Johann Sterniczky: Die Hoch-Zeit des Figaro. Kunst kommt von Können und gewiss ist der Oberwarter Figaro ein Künstler seiner eigenen Art. Hinter dem burgenländischen Frisör steckt mehr, als man auf ersten Blick vermutet.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 28. Juli 2020 (05:43)

Für die meisten ist Figaro einer der außergewöhnlichsten Frisöre seiner Zeit, für die anderen ist er Sportskollege und manche wissen ihn als Familienvater zu schätzen. Figaro, der eigentlich Johann Sterniczky heißt, beschreibt sich selbst als „ein Besessener, der ständig neue Herausforderungen sucht“. Wer ihn persönlich kennt, weiß, in all den Rollen, die er in seinem Leben spielt, treffen seine Worte wirklich zu.

Die Geschichte des Oberwarter Figaros beginnt schon vor seiner Geburt, nämlich im Jahr 1947, als seine Eltern ihren Frisörsalon in Pinkafeld eröffneten. Mitsamt Sohnemann Johann im Schlepptau zogen sie später nach Oberwart, wo auch dieser Wurzeln fasst. „Am ersten Schultag, der zweiten Klasse in der HAK, habe ich einfach bei der Ampel umgedreht und bin in unser Geschäft zurückgegangen, um, ganz zum Leidwesen meiner Mutter, Frisör zu werden“, erinnert sich Sterniczky.

Internationale Erfahrung

Als Sohn eines begnadeten Theaterfrisörs, scheint ihm sein Talent in die Wiege gelegt worden zu sein. Seine Begabung, kombiniert mit seiner persönlichen Einzigartigkeit, verhalfen ihm dazu, voll durchzustarten und im Laufe der Zeit erlangte er große Aufmerksamkeit. Über zwanzig Jahre lang verbreitete er seine selbst erlernten Arbeitstechniken auf nationalen und internationalen Shows, Tourneen und Seminaren im Auftrag von Schwarzkopf. „Die Medien starteten damit, über mich und meine Auftritte zu berichten und das Ganze wurde zu dem, was es jetzt ist. Die Marke Figaro hat damals Kultstatus bekommen“, erzählt der gebürtige Pinkafelder.

In all den Jahren weiß er die tatkräftige Unterstützung seiner Frau stets zu schätzen: „Was Besseres, als meine liebe Michi, hätte mir nicht passieren können. Sie war es, die aus dem Ganzen ein System gemacht hat. Ich bin zwar der Figaro, aber sie ist sicherlich das Herz der Firma.“ Wer seine Haare von ihm schneiden lässt, weiß, Figaro ist unvergleichlich. Zwar lässt er sich von gegenwärtigen Modetrends inspirieren, jedoch steht für ihn immer die Individualität des Haares im Vordergrund und gleichzeitig setzt er die Alltagstauglichkeit seiner Frisuren voraus. „Ich schneide ja im Stehen, denn im Sitzen wirken alle gleich groß. Ich personifiziere jedoch von Kopf bis Fuß und gebe jedem Kopf die Frisur, die er braucht“, schildert Figaro.

Auch, wenn er auf Bitte seiner jüngsten Tochter mit seinen Shows abschloss, prägen ihn seine Auftritte bis heute: „Seitdem ich aufgehört habe, ist mein Geschäft meine Bühne. Zugegeben, immer wieder, wenn ich einen gelungenen Haarschnitt vollende, ertappe ich mich dabei, wie ich innerlich den Applaus höre, den ich von früher gewohnt bin“, erzählt der Oberwarter.

„Trainiere für gesunden und kreativen Geist“

Seine Shows waren nicht das einzige, das Sterniczky für seine Kinder aufgab. Anlässlich der Geburt seines ältesten Sohnes, beschloss Figaro, sich einen gesünderen Lebensstil anzueignen. Er wurde Marathonläufer und Vegetarier und verzichtet bis heute ausnahmslos auf Alkohol. Mit der Zeit entwickelte er sich regelrecht zum exzessiven Hobbysportler und es vergeht kein Tag, an dem er nicht zumindest drei, wenn nicht sogar zehn Stunden trainiert. Ganze 100.000 Liegestütz dokumentierte Figaro im vergangenen Jahr. Selbst Hund Kimmy kann sich seinem Kampfgeist nicht widersetzen und so begeben sie sich gemeinsam Tag für Tag auf kilometerlange Spaziergänge. „Meine Frau sagt, sie könnte mich gar nicht in Pension schicken, weil sonst von meinen ohnehin wenigen Kilos gar nichts mehr bleibt“, schmunzelt Sterniczky.

Sowohl seine Kinder als auch sein Job geben ihm die nötige Motivation, um täglich an seine Grenzen zu gehen. „Ich ziehe das deshalb durch, weil ich auch für meine Nachzüglerin ein junger Papa sein will. Außerdem sammle ich beim Training die Energie und Kreativität, die ich für die Arbeit brauche“, erklärt er. Ganz egal ob im Sport, als Vater oder „Haircutter“, Figaro verkörpert volle Leidenschaft. Er trainiert und schneidet mit voller Hingabe und Begeisterung. Heute mehr denn je und gewiss auch noch in einigen Jahren.