Bezirk Oberwart: Vom Gefängnis ins Gericht

18-fach vorbestrafter 56-jähriger Mann wurde um 6 Uhr aus dem Gefängnis entlassen. Um 9 Uhr saß er wieder vor einer Richterin.

Erstellt am 25. November 2021 | 05:42
Symbolbild Gerichtssaal
Symbolbild Gerichtssaal
Foto: shutterstock.com/Nirat.pix

„Eigentlich wäre ich schon um 1 Uhr in der Früh enthaftet worden, ich bin aber bis um 6 Uhr drinnen geblieben. Was soll ich bei der Kält’n?“, berichtete der 56-jährige Angeklagte mit entwaffnender Ehrlichkeit am Montagmorgen Richterin Daniela Berger.

Praktisch war es ja: So ersparte er sich die zeitraubende Anreise aus dem Bezirk Oberwart, an der der zweite Angeklagte, der an diesem Tag eigentlich im Gericht erscheinen hätte sollen, offenbar gescheitert war. 40 Minuten dauere die Anfahrt bei Oberwart, danach sei man eine Stunde und 40 Minuten mit dem Bus nach Eisenstadt unterwegs, aber auch nur, wenn dieser durchfahre, so der frisch enthaftete Angeklagte. Wie viele Vorstrafen er habe, fragte die Richterin. „Ich will es gar nicht wissen“, antwortete der Angeklagte. 18 Vorstrafen seien es insgesamt, informierte ihn die Richterin, das letzte Mal wurde er 2019 verurteilt.

„Von dem Urteil komme ich jetzt gerade heim“, erklärte der Angeklagte. Vorgeworfen werden ihm zwei Delikte im Bezirk Oberwart. Anfang September 2020 soll er vor einem gemeinsam mit dem zweiten Angeklagten und anderen Parteien bewohnten Haus einem Mann einen Faustschlag versetzt haben. Im Juli 2021 soll er alkoholisiert einen Verkehrsunfall verursacht haben. Alkohol scheint im Leben des Angeklagten eine wichtige Rolle zu spielen.

„Ich stehe um 4 Uhr in der Früh auf. Wenn ich um 7 Uhr arbeiten gehe, habe ich Minimum vier oder fünf Bier. Da bin ich noch nüchtern“, informierte er Richterin und Staatsanwalt. Bei dem Zwischenfall mit dem Hausbewohner waren die beiden Beschuldigten ebenfalls alkoholisiert gewesen. Das mutmaßliche Opfer habe beim Betreten des Hauses „einen Köpfler“ gemacht, „wie sich ein Cowboy vom Sattel fallen lässt, ab ins Gebüsch“, berichtete der Angeklagte. Der Hausbewohner habe dabei „nur provoziert“.

Einen Faustschlag habe er ihm nicht versetzt. Auch an dem Verkehrsunfall sei er nicht schuld gewesen. Er sei mit dem zweiten Angeklagten über einen Güterweg heimgefahren. „Auch am Güterweg darf man nicht fahren, wenn man alkoholisiert ist“, ermahnte ihn die Richterin. 1,8 Promille waren bei dem Angeklagten damals gemessen worden. „Ich sollte überhaupt nicht fahren, weil ich keinen Deckel habe.

Habe nie einen gehabt, trotzdem habe ich ein paar tausend Kilometer runtergedraht“, erwähnte der Angeklagte. Sein Freund, dessen Auto er benützte, könne nicht fahren, er sei „zu blöd dazu“. An einer Kreuzung rammte der 56-Jährige das Auto einer jungen Frau, die erst kurz im Besitz eines Führerscheins war. Viel sei nicht passiert, so der Angeklagte, die „verkleidete Schürzen“ am Kotflügel habe sein Freund wieder „hineingeklipst“. Die Richterin vertagte den Prozess auf Dezember. Beim nächsten Mal soll der zweite Angeklagte einvernommen werden, dem Tierquälerei vorgeworfen wird. Er soll seinen Hund vernachlässigt haben.