rundum-Glücklich-Paket müssen wir uns verabschieden. Wir werden reiner Buchhändler und haben exklusiv Spezialgeschenke dann, wenn es zu Bücherbus-Buchungen passt.

„buchwelten“ hat sich auch einen Namen als Organisator von Lesungen, der Schultaschenausstellung etc. gemacht. Wird es diese Veranstaltungen weiter geben?
KULTUR bleibt natürlich. Eine meiner Leidenschaften. Dafür werden wir auch mehr Zeit haben. Lesungen bleiben. Diskussionsveranstaltungen, Lesereisen in Schulen und Kindergärten, Märchenstunden, Vorträge für Eltern, Buchpräsentationen, Buchempfehlungsabende – darauf werden wir uns noch mehr konzentrieren.

Sie haben in Steinberg-Dörfl ein Bücherhaus eingerichtet – welches Konzept steht dahinter?
Das Bücherhaus wird ein Ort, wo wir tagsüber Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen betreuen. Von hier fährt auch der Bücherbus los. Öffnungszeiten oder ein „klassisches“ Geschäftslokal wird es hier nicht geben. Eher besondere Termine wie open house oder Lesungen, oder Treffen von Leseinteressierten, Kinderbüchernachmittage, etc. … da sind der Fantasie gar keine Grenzen gesetzt. Momentan plane ich jeden zweiten Samstag im Monat ein „open house“. Wie sich das dann standardisiert, hängt vom Interesse ab. Wenn die open houses gut besucht sind, wo wir uns über Bücher und Neuerscheinungen unterhalten, Empfehlungen und Tipps austauschen, schmökern, eine gute Zeit verbringen – dann werden sie auch stattfinden.