Gelddieb ohne Maske: Raika-Überfall in Tschurndorf. Bei Banküberfall 16.390 Euro erbeutet – 16 Monate bedingt für 39-jährigen Täter.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 09. Januar 2020 (09:54)
Elisabeth Kirchmeir

„Blöder kann man nicht vorgehen!“, fand der Verteidiger des 39-jährigen Angeklagten aus dem Bezirk Oberpullendorf am Donnerstag, 9. Jänner 2020, klare Worte zur Tat seines Mandanten.

Dieser hatte am Vormittag des 25. Oktober 2019 eine Filiale der Raiffeisenbank in Tschurndorf, einem Ortsteil von Weppersdorf, unmaskiert und unbewaffnet betreten und die verdutzte Bankangestellte mit den Worten „Geld her!“ aufgefordert, tätig zu werden.

Vor Richterin Karin Lückl bekannte sich der Angeklagte reuig schuldig. Die Tat war rasch aufgeklärt gewesen: Die Bankangestellte hatte den Täter beobachtet, wie er in ein vor der Bankfiliale abgestelltes Auto stieg, und die Kennzeichennummer notiert. Als der Täter zuhause ankam, erwartete ihn bereits die Polizei.

Beute fast vollständig sichergestellt

Der Verdächtige kam für drei Tage in Untersuchungshaft. Ein Bargeldbetrag von 16.334,50 konnte bei dem ungeschickten Täter sichergestellt und an die Bank returniert werden. Die Differenz von 65,50 Euro habe man der Bank ebenfalls zurückerstatten wollen, berichtete der Verteidiger, dies sei aber nicht möglich gewesen.

„Wieso haben Sie das gemacht?“, befragte die Richterin den Angeklagten zur Tat. „Ich weiß es nicht“, antwortete dieser. „Ich hatte einen kompletten Aussetzer, es war, wie wenn ich zum Billa gehe.“

„Verzweifelt war ich schon…“

„Waren Sie in einer finanziellen Notlage? Waren Sie so verzweifelt?“, hakte die Richterin nach. „Verzweifelt war ich schon“, gab der Angeklagte zu. Seit 2017 sei er arbeitslos, dem von ihm erlernten Beruf könne er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen. In seinen Schlussworten erwähnte der Verteidiger, dass der Angeklagte und dessen Frau – die Ehe ist mittlerweile geschieden – nicht einmal genug Geld hatten, um Essen zu kaufen.

Es war kein „Schmäh“

„Ich dachte, es ist ein Schmäh“, schilderte die 23-jährige Bankangestellte den Vorfall. Sie habe den Täter vom Sehen gekannt. Der Mann sei nicht maskiert gewesen, ob er eine Waffe bei sich trug, habe sie nicht erkennen können. Die Situation empfand sie als bedrohlich: „Ich glaubte, meine letzte Stunde hat geschlagen, weil ich nicht wusste, was als nächstes passiert“, erzählte die junge Frau mit zitternder Stimme. Beim Herausnehmen des Geldes seien ihr die Scheine auseinandergefallen. Sie steckte das Geld in das vom Täter mitgebrachte Stoffsackerl. Zögernd verließ der Mann danach die Bankfiliale. „Ich betätigte den Alarmknopf und lief zur Glastüre. Er parkte direkt vor der Bank, ich sah das Kennzeichen“, berichtete die Bankangestellte.

Kein Raub, sondern schwerer Diebstahl

Weil er weder Gewalt noch eine gefährliche Drohung einsetzte, wurde der 39-Jährige nicht wegen Raubes, sondern wegen schweren Diebstahls angeklagt. „Das Ganze sieht mir eher wie ein Hilfeschrei aus“, meinte der Verteidiger. Sein Mandant sei nunmehr auf einem guten Weg und auch dabei, die Schulden in Höhe von 20.000 Euro in den Griff zu bekommen. Der Angeklagte wurde wegen schweren Diebstahls zu 16 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. 75,50 Euro wurden für verfallen erklärt – diesen Betrag, mit dem sich der Mann bereichert hat, muss er an die Republik bezahlen. „Das ist für Sie eine einmalige Chance!“, ermahnte die Richterin den Angeklagten. Bei neuerlichen Straftaten würde ihm eine unbedingte Haftstrafe drohen.

Der 39-Jährige nahm das Urteil an.