Gedenkfeier für ermordete Roma in Oberwart. Erwin und Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon wurden am 4. Februar 1995 durch eine Rohrbombe in Oberwart getötet. Am Dienstag, jährte sich der politisch motivierte, rassistische Anschlag zum 25. Mal. Zu diesem Anlass gab es unter dem Motto „Niemals vergessen“ in der Aula der Europäischen Mittelschule Oberwart eine Gedenkveranstaltung sowie eine Kranzniederlegung beim Tatort.

Von BVZ Redaktion. Update am 05. Februar 2020 (10:57)

Organisiert wurde die Gedenkfeier von der Romapastoral der Diözese in Kooperation mit dem Nationalratspräsidium und der Europäischen Mittelschule Oberwart.

Am Beginn der Gedenkfeier erinnerten Schüler der EMS Oberwart an die vier Opfer des Attentats. Die anwesenden Ehrengäste zollten bei der Gedenkfeier ihren Respekt gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Der Friede muss auch in der Zukunft immer im Vordergrund stehen, da er das höchste Gut jedes Menschen ist.

Der Historiker Gerhard Baumgartner fand in seiner Rede klare Worte: „Der gewaltsame Tod der vier Männer hat das Wiedererwachen eines mörderischen rassistischen Rechtsextremismus markiert. Das Bombenattentat von Oberwart war der erste politische Mord der Nachkriegszeit, in dem ein Österreicher vier seiner Landsleute aus politischen Motive tötete.“

„Mord hat die Gesellschaft in Österreich verändert“

Mahnende Worte fand auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka: „Der Mord, der vor 25 Jahren geschehen sei, bleibt nicht nur unvergessen, sondern hat auch die Gesellschaft in Österreich verändert.

„Wenn das Gedenken einen Sinn haben soll, dann ist es nicht nur das Bezeugen unserer Anteilnahme immer wieder den Familien der Opfer, sondern dann soll es den Sinn haben, auch uns in Erinnerung zu rufen, dass wir im täglichen Leben daran gemessen werden, wo die kleinen Anfänge des Rassismus, des Ausgrenzens zutage treten, die Stimme zu erheben – wo es nicht reicht, auch das öffentlich zu machen, auch den Weg zur Polizei zu gehen, wenn die roten Linien überschritten werden“, so der Nationalratspräsident. „Es liegt an uns allen, diese Taten täglich auch immer wieder zu setzen. Das Gedenken mahnt uns selbst, es richtet uns an uns selbst.“

„Mahnung gegen Rassismus, Extremismus und Radikalismus“

Landtagspräsidentin Verena Dunst betonte bei der Veranstaltung: "Seit der schrecklichen Tat sind 25 Jahre vergangen, aber die Betroffenheit über dieses Attentat ist heute noch immer groß. Wir dürfen nicht vergessen, wer die Opfer waren, Menschen wie wir, es darf keine Ausgrenzung mehr geben. Das Burgenland ist seit jeher ein Paradebeispiel einer Grenzregion, ein Land der Diversität, stolz auf ihre Volksgruppen, wie die Roma, die das Burgenland ausmachen. Die Schrecken des Attentats ermahnen uns, gerade in Zeiten aufkeimender Anfeindungen gegen ganze Bevölkerungsgruppen achtsam zu sein und Werte wie Toleranz und Menschlichkeit zu leben. Das gilt für die Politik und für uns alle.“

„Das Gedenken an die Sprengfallen-Anschläge von Oberwart vor 25 Jahren muss uns stets eine Mahnung gegen Rassismus, Extremismus und Radikalismus bleiben“, betont der Volksgruppensprecher der Volkspartei, Nationalratsabgeordneter Nikolaus Berlakovich. Der ÖVP-Volksgruppensprecher betont auch die Wichtigkeit des Dialogs und Austausches mit den in Österreich lebenden Volksgruppen wie den Roma. „

„Diskriminierung in jeglicher Form aus der Welt schaffen!“

„Niemand darf aufgrund bestimmter Merkmale oder Zugehörigkeit diskriminiert, ausgeschlossen oder gar verletzt werden. Und doch ist dies auch in unserer aufgeschlossenen Gesellschaft noch nicht selbstverständlich. Daher müssen wir an einem Strang ziehen und uns für alle im Burgenland lebenden Personen einsetzen“, sagt Landesrat Christian Illedits, der in Landesregierung für Angelegenheiten der Integration und Antidiskriminierung zuständig ist.

Nach einem Schweigemarsch von der Schule zum Mahnmal bei der Romasiedlung sprachen der Wiener Weihbischof Franz Scharl und Superintendent Manfred Koch ein ökumenisches Gebet. Auch der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath, erinnerte  an das schreckliche Attentat und die Folgen. Die Gedenkfeier wurde mit einer Kranzniederlegung und Agape beendet.

Die Volksgruppe Roma in Österreich und Oberwart

Die Volksgruppe der Roma in Österreich, ist seit 1993 vom Staat Österreich anerkannt, dazu zählen auch die im Burgenland lebenden Burgenland-Roma. Zu den bekanntesten Roma´ aus dem Südburgenland zählen der 2016 verstorbene Obmann des Kulturvereines Österreich, der Unterschützener Rudolf Sarközi sowie der Oberwarter Stefan Horvath.

Der Vater des von einer Rohrbombe getöteten Peter Horvath arbeitet seine seelische Probleme von diesem Attentat seitdem in Büchern auf, brachte drei Bänder unter den Titeln "Ich war nicht in Auschwitz", "Katzenstreu" und "Atsinganos - Die Oberwarter Roma und ihre Siedlungen heraus. Zudem produzierte Peter Wagner den Film "Stefan Horvath - Zigeuner aus Oberwart" über ihn.