Tierarzt Christoph Haller: Die Arbeit im Kreislauf. Tierarzt Christoph Haller betreibt mit seinem Bauernhof in Markt Allhau die größte Kreislaufwirtschaft Österreichs. Nächstes Jahr wird das „Bullinarium“ eröffnet.

Von Eva-Maria Leeb. Erstellt am 17. August 2019 (15:06)
Hallers
Christoph Haller will mit seiner Kreislaufwirtschaft nachhaltig und ökologisch arbeiten und seine Arbeit den Menschen näherbringen.

Mit seinem Bauernhof bewirtschaftet Tierarzt Christoph Haller auch das RAMSAR Schutzgebiet entlang der Lafnitz. Mit der BVZ spach er über nachhaltige ökologische Bewirtschaftung

BVZ: Eine vorsichtige und nachhaltige Bewirtschaftung ist ja die Grundvoraussetzung für die Erhaltung des Schutzgebietes. Was tragen Sie dazu bei?
Christoph Haller: Kulturflächen haben ein wesentliches Merkmal, sie dienen den Menschen entweder zur Ernährung, oder für Besiedelung. Im Schutzgebiet des Lafnitztales dienen die Wiesenflächen der Ernährung unserer Bullen mit Gras und Heu. Und was nicht für die Ernährung taugt, wird als Einstreu verwendet. Der Stallmist wird dann zu Biogas und Ökostrom für mehr als 3.000 Haushalte verarbeitet. So schließt sich der Kreis von Mensch und Natur.

Immer wieder gibt es Kritik am Einsatz großer Maschinen. Wären „kleinere“ Gerätschaften nicht umweltschonender?
Nicht immer ist klein besser als groß. Der Anpressdruck von großen Reifen ist auf den Quadratzentimeter gerechnet wesentlich geringer, als dies bei kleineren Maschinen mit schmalen Reifen der Fall ist. Der Boden wird dadurch wesentlich weniger verdichtet und das nicht nur durch die breiteren Reifen, sondern auch durch große Arbeitsbreiten, weil wir dadurch wesentlich weniger oft fahren müssen. Dadurch wird das Bodenleben geschützt. Dieses Bodenleben, wie Kleintiere, Regenwürmer und verschiedene Mikroorganismen, ist ein Garant für eine intakte Kulturlandschaft, die auch den Menschen als Erholungsraum dient.

Sie betreiben in Markt Allhau den größten Rinderstall Österreichs. Werden Sie mit dem Vorwurf, quasi im industriellen Stil Landwirtschaft zu betreiben, konfrontiert?
Nicht immer ist klein besser als groß. Das trifft auch auf unsere Rinderhaltung zu. Es kommt nicht auf die Gesamtanzahl der Tiere an, sondern wie sie gehalten werden. Unsere Bullen haben doppelt so viel Platz wie vorgeschrieben und werden auf Stroh gebettet, welches jeden Tag gewechselt wird. Und die Weiterverarbeitung des Stallmistes zu Ökostrom wäre in einer Kleinlandwirtschaft auch wirtschaftlich nicht möglich.

Wann wird das „Bullinarium“ seine Pforten öffnen?
Wir rechnen damit, dass wir es bis Mitte/Ende April 2020 schaffen. Dann hat Markt Allhau ein Restaurant mit Infotainment, wo man sich über Bull Beef und Klimaschutz durch die Kreislaufwirtschaft informieren kann.