Erneute Suche nach Massengrab: 17. Anlauf ist gestartet. Am Montag startete in Rechnitz das Bundesdenkmal eine weitere Ausgrabung, die sich der Suche nach den Opfern des „Palmsonntagsmassakers“ im März 1945 verschrieben hat.

Von Daniel Fenz. Erstellt am 24. September 2020 (05:56)

Die Hoffnung, dass die Opfer, der im Jahr 1945 ermordeten ungarischen Juden, gefunden werden, lebt weiterhin. Nach der kleinräumig angelegten Suchgrabung in der „Remise“ im März 2019 stehen nun die Äcker östlich des Waldstückes im Mittelpunkt der Untersuchungen. Die Grabungsarbeiten der Arbeitsgemeinschaft Geschichte & Archäologie OG gestalten sich aktuell aufgrund des trockenen Wetters viel besser.

6,3 Hektar wurden bereits durchforstet

Zurzeit wird mittels Bagger die Humusschicht entfernt. So wird die Sicht frei auf militärische Gräben des sogenannten Südostwalls, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges rund um Rechnitz angelegt wurden. Unterstützt wird Nikolaus Franz vor Ort von den Archäologen Willi und Astrid Tögel. Gegraben wird momentan auf fünf Grundstücken, deren Besitzer sich bereit erklärten, dass die Grabungen durchgeführt werden dürfen.

Nach Auswertung von historischen Quellen, Luftbildern, geophysikalischen Untersuchungen ergibt sich eine überaus große Verdachtsfläche von 89 Hektar. Die seit 1969 mit verschiedensten Methoden (Stichgrabungen, Bodenradar und Bohrungen) bereits untersuchte Fläche beträgt 6,3 Hektar. „Es ist aber von einer deutlich kleineren, bis heute vollständig ergrabenen Fläche auszugehen“, erzählt Grabungsleiter Nikolaus Franz.

Vor Archäologen kann man nichts verstecken

Luftbilder der US-Airforce vom Februar 1945 zeigen im Gebiet östlich und südlich des Kreuzstadls ein System von Stellungen, Schützen-, Lauf- und Panzergräben. Einige dieser Anlagen sind, – wie Luftbilder vom Sommer 1945 nahelegen – zwischen Februar und August in ihrer Form verändert worden oder kaum mehr nachweisbar. Die diesjährige Ausgrabungskampagne wird auch vom Land Burgenland finanziell unterstützt und ist für einen Zeitraum von etwa drei Wochen anberaumt.

Grabungstechnikerin Archäologin Astrid Tögel sagt dazu: „Ist die Humusschicht einmal entfernt, werden alle Bodeneingriffe sichtbar. Das gilt auch für Gräber, in denen Mordopfer verscharrt wurden.“

Das archäologische Personal und das Bundesdenkmalamt bitten darum, die Suchschnitte nicht zu betreten. „Wenn Leute auf der Grabung spazieren, behindert dies nicht nur unsere Arbeit“, so Grabungstechniker Wilfried Tögel, „in den freigelegten Gräben befinden sich auch viele gefährliche Kriegsmittel, vor allem Munition, die teilweise noch scharf ist.“ Werden auf der Grabung Granaten gefunden, müssen diese vom Entminungsdienst sofort entschärft werden.

„Man müsse nur konsequent weitersuchen. Die Hoffnung, die Opfer zu finden, lebt“, so Nikolaus Franz abschließend.