Trio beraubte Postpartner in Rotenturm. Schuhe gestohlen, dann 2.600 Euro erbeutet: Haftstrafen für ungarisches Trio, welches den Postpartner in Rotenturm überfiel.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 24. Oktober 2020 (06:58)
Symbolbild
APA/Webpic

Drei ungarische Staatsbürger – zwei Männer und eine Frau – waren am 16. Juli 2020 nach Österreich eingereist – offenbar bereits mit dem Plan, Straftaten zu begehen.

In Oberwart betraten die beiden Männer ein Schuhgeschäft, wo sie „günstig“ neue Schuhe erwarben. „Sie zogen die alten Schuhe aus und die neuen Schuhe an und verließen das Schuhgeschäft ohne zu bezahlen“, berichtete Staatsanwalt Heinz Prinke beim Prozess in der Vorwoche. Danach suchten die Straftäter ein geeignetes Objekt für einen Raubüberfall. Die Männer schickten die Frau zum Zigarettenkaufen in eine Oberwarter Trafik, um die Lage auszukundschaften.

Dann betrat der 20-jährige Angeklagte die Trafik, während sein 34-jähriger Komplize durchs Schaufenster lugte.

Die Trafikantin ahnte Böses, wollte sich mit einem Pfefferspray bewaffnen, und griff, als sie diesen nicht fand, nach einem Schraubenzieher.

In diesem Moment betrat ein Kunde die Trafik, weshalb der 20-jährige Ungar das Lokal sofort wieder verließ.

In weiterer Folge durchstreiften die drei Ungarn die Nachbarorte und entschieden sich schließlich, den Postpartner in einer kleinen südburgenländischen Gemeinde zu überfallen.

Noch bevor die Männer das Verkaufslokal betraten, googelte die Mittäterin, die als einzige im Besitz eines Führerscheins war, mit ihrem Handy den Fluchtweg und brachte das Auto in Stellung. Der 34-Jährige herrschte kurz danach die Angestellte in der Postpartner-Filiale an: „Geld her, Geld her!“

Die Frau antwortete: „Ich habe kein Geld“, und wollte nach dem Handy greifen, um die Polizei zu rufen.

Angestellte mit Pistole bedroht

Da bemerkte sie in der Hand des 34-Jährigen eine stark abgeschundene schwarze Pistole und wurde von dem Mann fast zeitgleich mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Als die Frau neuerlich nach dem Handy greifen wollte, schrie der 34-Jährige „Nein!“, und schlug neuerlich zu.

Er riss die Geldschublade auf und entnahm das Einlagefach mit dem Bargeld.

In der kleinen Ortschaft waren die Täter jedoch bereits aufgefallen: Zwei Nachbarn notierten das Autokennzeichen.

Die Polizei leitete eine Alarmfahndung ein, wenig später konnten die Täter gefasst werden. Im Büstenhalter der Frau fand man 1.610 Euro, in der Oberschenkeltasche des 20-Jährigen weitere 1.000 Euro.

Die Pistole, eine Softgun, wurde am nächsten Tag in einem Feld gefunden – die Täter hatten sie offenbar auf der Flucht aus dem Auto geworfen.

Gegen den 34-Jährigen und die Frau wird auch in deren Heimat ermittelt: Sie sollen am 24. Mai 2020 an einem Überfall auf eine Trafik in Szombathely beteiligt gewesen sein, bei dem ebenfalls eine auffällig abgenützte Softgun verwendet wurde.

Die Angeklagten zeigten sich vor Gericht geständig. Wegen schweren Raubes und Diebstahls (die beiden Männer) wurden sie zu Haftstrafen verurteilt. Der 34-jährige Ungar muss drei Jahre Haft verbüßen, sein Komplize 21 Monate und die Frau sechs Monate – weitere zwölf Monate wurden gegen sie auf Bewährung verhängt.

Das Opfer des Raubüberfalls erhielt ein Schmerzensgeld in der Höhe von 2.000 Euro zugesprochen.

Die Frau leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und Depression.