Endometriose: Eine Gesundheitsgeschichte. Rita Hofmeister hat einen künstlichen Darmausgang - und hat das Steuer ihres Leben trotzdem fest in der Hand. Warum ein Loch im Bauch nicht das Ende ist.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 11. August 2020 (05:30)

„Ich hab nix, außer einen Beutel am Bauch picken“. Wenn eine Frau in ihren schönsten Jahren diesen Satz so rauspfeffert, kann man sich absolut sicher sein, dass dieses Nix wirklich nix ist, im Vergleich dazu was Rita Hofmeister bereits an Schmerzen in ihrem Leben aushalten hat müssen.

„Zu hören, dass diese Schmerzen zum Leben einer Frau dazugehören sollen, hat es nicht besser gemacht.“

Mitte Zwanzig bekommt die gebürtige Mariasdorferin erstmals die Diagnose Endometriose. „Ich hatte mit der Pille aufgehört, die Regelschmerzen wurden danach schnell unerträglich, oft habe ich Tage im Bett verbracht. Zu hören, dass diese Schmerzen eben zum Leben einer Frau dazugehören hat es natürlich nicht besser gemacht“, erinnert sich die heute 43-jährige Yoga-Lehrerin und Gründerin von „Studio Ich“. Die erste Operation vor 14 Jahren war als kleiner Eingriff geplant. Es folgten Stunden am OP-Tisch, die Entfernung eines Stücks Dickdarm und ein monatelanger, schmerzvoller Heilungsverlauf. Danach beginnt Rita Hofmeister ihr Lebensschiff in andere Gewässer zu steuern. „Ich war in der Werbebranche tätig, der Stress war enorm, außerdem war ich regelrecht gefangen in einer unglücklichen Beziehung. Heute weiß ich viel mehr, ich habe viel gelernt in den letzten fast 20 Jahren und begonnen, meine Krankheit ganzheitlich zu betrachten. Symptome und Krankheiten bekommt man nicht einfach nur, weil man eben Pech hat“, ist Hofmeister überzeugt.

Selbsthilfebuch bei Endometriose

Nach der ersten OP folgen gute Jahre. „Die Endometriose schien nicht weiter zu wuchern.“

Dann aber beginnt der Albtraum von vorne. Nach Monaten unerträglicher Schmerzen finden die Ärzte schließlich ein Loch in Ritas Darm mit faustgroßem Abszess. Der Versuch der chirurgischen Sanierung durch Entfernung eines weiteren großen Stückes Darm scheitert. Nach noch einem schmerzerfüllten Jahr wird dann im vergangenen März ein künstlicher Darmausgang gemacht. Jetzt endlich geht es der Südburgenländerin so gut, wie seit vielen Jahren nicht. „Ich hätte schon vor meiner ersten OP, im Jahr 2006 gerne gewusst, wie gut man mit einem Loch im und einem Beutel am Bauch leben kann. Es geht mir mittlerweile hervorragend, ich kann wieder alles essen und selbst mein erster Sommer mit Stoma, also künstlichem Darmausgang, ist toll. Schwimmen gehen, Sport machen, ist alles kein Problem. Es gibt viele Gleichgesinnte, man kann sich gut austauschen. Ihre ganz persönlichen Erfahrungen und „Ich werde gesund“- Geschichte gibt die ehemalige Obfrau der Endometriose Vereinigung Österreich jetzt in ihrem ersten Buch, das im September erscheinen soll, weiter: „Es ist ein Buch einer Betroffenen für Betroffene.

Neben medizinischen Fakten zur Endometriose liefert es vor allem einen ganzheitlichen Blick auf diese Krankheit. Die Psyche und die Seele, sind genauso große und wichtige Bestandteile zum Gesund werden, wie der Körper selbst. Im Praxisteil zeige ich außerdem auf, was mir geholfen hat. Von Yoga über Impuls-Strömen bis hin zu ätherischen Ölen und der richtigen Ernährung. Es lohnt sich immer, in sich hineinzuhören, denn dort liegt am Ende stets die Antwort, die man oft jahrelang schmerzlich sucht.“