Wolfauer Künstler präsentiert seine scharfen Werke. Früher war ein gutes Messer überlebenswichtig. Später ein Statussymbol. Über Künstler Hans Weinmüller und seine ganz schön scharfen Werke.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 06. Juli 2020 (05:23)

Der Spruch „Messer, Gabel, Schere Licht, ist für kleine Kinder nicht“ hatte in der Zeit, in der Hans Weinmüller noch Kind war, kaum Gewicht. „Ich hab mir schon als kleiner Bub mein Spielzeug selbst aus Kiefernrinde geschnitzt. Sonst hatten wir nämlich nichts“, erinnert sich der gebürtige Bayer, der als junger Mann den Beruf des Werkzeugmachers erlernte. Es war dann die Leidenschaft zur Jagd und die damit einhergehende Enttäuschung über sein erstes Jagdmesser die den heute 67-Jährigen dazu bewegte selbst sein erstes Messer zu fertigen.

„Als gelernter Werkzeugmacher war ich von der Qualität des Jagdmessers enttäuscht, ich musste es selbst nachhärten.“ Handwerklich und künstlerisch begabt war Weinmüller, so sagt er selbst, schon immer. Trotzdem hat er seinen Brotjob der Technik und den USA gewidmet. Dort lebte und arbeitete der gebürtige Deutsche 14 Jahre lang in Tucson, Arizona, in der Mikrochip-Branche und von dort stammt auch bis heute der Großteil seiner Kunden. „Mein Klientel sind Sammler, Liebhaber und Designer. Ich habe mich auf die Fertigung von Klappmessern spezialisiert, dabei kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen. Ein Kunstwerk aus Klinge und Griff nimmt man nämlich nicht mit auf die Jagd.“

Feitl-Clubs und Messer-Kunst

Ein simples Klappmesser ohne große Gravur oder Schnickschnack fertigt Hans Weinmüller an einem Vormittag. An seinem aufwendigsten Kunststück hat er wiederum einen Monat lang gearbeitet. Die Preise für ein echtes Weinmüller-Messer liegen zwischen 50 und 5.000 Euro. Dass die Wahlheimat Wolfau und Umgebung fast perfekt für seinen Lebensabend als „Messer-Künstler“ sind, hat der Hans bald rausgefunden gehabt. „Es gab hier früher viele sogenannte Feitl-Clubs und die Woada Feitlbrüder waren weit bekannt“, erzählt der gebürtige Deutsche schmunzelnd.

Lieblingsraum. In seiner Werkstatt verbringt der Wolfauer Hans Weinmüller viel Zeit. Seine Kunstwerke sind speziell und oft nach Kundenwünschen gefertigt. Schöne Dinge brauchen eben ihre Zeit.
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Ein wirklich gutes und vor allem kunstvolles Klappmesser leistet sich heute allerdings kaum mehr jemand. „Jeder der eins meiner Stücke in der Hand hält, sagt ‚das ist aber schön‘, aber ein Klappmesser braucht man heute nicht mehr wirklich. Okay, vielleicht wenn das Schnitzel wirklich zach ist“, lacht Hans Weinmüller, dessen Kundschaft definitiv älter aber auch exklusiver geworden ist. „ Ein italienischer Designer zeichnet beispielsweise Entwürfe, nach denen ich dann die Klappmesser fertige. Solche Arbeiten sind natürlich eine ganz besondere Freude für jeden Handwerkskünstler.“

„Es gibt am Ende stets tausende Möglichkeiten wie man etwas macht. Diese hier ist meine.“ Hans Weinmüller

Es gibt aber auch Situationen im Leben, wo Herr Weinmüller seine Messer ganz und gar nicht gut brauchen kann. Am Flughafen beim Security-Check beispielsweise. „Es ist nicht erst einmal vorgekommen, dass ich schlichtweg vergessen habe, das Messer zuhause zu lassen“, lacht er, dessen Lieblingsmaterial Damast-Stahl ist. Auch eine begehrte Auszeichnung vom amerikanischen Blade-Magazine gab es für Hans Weinmüller bereits. Schöne Sachen aus schönen Materialen zu fertigen, sei, so der Wolfauer, sein Antrieb. „Es gibt am Ende stets tausende Möglichkeiten wie man etwas macht. Diese hier ist meine.“

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