Oberpullendorf

Erstellt am 11. August 2018, 05:00

von Michaela Grabner

Roboter hilft bei Aufzuginstallation. Julian Trummer hat mit einem Kollegen beim Studium an der TU München innovatives System entwickelt.

Sorgen für Furore. Julian Trummer (r.) und Wolfram Meiner wurden für ihre Bachelorarbeit nicht nur mit Note eins beurteilt, der von ihnen entwickelte Roboter für Aufzugsinstallationen findet auch international Beachtung.  |  zVg

Wenn ein Aufzug ruckelt oder knarzt, liegt dies an der Einstellung der Führungsschienen, an denen die Aufzugskabine entlang fährt und die auf Millimeterbruchteile genau passen müssen. „Außer beim Hochhaus, wo es wegen der hohen Geschwindigkeit einfach wirklich ganz genau sein muss, aber da dauert es dann entsprechend lange: Da kann schnell einmal mehr als eine Woche nur mit Einstellen verbracht werden“, weiß der Oberpullendorfer Julian Trummer.

Trummer studiert an der Architekturfakultät der Technischen Universität (TU) München. Im Rahmen eines Wahlfachseminars im Bereich Baurealisierung und Baurobotik hat er mit seinem Kommilitonen Wolfram Meiner ein Konzept entwickelt, wie man diese Einstellungen mit Hilfe eines Roboters vornehmen könnte. Das Projekt „Feinadjustierung von Aufzugsschienen durch ein automatisiertes System“ war geboren.

„Auf den Führungsschienen des Aufzugs fährt die Kabine entlang und die müssen wirklich auf den Millimeter genau – im Idealfall auf 0,2 Millimeter – passen. Uns ist aufgefallen, dass das eigentlich eine klassische Arbeit für einen Roboter wäre, weil es relativ gleichartige Arbeitsschritte erfordert und der Roboter viel besser darin ist, präzise zu arbeiten als der Mensch, für den 0,2 Millimeter Genauigkeit fast nicht erreichbar sind“, führt Trummer aus.

Auf weltweit größter Robotikmesse dabei

Bereits für das Konzept gab es sehr gutes Feedback und dieses wurde im Rahmen der Initiative Think Make Start weiterentwickelt. Dabei handelt es sich um interdisziplinäre Praxiskurse von der TU München und UnternehmerTUM (Center for Innovation und Business Creation), bei denen Masterstudierende verschiedener Fachbereiche in Teams und mit Unterstützung von Experten aus Industrie und Forschung in nur 14 Tagen modernste Technik und neue aufregende Produkte entwickeln können.

Am letzten Kurstag beim Demo-Day werden die Projekte vor einer Fachjury und Gästen aus der Industrie präsentiert. „Wir gingen mit einem Sechser-Team an den Start und erhielten den Make-Award für das beste Prototyping“, erzählt Trummer. „Außerdem redeten wir erstmals mit Aufzugsfirmen, unter anderem Kone und Schindler, die ihr großes Interesse bekundeten.“

Nach Vormontage der Schienen wird der Roboter auf das Dach der Aufzugskabine geschraubt, von wo aus er die Position genau einstellt. Dazu hat er einen Schrauber um die Klammer, an der die Schiene hängt und die alle 2,5 Meter kommt, zu lösen/fixieren und einen Pusher, um die Schiene in die richtige Position zu bringen.

Mit einem Maschinenbauer und Elektrotechniker wurde weiter am Projekt gearbeitet. Beim Techfest Munich, einem internationalen Technologie-Festival, das Technologie, Design und Wissenschaft zusammenbringt, gewann man den Track und auch bei der Automatica München – der weltweit größten Robotikmesse – wurde das System präsentiert. Im September folgen Präsentationen in China und eventuell Südkorea.