Spritze? Spitze! Unbedingt bitte!. Die Welt impft, der Bezirk Oberwart auch. Die BVZ hat sich umgehört und nachgefragt wie die Impfkampagne läuft, wer ja zur Spritze sagt, wer nicht und wo sie fehlt.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 19. April 2021 (06:32)
Shutterstock/SedaServet
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Als „sehr impffreudig“ bezeichnet Rainer Oblak aus Pinkafeld sowohl seine Patienten als auch die knapp 400 Personen, denen der Allgemeinmediziner bereits die erste oder gar zweite Impfung gegen das Coronavirus verabreicht hat. Sein Großpetersdorfer Kollege Günter Ranftl bestätigt diese Erfahrungswerte ebenso: „Die Impfbereitschaft ist ungebrochen hoch.“ Absagen von Leuten, die sich für eine Impfung angemeldet hatten, gäbe es kaum. Beide Ärzte sind sogenannte Impfärzte, 66 davon gibt es aktuell im Burgenland. Die Impfungen erfolgen an bestimmten Tagen in deren Praxen, zusätzlich gibt es sieben Burgenländische Impf- und Testzentren (BITZ) wo die Spritze zum Schutz gegen Covid-19 angeboten wird.

Günter Ranftl: „Der bürokratische Aufwand für uns Ärzte ist gewaltig, das muss man klar sagen. Ich habe bislang Impfstoffe der Hersteller Moderna, Pfizer und AstraZeneca geimpft. Die Nebenwirkungen sind nach meinen bisherigen Erfahrungen in etwa die gleichen“, so der Allgemeinmediziner der auch zur aktuellen Diskussion über den Impfstoff des Herstellers AstraZeneca Stellung bezieht: „Die Verunglimpfung eines einzelnen Impfstoffes ist lächerlich und kann nur wirtschaftlich argumentiert werden. Die Leute sollen den ersten Shot nehmen, den sie kriegen können, denn die Coronasituation ist nach wie vor sehr angespannt. Impfen, impfen, impfen lautet mein Appell.“
Dass die Impfung trotzdem kein Freifahrtschein für ein sorgenfreies Leben ohne Maske und Sicherheitsmaßnahmen in Zeiten von Covid-19 sei, wollen Ranftl und sein Kollege Rainer Oblak auch klar sagen. „Nach einer Dosis hat man nach aktuellem Wissensstand maximal 40 Prozent an Schutz gegen das Virus und auch wenn man beide Impfungen bereits erhalten hat, heißt das definitiv nicht, dass man vor einer Erkrankung gefeilt ist“, so der Pinkafelder Arzt Oblak, „Da fehlt es noch sehr an Aufklärung. Garagenparties und andere Regelbrecher werden trotzdem nicht weniger. Wir Burgenländer haben diesbezüglich Balkan-Mentalität, ‚Party Party Party‘ und leider nicht die Disziplin von beispielsweise den Schweden,“ findet der Arzt klare Worte.

Beide Mediziner, 63 und 64 Jahre alt, sind bereits geimpft, bei beiden erwiesen sich die Nebenwirkungen als gering. „Vor allem ältere Menschen haben aufgrund des bereits verlangsamten Immunsystems, wenn überhaupt, meist nur sehr leichte Symptome als Impfreaktion. Andersrum sind auch die Antikörper natürlich nicht so hoch wie beispielsweise bei einem jungen, gesunden Menschen nach der Coronaimpfung.

1.680 – das war Marco Kampuschs Antikörperwert nach der Verabreichung der zweiten Impfdosis. Der 25-jährige Pinkafelder arbeitet als Rettungssanitäter beim Roten Kreuz. „Anfangs war ich schon skeptisch der Impfung gegenüber, aber ich fühle mich jetzt in meinem Job einfach sicherer.“ Nebenwirkungen von dem ihm verabreichten Pfizer-Produkt hatte auch er kaum. „Die Einstichstelle und der Arm haben zwei Tage lang geschmerzt, morgens die Rollo raufziehen war etwas tricky, aber das war´s auch“, berichtet der Pinkafelder.

