Corona-Exil: Ein Trio der Extreme. Mark, Roman und Stefan aus dem Bezirk Oberwart halten seit Monaten eine Angelrute Abstand. Eine Geschichte über drei Fischer, deren liebstes Zuhause ein Zelt am Wasser ist.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 20. November 2020 (06:29)

Sonntagmorgen, neun Uhr, dichter Nebel, Nieselregen und frische vier Grad Celsius Außentemperatur. Ein wunderbarer Tag um fischen zu gehen! Zumindest wenn es nach Mark Grill, Roman Wenzel und Stefan Hetyei geht. Nur dass die drei Herren nicht weit dafür gehen müssen – gerade einmal durch den Reißverschluss ihres Zeltes durch, nämlich, und schon stehen sie am Ufer ihres liebstes Anblickes: ein großes Wasser mit vielen Fischen darin.

Das Angler-Trio kennt sich seit Jahren und darf auf eine stolze Geschichte, vieler fetter Fische am Haken zurückblicken. Das Jahr 2020 bricht aber auch für diese drei Herren alle Rekorde, denn: Corona und seine Lockdowns brachten für die Südburgenländer vor allem viel Zeit mit sich, um die Angelrute auszuwerfen.

Der Pinkafelder Mark Grill beispielsweise hat sein Zelt in den vergangenen Monaten oft gleich für mehrere Wochen am Fischteich aufgeschlagen. Soziale Kontakte vermeiden, an der frischen Luft anstatt in geschlossenen Räumen sein und dabei zugleich das Immunsystem stärken – klappt für den 35-Jährigen alles tadellos, beim Fischen nämlich. „Beim ersten Lockdown im März war ich fast zwei Wochen durchgehend und oft komplett alleine am Teich und hab im Zelt gewohnt. Da war es teilweise wirklich noch saukalt, aber das wird man gewohnt“, schmunzelt er.

20 Babyelefanten Abstand zwischen Zelten

Mark ist seit seiner Kindheit begeisterter Fischer, wie auch seine Exil-Kameraden Stefan und Roman. „Ich hab meine erste Angelrute schon mit sieben Jahren in der Hand gehalten“, erinnert sich der Bad Tatzmannsdorfer Roman Wenzel. Auch Kumpel Stefan Hetyei, der aus Großpetersdorf kommt, startete seine Fischerkarriere bereits im Kindesalter. Die Zelte des „Trio-Extreme“ stehen gut 20 Babyelefanten weit auseinander und außer dem einen oder anderen Fisch an der Angel, gibt es für die drei seit Monaten oft kaum andere soziale Kontakte. Stefan dazu: „Beim Fischen bekomm ich von Corona nix mit, wenn ich nicht will. Und manchmal tut das in Zeiten wie diesen wirklich gut.“

Auf die Frage, was Man(n) denn so für Gesprächsstoff findet, wenn man oft tagelang niemanden, außer die anderen zwei Herren in der Runde, in der Nähe hat, folgt sofort: „Wir reden am Teich über alles, über das wir zuhause nicht reden.“ Stille – gefolgt von einem Kanon an Männerlachen.

„Wenn ich schlafen wollte, wär ich im Bett“

Und während der einzige Papa der Runde natürlich immer wieder nach Hause zur Familie fährt, halten die beiden Single-Herren weiter brav die Stellung und die Augen auf die Wasseroberfläche. Geschlafen wird übrigens auch nachts nur so lange, bis der Alarm losgeht, der klar macht: Fisch am Haken! Dann sind die Fischer sofort Habt-Acht und haben dabei schon schuppige Kaliber bis zu 32 Kilo aus dem Wasser geholt. Und obwohl die drei Petri-Jünger oft schon um sieben Uhr abends in ihren Zelten liegen, sind die Nächte deswegen trotzdem ziemlich kurz. „Aber wenn ich schlafen wollte, dann würd ich ja daheim im Bett liegen“, stellt Roman mit einem Schmunzler im Gesicht klar.

Die Info, dass die Fische nach dem Fang sofort wieder lebend ins Wasser zurückdürfen, wirft am Ende natürlich die Frage auf, wovon die drei vom „Jäger-und Sammlertyp“ sich dann sonst so ernähren, im Exil. „Es gibt hier immer richtig gutes Essen“, antwortet Mark Grill sofort. Klar, einen Schinken-Käse-Toast kann man schließlich in äußerst vielen Varianten zubereiten.