Falsche Polizisten müssen zahlen. Als Polizisten gaben sich am 13. Oktober 2018 spätnachts zwei Südburgenländer und ein Steirer aus: Sie hielten einen Lenker nach einer Verfolgungsjagd durch die Gemeindegebiete von Oberwart und Kemeten an und kontrollierten ihn und seine Beifahrerin. Vorige Woche standen die falschen Beamten vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 16. Januar 2019 (12:54)
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Damals sei es lustig gewesen, sagte einer der Angeklagten, ein 29-jähriger Unternehmer aus der Steiermark. Gemeinsam mit einem 32-jährigen Freund aus dem Bezirk Oberwart hatte er am 13. Oktober nach etlichem Alkoholkonsum in einer Diskothek den Dritten im Bunde, einen 27-jährigen Techniker, gebeten, sie mit dem Auto abzuholen, ein Wunsch, dem der Techniker nachkam.

Alle drei saßen bereits im Auto, als sie vor sich ein anderes Fahrzeug beobachteten, das mit Vollgas wegfuhr.

„Da machte es einen Klescher und etwas fiel auf unser Auto“, berichtete der Unternehmer.

Um zu klären, ob etwas aus dem voranfahrenden Auto gefallen und ein Schaden entstanden sei, fuhr der 27-Jährige mit seinem schwarzen Audi A6 dem anderen Auto nach.

Blinklicht im Heckfenster

Während der Techniker überholte, hielt der Unternehmer die Hand hinaus, um den Lenker des anderen Fahrzeugs zum Anhalten aufzufordern.

Am Rücksitz saß der 32-Jährige. Er rief auf seinem Handy eine App auf, die Blinklichter simuliert, und zeigte das Display aus dem Heckfenster.

Die Opfer des Vorfalls berichteten später von einer Anzeige mit einem roten Schriftzug „Bitte folgen“.

Nach dem Überholvorgang bremste der Techniker abrupt ab und setzte die Verfolgung fort, indem er wendete, dem anderen Lenker entgegenkam und quer zur Fahrbahn stehen blieb.

„Gendarmerieposten Oberwart“

Dann stiegen die drei Freunde aus. Der Unternehmer wies eine Karte vor und stellte sich mit „Gendarmerieposten Oberwart“ vor.

Alle drei Männer erweckten den Anschein, Polizisten in Zivil zu sein. Sie forderten den Lenker auf, den Führerschein und den Zulassungsschein herzuzeigen, kontrollierten das Pickerl, wollten den Pickerl-Prüfbericht sehen, beanstandeten die Sicherheitsgurte und die Bereifung des Fahrzeuges und beschuldigten den Lenker diverser Verwaltungsübertretungen. Auch die Beifahrerin wurde aufgefordert, sich auszuweisen.

Beim Vater des Opfers angerufen

Am nächsten Tag rief der Unternehmer sogar noch beim Vater der Beifahrerin an und kündigte eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft an: Seine Tochter sei viel zu jung, um bis 23 Uhr auszugehen.

Vor Richterin Doris Halper-Praunias bekannten sich die drei falschen Polizisten reumütig schuldig. Alle drei haben sich der Amtsanmaßung und der Nötigung schuldig gemacht, der angeklagte Lenker hat zudem das Leben und die Gesundheit des Pärchens im anderen Auto gefährdet.

Das Mädchen am Beifahrersitz habe sich, so der Unternehmer, „fürchterlich aufgeregt. Da regten wir uns auch fürchterlich auf!“

„Wir waren so wütend drauf“, fügte der 32-Jährige hinzu, der vor Gericht demonstrierte, wie man mit der Handy-App ein Blinklicht in unterschiedlichen Farben erzeugen kann. „Das hielt ich bei der Heckscheibe hin, weil sie nicht anhielten“, berichtete der Angeklagte.

Die Richterin fragte ihn, warum er und seine Freunde sich als Polizeibeamte ausgegeben hatten.

„Wir fragten den Lenker, warum er nicht angehalten hat. Er hat sich blöd gestellt. Da stellten wir uns als Polizisten vor“, sagte der 32-Jährige.

Verunglückter Lausbubenstreich?

„Für mich war das ein Lausbubenstreich, der aus dem Ruder lief. Für das Mädchen war die Situation nicht lustig, sie fürchtete sich“, sagte die Richterin und bot allen drei Angeklagten eine Diversion an: Wenn die Männer jeweils 1500 Euro Geldbuße und 200 Euro Pauschalkostenbeitrag bezahlen, wird das Verfahren gegen sie eingestellt.

Die drei Angeklagten nahmen das Angebot der Diversion an.