Südamerikanisches Flair im Südburgenland. Aufgewachsen in Chile, heute sesshaft in Edlitz. Die gebürtige Südamerikanerin Agostina Suazo begeistert die Südburgenländer mit ihren Kunstwerken.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 12. August 2020 (05:38)

Mitten im südburgenländischen 100-Einwohner Dorf Edlitz sitzt Agostina Suazo in ihrem Atelier und malt einen Pinselstrich nach dem anderen. Dabei kann sich jedes Ergebnis sehen lassen. Die gebürtige Chilenin hat eindeutig schon einige Kilometer hinter sich und der Weg war wohl nicht immer leicht. Jedoch könnte sich Suazo heute nicht vorstellen, an einem anderen Ort der Welt, einen anderen Beruf auszuüben.

Ihre Geschichte ist einzigartig. „Schicksal“, wie sie selbst vermutet. „Ich wünschte ich könnte behaupten, ich habe schon immer gemalt“, meint Suazo, „aber das ist nicht so.“ Auf Rat ihrer Mutter schlug sie sich nämlich vorerst als Lehrerin durch ihre jüngeren Jahre in Chile. Dennoch schlummerte in ihr die Sehnsucht nach mehr. Sie stürzte sich voll ins Kunststudium und beschloss einige Orte der Welt zu erkunden. Eines Tages zog es Suazo gemeinsam mit ihrem Bruder auf Entdeckungstour nach Indien. Allerdings vergeblich. „Entweder du liebst oder du hasst Indien. Ich hab’s geliebt, mein Bruder aber absolut gehasst, also haben wir unsere Koffer wieder gepackt und ich nahm ein Flugzeug nach Wien, um die Stadt zu erkunden“, erzählt die Künstlerin. Mit den Veränderungen, welche die ungeplante Reise mit sich bringen sollte, hätte sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet. Wie es das Schicksal so wollte, traf sie nach nur zwei Stunden in der österreichischen Hauptstadt einen damals fremden Mann, heute ihr Ehemann. Seinetwegen entschied sie sich nach Österreich zu ziehen. Erst nach Wien, dann ins Südburgenland. Zwar waren ihre ersten Jahre hier keineswegs ein Kinderspiel - nach einem Deutschkurs in Wien, hätte sie in Edlitz noch einen Dialektkurs gebraucht - jedoch ist auch sie im Burgenland angekommen und hat in ihrer Wahl-Heimat ein Zuhause gefunden.

Suazo: „Aller Anfang ist schwer“

Selbstzweifel und Unsicherheiten machten es der Chilenin zunächst nicht immer leicht. Jedoch hat sie einen der wohl wichtigsten Lebensgrundsätze gelernt: „Kümmere dich nicht um die Meinung von anderen. Die Leute halten sowieso von dir, was sie wollen, egal was du machst. Also mach, das, was dir gefällt.“ Als talentierte Künstlerin sprang über ihren eigenen Schatten und widmete sich einige Jahre leidenschaftlich der Erstellung der Bühnenbilder für den Güssinger Kultursommer. Ihre Selbstzweifel ließ sie hinter sich und beeindruckt heute nicht nur andere, sondern auch sich selbst mit ihren Werken. „Ich würde sagen, es gibt zwei Arten meiner Kunstwerke. Zum einen gibt es die Auftragsarbeiten, wie vor allem Wandmalereien. Zum anderen gibt es genau das, was man hier im Atelier sieht. Das bin ganz einfach ich.“ Ihre Gemälde beschreibt sie als eine Reflektion ihrer selbst. Seien es die Motive, die Muster oder die Farben, irgendwo ist jedes ihrer Bilder eine Art Selbstportrait.

Ihre derzeitige Devise: „Genieße einfach die Tatsache eine Frau zu sein“. Ganz nach diesem Motto hat sie es sich in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, Frauen in den Fokus ihrer Werke zu rücken und setzt damit ein, nicht nur für sie, wichtiges Statement.

Wer neugierig ist, kann sich am 29. August selbst einen Eindruck ihrer Kunstwerke verschaffen. Gemeinsam mit einem weiteren Künstler und einem Goldschmied macht sie ihren Garten zum Ausstellungsort ihrer Gemälde – ein Ereignis, über welches sie sich vor Jahren noch nicht getraut hätte. Umso schöner, dass die Wahl-Südburgenländerin heute sowohl in ihrer neuen Heimat als auch in ihrem Job angekommen ist.