Hans-Peter Polzer: Der „Alles-Kenner“. Hans-Peter Polzer ist das wandelnde Archiv des Südens. Den „Speedy“ kennt man – und er wiederum jeden Winkel.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 11. Juli 2019 (12:27)

Er weiß noch aus dem FF, wie viel die Schnellentwicklung für 24 Fotos im Fachgeschäft am Oberwarter Hauptplatz gekostet hat. „200 Schilling waren das“, schmunzelt Hans-Peter Polzer, der, so erzählt er weiter, oft noch am letzten „Drücker“ rein ins Geschäft ist, damit er die Fotos für den brandaktuellen Zeitungsbericht auch ganz bestimmt am nächsten Tag fertig waren. Polzer, alias „Speedy“ hat seinen Spitznamen also stets alle Ehre gemacht.

Der 58-jährige Kohfidischer ist Leiter des Rettungsdienstes beim Roten Kreuz und versorgt als Sanitäter der Flugrettung sowohl Menschen in Not als auch die heimische Zeitungslandschaft mit Fotos und Berichten von allem, was sich aktuell im Südburgenland tut. Seit 25 Jahren flitzt Speedy mit seiner Kamera durch das Land. „Ich kenne wirklich jede Ortschaft der drei südlichen Bezirke und darin auch jeden Winkel“, so der Kohfidischer. 25.000 analoge Fotos zählt Hans-Peter Polzers Fotoarchiv. Wie viele digitale Fotos er gespeichert hat, kann er gar nicht sagen, aber „es werden viele Zehntausende sein.“

„Heute zückt man schnell das Handy“

Bilder vom Csaterberg an 365 Tagen im Jahr findet man darin ebenso wie Portraits von 100-jährigen Omas an ihrem Geburtstag, unzählige Frühschoppen und Gruppenfotos von Vereinsmitgliedern sowie tausende Fußballfotos – Speedy war immer mit der Kamera dabei und wirft man einen Blick in seine Fotokisten, hat man den Beweis dafür in Farbe – und sogar noch in schwarz-weiß. Zwischendurch finden sich immer wieder zwei Burschen auf den Titelseiten der damaligen Lokalzeitungen. „Meine Söhne waren sicher die meist fotografierten Kinder im Bezirk“, schmunzelt Polzer. Zur Weihe des neuen Feuerwehrautos im tiefsten Jennersdorfer Bezirk seien Fotografen und Lokalreporter früher noch gemeinsam ausgerückt. „Bis zu 20 Leute waren oft vor Ort, damit jeder ein gutes Foto bekommen hat. Heute zückt man schnell das Handy, und das Bild ist im Kasten.“

Die Fotografie hat sich der gelernte Maurer übrigens selbst beigebracht. „Bevor in einer Ortschaft ein Baum gefällt wurde, habe ich ihn noch schnell abgelichtet“, lacht der Fidischer, der über Jahrzehnte die Pressearbeit für die meisten Vereine in seiner Heimatgemeinde gemacht hat. Jetzt ist Speedy ruhiger geworden. „Ich kümmere mich nur noch um die Geschichten für den Christophorus 16.“ Ein Vierteljahrhundert mit Kamera und Block bewaffnet, haben aber definitiv Spuren hinterlassen. Im Kopf und im Herzen, denn ganz gleich welcher Name eines Feuerwehrkommandanten einem entfallen ist oder welches Archivbild vom Gemeindehaus in Unterpodgoria man benötigt: Das wandelnde Archiv des Südburgenlandes weiß den Namen und hat das Foto – jede Wette!