Die Rettung auf Tauchstation. Wer sucht eigentlich vermisste Personen in einem See? Markus Ringbauer zum Beispiel. Der Buchschachener ist Feuerwehrtaucher. Ein Job mit Tiefgang.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 14. Juni 2019 (03:05)
Vanessa, zVg
Gut gerüstet. Markus Ringbauer ist seit 13 Jahren als Feuerwehrtaucher im Einsatz.

Es sei die Schwerelosigkeit und tiefe Stille, die ihn am Tauchen fasziniert. Bei schwierigen Einsätzen wiederum ist es aber auch genau diese Stille, die Markus Ringbauer das Blut in den Adern gefrieren lässt – wenn es nicht die eisigen Temperaturen des Wassers im tiefsten Winter selbst sind.

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Jährliches Intensivtraining. Bei 122 Tauchgängen verbrauchten Markus Ringbauer (Fotos links) und weitere 27 burgenländische Taucher in Summe 183.000 Liter Luft. Trainiert wurden Notaufstiegsübungen aus verschiedenen Tiefen oder das Arbeiten mit Werkzeug unter Wasser um beispielsweise Pkw bergen zu können.

„In den heimischen Seen, wo wir Feuerwehrtaucher zum Einsatz kommen, siehst du oft die Hand vor Augen nicht. Dann hängst du mit einem Seil an einem Kollegen und tastest blind nach einem Menschen, der im Wasser als vermisst gemeldet wurde. Das geht an die Substanz“, berichtet der 46-Jährige. Seit 30 Jahren ist der Buchschachener Floriani in seiner Heimatgemeinde. 2002 unternimmt er seinen ersten Tauchgang, vier Jahre später absolviert Ringbauer die Ausbildung zum Feuerwehrtaucher. Eine freiwillige Tätigkeit, die außer ihm nur 41 andere Burgenländer ausüben.

„Tote zu bergen geht an die Substanz“

„Wir sind in allen Seen des Burgenlandes im Einsatz, wenn beispielsweise Personen vermisst werden, wie das 2018 im Rechnitzer Badesee der Fall war, wenn Boote kentern oder Eisläufer einbrechen.“ Bis zu 40 Meter tief und eineinhalb Stunden lang sind die Taucher dabei im Wasser. „Wenn du einen 17-jährigen Burschen, der im Wasser ertrunken ist, bergen musst, dann geht das an die Substanz. Auch wenn man im Winter die Eisdecke aufbohren und ins Wasser muss, gibt es schönere Aufgaben, aber da geht es den Helfern bei der Feuerwehr zu Land nicht anders“, weiß Ringbauer, der bis dato rund 300 Stunden seines Lebens unter Wasser verbrachte.

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Die Ausbildung zum Feuerwehrtaucher ist den oft sehr schwierigen Einsatzbedingungen angepasst: Die körperliche Leistungsfähigkeit wird jährlich vom Arzt geprüft, auch körperliche Leistungstests sind zu bewältigen ebenso wie die jährliche Tauchfortbildung, welche die burgenländischen Feuerwehrtaucher am Attersee absolvieren.

Der Einzelhandelskaufmann erinnert sich an eine brenzlige Situation: „Der Attersee hat mich einen sogenannten Vereiser gekostet, das kann in tiefen, kalten Gewässern passieren, dass du plötzlich keine Luft bekommst. Das prägt sich ein.“

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Auf drei Einsätze pro Jahr kommt Markus Ringbauer im Schnitt. Das Taucher-Fahrzeug mit einer Ausrüstung für zehn Feuerwehrtaucher ist in Mattersburg stationiert. „So schnell wie der Floriani zu Lande ist man als Taucher nicht gerüstet. Es dauert gut zehn Minuten, bis ich in voller Montur und einsatzbereit bin“, so Ringbauer. Aber in der Ruhe liegt ja bekanntlich mit die größte Kraft.