Kredite erschwindelt: Halbe Million Euro Schaden. Kreditvermittler fälschten Unterlagen, Bankbeamter prüfte nicht streng genug - mehr als 500.000 Euro Schaden.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 27. August 2020 (04:31)
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Wenn Wiener mit Migrationshintergrund, der deutschen Sprache kaum mächtig, teilweise Analphabeten, plötzlich in Güssing oder Oberwart um einen Kredit ansuchen, dann sollte das auffällig sein.

Das meinte Staatsanwalt Roland Koch, der sechs Männer angeklagt hat, die in einen groß angelegten Kreditbetrug verwickelt gewesen sein sollen.

Zu Wochenbeginn mussten sich die Angeklagten am Landesgericht Eisenstadt vor einem Schöffensenat verantworten.

Vorgeworfen wurde ihnen, von 2014 bis 2016 an der Vermittlung und Vergabe von sogenannten „Super-Schnell-Krediten“ im Gesamtwert von mehr als einer halben Million Euro beteiligt gewesen zu sein, die mangels Bonität der Kreditnehmer nicht zurückgezahlt wurden. Geschädigt wurden Banken in Güssing und Oberwart.

Drei Kreditvermittler akquirierten die Kunden, zwei von ihnen sollen für die Fälschung von Sozialversicherungsauszügen und Lohnzettel zuständig gewesen sein.

Putzfrauen mit Traum-Gagen

Auf den Lohnzetteln standen die Kontaktdaten von Scheinfirmen und weit überhöhte Monatsgehälter. Den mitangeklagten Angestellten der Bank, die für die Prüfung der Unterlagen und die Genehmigung der Kredite zuständig waren, hätte auffallen können, dass Reinigungskräfte und Telefonistinnen Traumgehälter bezogen.

Für die sogenannten Dienstgeber-Rückrufe, die von der Bank durchgeführt wurden, bezahlte einer der angeklagten Kreditvermittler Strohmänner.

Die Kreditvermittler kassierten Provisionen von bis zu 50% der Kreditsumme, den Kreditnehmern wurde aufgetragen, einen Restbetrag am Konto zu belassen, damit die ersten ein bis zwei Raten überwiesen werden konnten und der Schwindel noch eine zeitlang unentdeckt bleiben würde.

5000 bis 10.000 Euro habe er pro Kredit bekommen, gab ein wegen Betrugs vorbestrafter Wiener zu. Sein Komplize, ein ebenfalls 40-jähriger Wiener, habe ihm gesagt: „In Wien wird genauer kontrolliert als da unten.“

Die ergaunerten Kreditsummen beliefen sich auf 10.000 bis 50.000 Euro.

Zwei Kreditvermittler und ein Tippgeber wurden zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt; sie müssen für acht bzw. zehn Monate ins Gefängnis. Ein weiterer Kreditvermittler erhielt eine gänzlich bedingte Haftstrafe.

Ein ehemaliger Bankangestellter wurde von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen freigesprochen, ein zweiter erhielt eine Diversion mit Geldbuße.

Die Urteile sind rechtskräftig.