Aus für Kinderhaus in Oberwart. Anita Tausz darf keine Elternbeiträge mehr einheben. Die Folge: Das Kinderhaus wird heuer noch geschlossen.

Von Carina Fenz. Erstellt am 12. Februar 2020 (04:38)
Anita Tausz betreibt seit 24 Jahren ihr Kinderhaus in Oberwart. Im Juni muss sie zusperren.
C. Fenz

Seit 1. November sind im Burgenland alle Kindergärten gratis. Konkret heißt das, dass alle Elternbeiträge für den Besuch von Kindergarten oder Kinderkrippe im Burgenland entfallen und das automatisch, ohne extra Formulare ausfüllen zu müssen. Während die einen darüber jubeln, gibt es aber auch private Kindergärten, die die neue gesetzliche Regelung vor eine große Herausforderung stellt. So auch Anita Tausz, die seit 24 Jahren den Montessori Kindergarten „Kinderhaus Tausz“ in Oberwart führt.

„Aktuell haben wir sieben Kinder bei uns, die müssen danach einen anderen Kindergarten besuchen"

Weil sie keine Elternbeiträge mehr einheben darf und die Landesförderung die Kosten nicht deckt, muss sie ihr Kinderhaus im Sommer schließen. „Bis dahin wollen wir finanziell irgendwie über die Runden kommen, aber es ist mir und auch den Eltern wichtig, dass die Kinder das Kindergartenjahr noch abschließen können“, erklärt Tausz, die an der Entscheidung festhalten will, auch wenn es für die begeisterte Montessori-Pädagogin, weitreichende Folgen hat. „Aktuell haben wir sieben Kinder bei uns, die müssen danach einen anderen Kindergarten besuchen. Ich stehe zudem sieben Jahre vor meiner Pensionierung und da ich immer selbstständig war, bekomme ich danach auch keine finanzielle Unterstützung vom Staat, wenn ich arbeitslos bin“, bedauert Tausz ihre Entscheidung.

Die Möglichkeit, dass sie auf die Förderung des Landes verzichtet und somit ihren Kindergarten weiterhin betreiben könnte, besteht für Tausz nicht. „Dann müsste ich von den Eltern rund 1.000 Euro im Monat einheben und das wäre natürlich viel zu viel für die Eltern“, erklärt Tausz.

Bis November wurde ein Elternbeitrag von 250 Euro eingehoben. Eine angedachte Vereinsgründung kann ebenfalls nicht erfolgen. „Das darf man laut Gesetz nicht“, weiß Tausz, die sich einen kleinen Seitenhieb aufs Land nicht verkneifen möchte. „Ich habe erst im Oktober davon erfahren, dass ich keine Elternbeiträge mehr einheben darf. Hätte man uns das früher mitgeteilt, dann hätte das die Schließung wahrscheinlich nicht verhindert, aber dann hätte ich in einem Jahr nicht so viel finanzielle Verluste selbst tragen müssen.“

Die Schließung stellt auch die Eltern vor Herausforderungen. „Der Zeitpunkt war ein schlechter, denn es ist gar nicht so einfach, einen neuen Kindergartenplatz zu finden, wenn Kinder auf eine besondere Betreuung angewiesen sind. Ich bin Anita Tausz jeden Tag dafür dankbar, dass sie diese finanzielle Hürde im heurigen Jahr noch auf sich nimmt“, erklärt eine Mutter im Gespräch mit der BVZ.

„Der Zeitpunkt war ein schlechter, denn es ist gar nicht so einfach, einen neuen Kindergartenplatz zu finden, wenn Kinder auf eine besondere Betreuung angewiesen sind

Seiten des Büros von Landesrätin Daniela Winkler zeigte man sich gesprächsbereit: „Im Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz ist eindeutig geregelt, dass für den Besuch des Kindergartens oder der Kinderkrippe von den Rechtsträgern keine Beiträge eingehoben werden dürfen, um den Anspruch auf die Personalkosten- und Ausgleichsförderung des Landes zu wahren. Das Wohl der Kinder hat oberste Priorität und wir sind seitens des Landes bemüht, für alle Beteiligten eine befriedigende Lösung zu finden. Um die Lage zu erörtern und zu beurteilen, werden wir die Betreiberin des Kindergartens gerne zu einem Gespräch einladen.“