Die Kultur im Abseits. „herbst.wort.lieder“, das kleinste Festival der Welt, wird im September in Pinkafeld stattfinden. Veranstalter Günter Schütter hat auch eine neue Plattform gegründet.

Von Eva-Maria Leeb. Erstellt am 23. Mai 2020 (11:47)
Übt scharfe Kritik an der Politik und will Maßnahmen. Günter Schütter.
BVZ

„herbst.wort.lieder“ feiert heuer seinen siebenten Geburtstag und wird, trotz aller Widrigkeiten, im September in Pinkafeld über die Bühne gehen. Mit dabei sind unter anderem Christoph Grissemann & Manfred Engelmayr, Fuzzman und das Sybille Kefer Trio. Wie genau das Festival ablaufen wird, können die Veranstalter Günter Schütter und Christian De Lellis aufgrund täglich neuer Ankündigungen noch nicht sagen. „Wir werden das in der nächsten Woche entscheiden. Ein Jahr ohne Kultur wäre ein verlorenes Jahr und daran wollen wir nicht denken“, so Schütter.

Für Aufmerksamkeit sorgt auch sein neuestes Projekt, gemeinsam mit der IG Kultur Burgenland hat er die Plattform „Kulturvirus“ gegründet. Diese soll sichtbar machen, was Kulturschaffende im Burgenland leisten. Gerade im Kulturbereich sei die Zukunft für viele wegen der Coronavirus-Krise ungewiss. „Kulturvirus“ möchte die heimische Kultur kompakter präsentieren, sie unterstützen und genreübergreifend vernetzen.

Scharfe Kritik am Umgang mit Kultur

Mit der Politik geht der Kulturveranstalter hart ins Gericht: „Die Corona Krise hat endlich einen längst fälligen Diskurs befeuert. Seit Wochen wird wieder über die Stellung von Kunst und Kultur diskutiert. Politiker sonnen sich gerne im Erfolg von diversen Produktionen oder preisgekrönten Künstlern. Das war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft so sein.

Die Gegenwart ist eine ganz andere.“ Es gebe keine legitimierten Interessensvertretungen. Die von der Gemeinschaft selbst organisierten Vertretungen würden in politischen Prozessen kaum bis gar nicht herangezogen. Dabei liege hier viel Know How. Und Schütter stellt Fragen: „Warum können hart arbeitende Künstler von der Gesellschaft nicht als vollwertige Arbeitskraft angesehen werden? Warum können diese Personen nicht ordentlich sozial abgesichert sein? Eine Künstlerin, die tausende Menschen begeistert, darf dann in der Krise betteln gehen?“ Kulturschaffenden, die jedes Jahr eine Menge an Einkommenssteuer zahlen würden, könnten gerade keine Steuern zahlen, da sie teilweise Berufsverbot hätten.

„Was ist eigentlich mit dem unglaublichen Mehrwertsteueraufkommen, das immer auf Künstlerhonorare draufgeschlagen wird? Für wen ist dieser Mehrwert? Sicher nicht für die, die ein unglaubliches Steueraufkommen produzieren. Und das ist nicht gerecht“, sagt Schütter. Es sei an der Zeit den österreichischen Künstlern zu helfen, bevor es zu spät ist und den Kulturbetrieben eine Planungssicherheit für das restliche Jahr zu geben. „Es ist eine Schande, was gerade passiert! Österreich lässt die Kultur im Stich und niemanden interessiert es!“