Mit altem Steyr-Lkw "bekämpft" Ehepaar das Fernweh. Beatrice und Robin leiden unter chronischem Fernweh. Wie gut, dass sie jetzt „Yolo“ haben, einen alten Steyr-Lkw, der nur darauf wartet, mit ihnen durchzubrennen.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 23. Juni 2019 (03:55)

Dass alte Liebe nicht rostet, unterschreiben Beatrice und Robin Pancheri sofort. Erstens, weil die Zwei schon vor 30 Jahren erstmals ein Paar wurden, dann aber doch fast drei Jahrzehnte vergehen mussten, bis der gebürtige Salzburger und die Südburgenländerin schließlich wieder zueinanderfanden und heute glücklich verheiratet in Rechnitz leben. Und zweitens, weil ihr gemeinsamer Traum von Freiheit, ein Steyr-Truck, auch ordentlich rostig war, als Robin Pancheri damit begann, diesen in ein Wohnmobil der Superlative umzubauen.

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„Drei Jahre lang hab ich an Yolo geschraubt, da steckt bestimmt ein Lamborghini an Arbeitszeit drinnen“, erzählt der 51-Jährige lachend. Yolo, so heißt das rollende Zuhause von Beatrice und Robin, steht für „you only live once“, was so viel bedeutet wie „man lebt nur einmal.“ Der Tod eines gemeinsamen Freundes war ausschlaggebend dafür, dass das ehemalige Paar von früher wieder zueinanderfindet.

Bis hierher ist Beatrice, die heute ein Taxiunternehmen in Rechnitz führt, 16 Jahre lang auf Reisen gewesen und nennt die Welt ihr Zuhause. „Als ich Beatrice nach so langer Zeit wieder getroffen habe, wusste ich wenigstens, für wen ich Yolo gebaut hatte“, schmunzelt ihr Ehemann.

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Im Inneren des Wohnwagens ist jeder Zentimeter genau durchdacht und verplant. „Wenn wir die Kids mit haben, sind wir zu fünft, da wird’s auf zehn Quadratmetern schon eng, aber es geht trotzdem.“ 173.000 Kilometer zeigt Yolos Tacho aktuell, der mit den Pancheris schon bis nach Sizilien, Polen, Kroatien und Schweden gedüst ist. Auffallend ist nicht nur die Geschichte zur Farbe des Lkw. „Robin ist farbenblind und blau ist die einzige Farbe, die er wirklich erkennt“, erklärt dessen Frau. Und auch sonst ist im Yolo irgendwie alles ein bisserl verdreht. „Hier koche ich und mache Frühstück, zuhause macht das meist Beatrice. Sie ist es auch, die wiederum die Navigation auf Reisen übernimmt“, so der gebürtige Salzburger.

Wer weiß, dass seine Frau Kartographie studiert hat, versteht den Rollentausch der Eheleute im Umkehrschluss allerdings. Was man auch verstehen muss: Warum die Pancheris am liebsten auf Friedhofsparkplätzen Yolos Nachtlager aufschlagen. „Dort ist es immer so herrlich ruhig“, gesteht die dreifache Mutter lachend. Wenn die Reise losgeht, muss im Inneren des Lkw alles auf seinem Platz sein „ansonsten fliegt dir die Einrichtung um die Ohren.“

Doku über Weltreise ist bereits in Planung

Mit Geschichten von ihren Abenteuern könnten die Pancheris schon ein Buch füllen. „In einem Hafen haben wir fix einmal Mafia-Wasser für unseren Tank bekommen, denn der Preis und die Hintermänner dazu sprachen Bände“, schmunzelt Robin und auch an die lustige Wegbeschreibung einer Italienerin, die sie mithilfe von Zutaten auf einer Pizza schließlich auf die richtige Straße gelotst hatte, vergessen Beatrice und Robin nie. Dass aus dem Buch übrigens auch einmal eine Doku-Serie auf Film werden soll, steht für die beiden Rechnitzer schon fest.

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Leben auf 10 Quadratmetern. Im Inneren von Yolo ist alles genauestens durchdacht. Robin Pancheri hat drei Jahre lang an der Renovierung des alten Steyr-Trucks gearbeitet.

„In fünf Jahren möchten wir zu einer Weltreise aufbrechen und dabei das Leben auf der Reise dokumentarisch begleiten. Aber vorher müssen die Kinder noch aus dem Gröbsten raus sein“, sagt die Taxi-Unternehmerin, die übrigens gerade den Lkw-Führerschein macht. „Robin braucht auch Pausen und Yolo fährt sich schließlich nicht von alleine.“ 210 PS, vier Räder und zwei Menschen mit der gleichen Vision von Freiheit – mehr braucht es für das ganz große Abenteuer eines Lebens oft nicht.