Diese Erfahrung teilt auch die um 53 Jahre ältere Pensionistin Gertraud Zapfel: „Bis auf leichte Schmerzen in der Einstichstelle ging es mir nach beiden Impfungen gut.“ Die 78-jährige Riedlingsdorferin zählt nicht nur altersbedingt zu den Risikopatienten, meint aber auch: „Wäre ich vollkommen gesund hätte ich mit der Impfung vermutlich noch gewartet. Natürlich hinterfragt man solche Eingriffe in den Körper auch für sich selbst.“

Gleiches Land, gleiches Virus aber ein anderes Problem damit hat wiederum der Oberwarter Peter Sitar. Der Risikopatient wartet noch immer auf seine Impfung. „Anfang dieser Woche habe ich wiederholt bei der Impfhotline nachgefragt. Zumindest habe ich mittlerweile einen fixen Impftermin bekommen. Aber ich war schon enttäuscht, dass es so lange dauert. Das ist ein europaweites Problem, das muss man schon sagen und auch die österreichische Impfstrategie sollte rasch geändert werden. Es braucht ein bundesweit einheitliches System, momentan hat jedes Bundesland ein anderes Anmeldesystem“, so der 62-Jährige.

Alt und jung, Risikogruppe oder pumperlgesund – wer in der Impfdiskussion oftmals kaum Beachtung findet, sind Schwangere. Das weiß auch die Gynäkologin und Mama eines drei Monate alten Buben, Verena Seidler-Leirer. Die Ärztin erkrankte sogar während ihrer Schwangerschaft an dem Coronavirus. „Die Muskelschmerzen waren heftig und ich hab Wochen gebraucht um wieder gesund zu werden“, berichtet Seidler, die mittlerweile auch die erste Impfung erhalten hat. „Ohne Nebenwirkungen“, wie sie betont. In Österreich werden aktuell nur Risikopatientinnen unter den Schwangeren geimpft, verwendet werden dafür die Produkte von Pfizer oder Moderna. Der Grund: Die derzeit in Österreich verfügbaren Coronavirus-Impfstoffe werden grundsätzlich nicht für Schwangere empfohlen, da die klinischen Tests mit Schwangeren und Stillenden noch am Laufen sind. Die Fachärztin rät werdenden Müttern: „Klären sie mit ihrem Arzt, ob eine Impfung für sie, nach derzeitigem Wissensstand, anzuraten ist.“

Joseph Pulitzer, Journalist und Stifter des weltbekannten Pulitzer-Preises meinte einmal: „Was jedermanns Angelegenheit ist, geht keinen was an – ausgenommen die Journalisten“.

Im Zuge der Gespräche und Recherchen zum Thema Corona-Impfung trifft Pulitzers Zitat Journalisten besonders hart, weil: Natürlich gibt es auch im Bezirk Oberwart Menschen, die sich gegen die Impfung aussprechen, sich nicht impfen lassen wollen, nur: ein offizielles Statement mit Foto und Name für die BVZ wollte - oder vielmehr traute - sich niemand von den interviewten Personen abgeben. Dazu soll an dieser Stelle auch angemerkt werden, dass natürlich nicht jede Person im Bezirk befragt wurde – man möge uns dies aus Zeit- und Platzgründen nachsehen. Dennoch ist es an dieser Stelle wichtig anzumerken, dass die Gespräche zum Thema Corona-Impfung mehr als interessant sind. Auch die Argumente jener Personen, die der Impfung kritisch gegenüber stehen, sind wichtig. Diese Ansichten gehören ebenso zu einem offenen Diskurs. Auch jene Bedenken müssen Teil der Meinungsfreiheit bleiben dürfen. Noch wichtiger ist uns, dass Sie liebe Leserinnen und Leser an dieser Stelle die Information erhalten, dass sich die Lehrerin, die Spitalmitarbeiterin, der Filialleiter oder Sozialarbeiter aus Bedenken vor beruflichen Konsequenzen nicht öffentlich zur Impfung äußern wollten. „Weil ich auch so schon schief genug von manchen Kollegen angesehen werde“ oder „weil es schon grenzwertig ist und fast an der Schwelle zu Gehässigkeiten im Büro kommt, nur weil ich mich nicht impfen lassen will“ – um nur zwei Zitate hier anzuführen. Die Impfpflicht für Gesundheitspersonal ist bereits im Nachbarland Italien angekommen. Fakt. Die österreichische Regierung versicherte im Gegensatz dazu mehrfach: Die Corona-Impfung wird freiwillig sein. Eine Impfpflicht gibt es in Österreich nicht – zumindest noch nicht. All das sind Fakten, die sie ebenfalls wissen sollen, denn: Als Journalistinnen und Journalisten wollen wir Ihnen nämlich „nix einimpfen“.