„Jungs“ bleiben am Ball. Seit 50 Jahren trifft „Mann“ sich jeden Dienstagabend um zu kicken. Fouls gibt es nicht, höchstens ein paar Beleidigte. Wenn dabei sein wirklich alles ist.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 17. November 2019 (11:12)

„Sieht man das am Foto, dass mein linker Haxn a bisserl dünner ist?“ „Geh bitte, jetzt wirst ja nicht auch noch eitel werden, auf deine alten Tage.“ Alltagsgespräche und Fußballsachen Dienstagabend in der Knaben Umkleidekabine der Oberwarter Volksschule.

Die Hauptakteure: Sechs Herren im zarten Alter zwischen 51 und 84 Jahren die sich die „Packler“ binden und sich nebenbei auf die Schaufel nehmen – und das seit über einem halben Jahrhundert. So lange nämlich trifft sich die Fußballgruppe schon um jede Woche im altehrwürdigen Turnsaal der Volksschule gegeneinander zu kicken. Die meisten sind um einiges älter, als der Turnsaal selbst. „Ich bin mit 73 nur der Fünftälteste hier“, lacht Vereinspräsident Willibald Weber und erzählt: „Die Mannschaft wurde damals von Anwälten, Notaren und Lehrern gegründet, aber der Fußball hat sich bald durchgesetzt.

Drei Gründungsmitglieder kicken heute noch, die meisten stammen aus dem Bezirk. „Früher haben wir beide Turnsäle besetzt, jetzt spielen wir meist nur drei gegen drei. Super war auch, als noch Asylwerber im Team waren. Die sind mittlerweile leider alle weggezogen. Die Iraner haben sich noch entschuldigt, wenn du sie gefoult hast“, lacht Weber. Apropos Foul: Schiedsrichter gibt es keinen, die Herren streiten sich seit Jahrzehnten nämlich „zam“.

Alterstechnisch sind die Herren Profis

„Den Turnsaal verlässt man nicht im Streit, man plärrt sich höchstens einmal an“, verrät Helmuth Nemeth, Oberwarts ehemaliger Hauptschuldirektor, der in Kürze 80 Jahre alt wird, während er seine Turnschuhe schnürt. Auf die Frage nach dem Alter der Schuhe, antwortet er schmunzelnd: „Die sind gefühlt so alt wie Steinkohle, aber fünfzehn Jahre haben sie bestimmt auf den Sohlen. „Der Helmuth läuft am wenigsten deshalb halten seine Schuhe so lange“, wirft ein Teamkollege ein. „Und du spielst seit 50 Jahren immer Hand“, folgt prompt der Konter, gefolgt von lautem Gelächter.

Corneliu Crupinschi ist seit 1991 Mitglied der Kicker-Partie. „Vor 30 Jahren hat man einen Tormann gebraucht“, erzählt der heute 52-Jährige lachend. Und Didi Horvath, mit 51 Jahren einer der zwei Jungspunde in der Mannschaft, berichtet: „Ich habe schon als Kind mit meinem Vater in der Runde mitgespielt. Ein Dienstagabend ohne Fußball mit den Herren ist kein Dienstagabend“, so der Bankangestellte überzeugt. Fehlstunden haben die wenigsten auf ihrer Kappe. „Bewegung ist auch im Alter wichtig. „Wer rastet, der rostet“, weiß der Herr Direktor in Pension, der seit seinem sechsten Lebensjahr kickt.

Nach kurzer Aufwärmphase startet das Match und als Zuseher muss man sagen: Die „Knaben“ haben es noch drauf! Da wird schnell gelaufen, gut gekontert und auch Tore bekommt man beim 3:3 genug zu sehen. Tadelloser Fußball mit Amateuren, die alterstechnisch allerdings Vollprofis sind. Tor!