Pinkafelder lieber in Krisengebieten statt Urlaubsorten. Mit dem Ziel vor Augen, die Welt ein Stück weit besser zu machen, begab sich Elias Bierdel an so manchen Ort. Heute hat er einiges zu erzählen.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 23. September 2020 (05:14)

Unter einem Kirschbaum in Pinkafeld sitzt Elias Bierdel in seinem Garten und erzählt seine Geschichten. Ursprünglich stammt Bierdel eigentlich aus Berlin. Aus seiner Überzeugung heraus bestritt er so einige, oft steinige Wege, bis er nach einer langen Reise letztendlich in Pinkafeld ankam. Tatsächlich ist Pinkafeld heute die Stadt, in der er bislang am längsten lebt, nämlich seit zwölf Jahren. Vorerst zog es den Berliner 1989 als Außenkorrespondent des ARD nach Wien. Genau der Job war es, der für seinen folgenden Lebensweg ausschlaggebend war. „Ich habe sowohl den Bosnien-, als auch den Kosovokrieg und die damit verbundenen, großen Flüchtlingsbewegungen miterlebt“, erzählt Bierdel.

„Als Reporter bist du immer noch Mensch. Für mich wurde es schwierig, Leuten, deren Elend so offensichtlich war, das Mikrofon vorzuhalten und nachzufragen. Ich wollte lieber deren Lage verbessern.“ Geprägt von manch schwieriger Situation legte er seine Anstellung nieder und widmete sich Jahre lang seinen Herzensangelegenheiten. Zunächst engagierte er sich als Projektmanager beim Bau von Schulen im afghanischen Talokhan. „An den Moment, als wir nach dreißig Jahren Krieg die erste Schule eröffneten und die Kinder endlich wieder lernen und einen kleinen Schritt in Richtung Normalität gehen können, erinnere ich mich heute noch, als einen der glücklichsten Momente meines Lebens, zurück“, erzählt Bierdel. Einem Projekt folge das nächste und als Leiter der Hilfsorganisation Cap Anamur geriet er dann 2004 plötzlich selbst in die Schlagzeilen. Bei einer Versorgungsfahrt entlang des Mittelmeeres nahm er 37 Flüchtlinge in Seenot an Board. Mit verhängnisvollen Folgen: Das Schiff wurde beschlagnahmt, der Kapitän und er selbst inhaftiert. Erst 2009 folgte der Freispruch und Bierdel beschäftigte sich die nächsten Jahre stets damit, die Umstände, die auf hoher See herrschen aufzudecken.

 „Dass man die Rettung von Menschen unter Strafe stellt - das ist nicht die Welt, in der ich leben möchte.“ Elias Bierdel

 „Dass man die Rettung von Menschen unter Strafe stellt - das ist nicht die Welt, in der ich leben möchte. Und weil ich mich jetzt nicht auf den Mars verzupfen kann und noch zu jung zum Sterben bin, möchte ich mich dafür einsetzen, dass sich die Dinge ändern“, meint Bierdel. Bis heute setzt er sein Streben auf den verschiedensten Wegen um. Vorträge und Diskussionen, die Mitwirkung bei Filmen und Büchern und unzählige Hilfsprojekte in Krisenregionen sowie Integrationsprojekte in Österreich brachten ihn dorthin, wo er heute ist, nämlich in seine geliebte Wahlheimat Pinkafeld.

Immer noch engagiert sich Bierdel aufgrund seiner Überzeugungen, wo immer es ihm möglich ist. So gilt sein Augenmerk momentan auch einem Projekt zum Zweck der Vernetzung von Umweltinitiativen. „Bei vielen Fluchtbewegungen ist der Klimawandel im Grunde genommen ursächlich“, erklärt Bierdel. „In Rumänien zum Beispiel steht einer der größten Urwälder Europas, dort geschieht illegaler, internationaler Holzeinschlag. Widerstandsgruppen dort stehen unter bedrohlicher Gefahr, fast ähnlich wieim Amazonasgebiet. Solche Gruppen wollen wir stärken und miteinander vernetzen.“

Vor allen Dingen ist er heute aber eines: Opa. „Wenn ich meinen Enkeln in die Augen schaue – das motiviert mich unglaublich, mich dafür einzusetzen, dass die Dinge nicht noch schlimmer werden“, erzählt der gebürtige Berliner. Der jährliche Urlaub seiner fünf Enkeltöchter liegt Bierdel mehr am Herzen als alles andere. „Meine innerlichen Prioritäten verschieben sich schon. Nichtsdestotrotz ändert sich aber nichts an meinen Überzeugungen. Ich werde immer für die gleichen Sachen eintreten, wo auch immer ich nur kann“, so Bierdel. Gewiss scheibt er damit noch einige spannende Geschichten, die später nicht nur seine Enkel weitererzählen können.