Cybermobbing-Vorwurf: „Das Video hatte jeder!“. Drei junge Frauen angeklagt: Sie sollen peinliches Video auf TikTok und Snapchat veröffentlicht haben.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 17. Oktober 2020 (05:44)
Symbolbild
APA/Webpic

Wegen des Vorwurfs des Cybermobbings müssen sich drei junge Frauen vor Gericht verantworten. Zwei von ihnen saßen vorige Woche vor Jugendrichterin Gabriele Nemeskeri, die dritte hatte sich wegen einer Prüfung entschuldigen lassen.

Vorgeworfen wird den Angeklagten, dass sie im Frühjahr 2020 ein Video in Umlauf brachten, das eine andere junge Frau spärlich bekleidet in anzüglichen Posen zeigt.

Die beiden in der Vorwoche anwesenden Angeklagten – Lehrlinge im Alter von 18 bzw. 17 Jahren – bekannten sich nicht schuldig.

„Das Video hatte jeder!“, sagte die 18-Jährige.

Die Szenen seien „überall herumgegangen“, auf Instagram, auf Snapchat.

„Mehrere Leute haben es mir zugeschickt“, sagte die Angeklagte. „Ich habe Leute getroffen, die haben es mir auf der Straße gezeigt.“

Die im Video gezeigte Frau sei „keine Unbekannte“, sie selbst sei in ihrer Kindheit mit ihr befreundet gewesen, so die 18-Jährige.

Wegen eines Freundes sei es zu Eifersuchtsszenen gekommen, in einer Disco sei die ehemalige Freundin auf sie losgegangen und habe sie geschlagen, so die 18-Jährige.

„Hätte ich mich rächen wollten, hätte ich sie damals angezeigt“, erklärte sie.

Peinliche Fotos online gestellt

Die 17-Jährige gab zu, von einem harmlosen Tanzvideo des mutmaßlichen Opfers eine Bildschirmaufnahme angefertigt und diese in eine Social Media Gruppe gestellt zu haben.

Daraus habe „jemand anderer“ eine neue Version erstellt, auf der dann auch die peinlichen Bilder zu sehen waren.

„Zwei Stunden später war das überall online“, sagte die 17-Jährige.

Die Fotos des Opfers in Unterwäsche habe sie vorher nie gesehen gehabt. „Warum sollte ich jemandem so etwas antun?“, meinte die Angeklagte. „Mir ist selbst etwas Ähnliches passiert mit Rufschädigung.“

Das mutmaßliche Opfer soll, wie sich herausstellte, einer Freundin der 18-Jährigen im Frühjahr 2020 den Freund ausgespannt haben.

Dazu wurde eine 20-jährige Frau befragt, bei der sich die 18-Jährige angeblich im Detail über diesen Seitensprung erkundigt hatte.

Im Videotelefonat mit der 20-Jährigen soll die Angeklagte angekündigt haben, dass sie das Leben des mutmaßlichen Opfers „ficken“ werde.

„Ich sagte, das interessiert mich nicht, weil das ein Kindergarten ist“, berichtete die Zeugin vor Gericht. „Zwei Tage später war das Video online.“

Man sehe darauf die junge Frau „in Unterwäsche und gewissen Positionen“, etwas, was man nicht „schicken sollte“.

Der Prozess wurde auf kommende Woche vertagt.