Künstlerin zeigt Fassade voller Geschichte. Agostina Suazo wurde nicht mit dem Pinsel in der Hand geboren. Und trotzdem schafft es die Chilenin, den Burgenländern damit deren Vergangenheit näherzubringen.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 07. Juni 2019 (09:32)

Ja, Sie haben schon richtig gelesen: Kreativer „Spirit“ aus Chile zeigt uns Burgenländern, wie schön unser Land und die damit verbundene Geschichte ist. Konkret müssen wir dafür nur „eine Wand anstarren“ – darauf verewigt Agostina Suazo nämlich mit Vorliebe ihre Malereien, die meist typisch burgenländische Szenerien darstellen.

„Nichts anderes würde auf Hausfassaden hierzulande passen“, ist die Künstlerin und gebürtige Chilenin sich sicher. Bis nach Edlitz und zur ersten traditionellen Wandmalerei der heute 43-Jährigen war es allerdings ein, nun sagen wir, recht weiter Weg. „Malen wollte ich immer schon, aber zuhause fand ich nie die nötige Ruhe, ich stamme nämlich aus einer Großfamilie“, erzählt Suazo lachend. Erst mit 19 nimmt sie zum ersten Mal einen Pinsel bewusst in die Hand. „In der ersten Unterrichtsstunde auf der Kunstuni saß ich lange vor der leeren Leinwand, deren Fläche ich dann kaum nutzte, so klein war mein erstes Kunstwerk, ein simpler Ball.“

Bunte Bilder, bunte Kunden, buntes Leben

In Anbetracht der Tatsache, dass die Künstlerin heute meterhohe Fassaden bemalt, tatsächlich kaum vorstellbar. Dazwischen liegen allerdings viele Jahre, ein weiteres Studium – und der halbe Globus. Im Zuge eines verpatzten Urlaubes landet Agostina Suazo nämlich in Wien und trifft dort auf ihren heutigen Ehemann, der aus Oberwart stammt. „Ich habe erst im Südburgenland damit begonnen, auf großen Flächen zu malen. Mein erster Job hier war die Gestaltung der Bühnenbilder für den Güssinger Kultursommer“, erinnert sie sich.

Der erste Auftrag für eine Wandmalerei folgte dann von der neuen Heimatgemeinde der Künstlerin. „Ich durfte die Fassade des Jugendhauses in Edlitz künstlerisch gestalten.“ Für Suazo war klar: Auf die Wand gehört ein Stück Geschichte. „Also habe ich angefangen zu recherchieren. Vermutlich kenne ich die südburgenländische Geschichte heute besser als manch‘ Einheimischer“, so Agostina, deren Kunstwerke mittlerweile ganze Weinkeller, Wände von Hotelzimmern und Restaurants zieren. Fassaden bemalt sie mit Acryl. „Diese Farben leuchten viel schöner als Fassadenfarben.“

Ihre Motive zeigen heimische Winzerfamilien bei der Weinlese, alte Leute am Bankerl vorm Haus oder die Hofkatze unter dem Kellerfenster. Szenen also, die hierzulande jeder schon in echt gesehen hat. „Bei den Wandmalereien muss ich schnell sein. Wenn es regnet, hab ich Pech gehabt, gearbeitet wird trotzdem“, lacht die Wahlburgenländerin, die sich in Anbetracht dessen umso mehr über ihr neues Atelier mit Dach über dem Kopf freut. Auch Suazos Kunden sind so bunt und unterschiedlich wie ihre Bilder und ihre Arbeitsweise. „Als Künstlerin verändere ich mich laufend, wie auch meine Art zu malen. Ich denke, mein Kunststil ist es, keinen zu haben.“