25 Jahre Roma-Attentat: Was vom Tage übrig blieb. Am 4. Februar 1995 starben vier Roma in Oberwart durch eine Bombe. Die Romni Manuela Horvath war damals 10 Jahre alt. Vergessen hat sie nichts.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:19)
Manuela Horvath besucht das Mahnmal nahe der Roma-Siedlung. Hier starben vor 25 Jahren vier Männer durch eine Rohrbombe.
Vanessa

„Mein taubstummer Onkel stand frühmorgens plötzlich im Haus und hat nur geschrien. Er war es, der damals die Leichen der vier ermordeten Männer aus unserer Siedlung gefunden hat. Sprechen konnte er ja nicht, also hat er meinen Vater zur Unglücksstelle gebracht. Es waren die Onkel, die ihre toten Neffen aufgefunden haben“, erinnert sich Manuela Horvath.

Die heute 35-Jährige war damals 10 Jahre alt und lebte in der Roma-Siedlung, in derer unmittelbaren Nähe vier junge Roma im Alter zwischen 17 und 40 Jahren durch die Rohrbombe des Attentäters Franz Fuchs in der Nacht auf den 5. Februar 1995 ihr Leben lassen mussten. Jetzt jährt sich das Unglück, das als Tag des Terrors in die österreichische Geschichte eingegangen ist, zum 25. Mal.

Roma rückten ins Licht der Öffentlichkeit

Erstmals in der Zweiten Republik waren vier Menschen – Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon – mit Hinweis auf ihre Herkunft und Zugehörigkeit ermordet worden. Die österreichischen Roma, die erst kurz davor als österreichische Volksgruppe anerkannt worden waren, rückten schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit. Was aber passierte nach dem Attentat in der Oberwarter Roma-Siedlung?

„Es herrschte Chaos, die Polizei hat unsere Häuser durchsucht und wir durften lange nicht alleine zum Spielen rausgehen. Ich hab mich gefürchtet und konnte nicht begreifen, warum meine zwei Cousins plötzlich tot waren“, erzählt Horvath und fügt an: „Die Angst ist damals umgegangen in der Siedlung, schließlich dauerte es zweieinhalb Jahre, bis sich der Attentäter Franz Fuchs zur Tat bekannte.“

„Es herrschte Chaos in der Siedlung, die Polizei hat die Häuser durchsucht und wir durften lange nicht alleine zum Spielen rausgehen.“

Heute ist Manuela Horvath Referatsleiterin der Roma Pastorale der Diözese Eisenstadt und arbeitet auch dafür, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät. So organisiert sie auch die jährliche Gedenkfeier zum Attentat. In der Roma-Siedlung lebt die junge Oberwartin zwar nicht mehr, allerdings noch immer ein Großteil ihrer Familie. „Als ich ein Kind war, wohnten rund 120 Personen in der Siedlung, heute sind es knapp 50. Das hat aber nichts mit unserer Herkunft zu tun, das Konstrukt Großfamilie nimmt überall ab, nicht nur bei den Roma.“

Bewegende Zugfahrt. Manuela Horvath mit dem Bundespräsidenten und Auschwitz-Überlebenden Viktor Klein am Weg zur Gedenkfeier.
BVZ

Auf die Frage hin, ob und wie sich das Leben als Oberwarter Romni für sie seit dem Attentat verändert hatte, antwortet Manuela: „Damals, als die Bombe detonierte, waren viele ehrlich schockiert, aber es gab auch andere, die meinten, es hätte ruhig mehr als nur vier Zigeuner treffen sollen. Mir selbst schlug nie wirklicher Hass aus der Bevölkerung entgegen, aber wenn ich bei einem Spaziergang durch Oberwart plötzlich vor einem zwei Meter großen Hakenkreuz, hingeschmiert auf eine Mauer stehe, ist mir auch klar, dass es da draußen noch immer Menschen gibt, die scheinbar nichts aus der Geschichte gelernt haben.“

Zivilcourage, das wünscht sich die 35-Jährige heute und in Zukunft. „Vor allem, wenn man Zeuge wird, wenn jemand anderer ausgegrenzt, gemobbt oder sonst wie schlecht behandelt wird. Mehr Offenheit schadet den Menschen nie, wir sind nämlich oft gar nicht so anders, wie wir voneinander denken.“

Alles zur Gedenkfeier vom Dienstag: