„Haus Weiss“ muss schließen. Nach über 40 Jahren schließt die sozialpädagogische Einrichtung für Kinder und Jugendliche. Mitarbeiter verlieren Job, Kids ihr vertrautes Zuhause.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 27. März 2019 (04:31)
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“Pflegenest“ nannte Gründermutter Karoline Weiss im Jahr 1977 das Haus in Spitzzicken, in dem sie Kindern und Jugendlichen, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, ein neues Zuhause gab.

Damit schuf „Frau Weiss“ die Urform der sozialpädagogischen Wohngemeinschaften im Burgenland. Jetzt, knapp 42 Jahre später, muss Robert Weiss, der das Erbe seiner Mutter, bis heute unter dem Namen „Wohngemeinschaft Spitzzicken“ weiterführte, zusperren. Der Grund dafür: Das neue Kinder - und Jugendhilfegesetz, das bald in Kraft tritt, fordert Richtlinien, „die wir ohne erheblichen, finanziellen Mehraufwand nicht erfüllen können.“

Acht Mitarbeiter von Kündigung betroffen

Im Fall der WG in Spitz sieht es konkret so aus, dass heuer noch acht Kinder ausziehen. „So viele wie noch nie und mit nur fünf verbleibenden Kindern kann ich das Haus nicht wirtschaftlich führen, weil das neue Gesetz zum Beispiel auch verlangt, dass jedes Kind ab 10 Jahren ein eigenes Zimmer bekommt. Dann müsste ich das Haus ausbauen und dafür fehlen mir die finanziellen Mittel.“

Als weitere Hürden nennt der 52-jährige Eigentümer des Hauses, in dem er selbst mit Pflegekindern großgeworden ist, auch bevorstehende Gesetzesänderungen, im Zuge derer, der Anteil an Kindern aus anderen Bundesländern nur noch 15 Prozent betragen darf. „Das neue Gesetz ist nicht nur schlecht, aber obwohl wir in unserer WG fast ausschließlich burgenländische Kinder betreuen, kann ich Spitzzicken unter anderem auch dadurch nicht mehr wirtschaftlich führen, deshalb schließen wir mit Ende Juni,“ informiert Weiss.

Von der Schließung betroffen sind acht der in Summe elf Mitarbeiter. Sie verlieren ihren Job. Drei Arbeitskräfte und die verbleibenden fünf Kids in der WG, übersiedeln ins zweite Haus der Familie Weiss, nach Bernstein. „Hier kann ich alle Vorgaben des neuen Gesetzes erfüllen und die WG auch wirtschaftlich gesichert weiterführen.“

Dass der Umzug für die Kinder kein einfacher wird, ist Robert Weiss bewusst: „Es ist die bestmögliche Lösung. Die Kinder aus den beiden Häusern kennen sich, auch wenn die Umgebung natürlich für die Spitz-Kids neu sein wird.“ Die Bewilligung für das Haus in Spitzzicken bleibt vorerst aufrecht. Weiss: „Ich bin in Gesprächen mit dem Land, vielleicht findet sich in Zukunft eine Idee zur sinnvollen Nutzung.“