Beziehungen & Corona: Portion Extraliebe hilft immer. Haben Corona und der Lockdown uns wirklich ein Plus an Trennungen beschert? Ein Gespräch mit Expertin Carina Szauer aus Pinkafeld.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 27. September 2020 (06:14)
Scheidungsjahr? Allein im Sommer gab es in Österreich einen Anstieg bei Scheidungen von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Carina Szauer bietet in Pinkafeld Einzel- und Paarberatungen.
viewitlikejenni.com

Eine Textzeile aus dem bekannten Schlagerlied von Conny Francis aus dem Jahre 1960 lautet wie folgt: Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum anderen. 60 Jahre später hat sich an der Gültigkeit dieses Satzes kaum etwas geändert, mehr noch: Man kann ihn auch ein bisserl auf das Coronavirus umlegen.

Der treibt ja auch ein recht seltsames Spiel – weltweit wohlgemerkt – und naja, auch der Virus kommt und geht von einem zum anderen. Aktuell steigen die Zahlen wieder und ein bisserl Humor braucht Mensch in Zeiten der Pandemie fix.

Weniger zum Lachen war in den letzten Monaten vermutlich vielen Ehepaaren und Familien, wenn man sich die Scheidungsraten ansieht. Was Experten bereits während des Lockdowns vorhersagten, scheint sich zu bewahrheiten: 2020 droht zu „dem“ Scheidungsjahr überhaupt zu werden. Laut jüngstem APA Bericht ist allein in diesem Sommer ein Anstieg um nochmals 30 Prozent bei den Scheidungen in Österreich im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen.

Entschleunigung Innen, Beschleunigung Außen

Eine, die von Beziehungsproblemen und einer Parallele zu Covid-19 ebenfalls ein Lied singen kann, ist die Pinkafelderin Carina Szauer. Die diplomierte Lebens-und Sozialberaterin hat seit dem Lockdown alle Hände voll zu tun.

„ Die Pandemie hat viele Menschen zwar im Außen entschleunigt, also in ihrem Tun und Handeln, aber Innen drinnen viele Prozesse beschleunigt. Viele hatten erstmals wirklich Zeit nachzudenken, sind durch den Lockdown regelrecht dazu gezwungen worden. Die Auswirkungen sind dann bald spürbar geworden, wer vor Corona schon über eine Trennung oder Scheidung nachdachte, hat dann Nägel mit Köpfen gemacht,“ berichtet Szauer im Gespräch mit der BVZ.

Neun von zehn Paaren bleiben getrennt

Seit 2016 arbeitet die 36-jährige psychologische Beraterin mit und für Menschen, die Hilfestellungen auf ihren Lebenswegen brauchen. In ihrer Praxis „Verbindungswege“ bietet Szauer Einzel- und Paarberatungen, Krisenberatung oder auch Trennungs- und Konfliktberatung an.

Die Nachfrage an der Arbeit der Pinkafelderin ist seit Corona stark gestiegen, ihre Klienten stammen Großteils aus der Region.

„Mittlerweile kann ich sagen, dass neun von zehn Paaren, die sich während der Pandemie getrennt haben, keinen Schritt mehr zurück zum Partner machten. Corona und Trennungen, das ist ein großes Thema, auch am Land, obwohl man hier während des Lockdowns definitiv mehr Möglichkeiten der räumlichen Trennung nutzen konnte. Die Auswirkungen des siebenwöchigen Lockdowns auf zwischenmenschliche Beziehungen sind erst jetzt wirklich sichtbar“, weiß die Expertin, die in den ersten Wochen der Pandemie gut doppelt so viele Klienten verzeichnete.

Auf einen möglichen neuerlichen Lockdown angesprochen rät Carina Szauer: „Routinen finden und Zukunftspläne schmieden als gemeinsamen, verbindenden Hoffnungsschimmer, ist immer eine gute Idee.“

Abschließend gibt sie noch Tipps gegen mit Corona verbundenen Ängsten: „Wenn die Angst überhandnimmt, holen sie sich professionelle Hilfe. Oft triggern uns Ängste und zeigen eigentlich andere Themen auf, die uns mehr Angst machen, als das Virus, zum Beispiel die Angst vor dem alleine sein oder nicht gebraucht zu werden.“

Und mit einer Portion Extraliebe für sich und andere, meistert Mensch sowieso alles leichter - auch einen Virus.