Liebe zum Südburgenland: „Das ist unsere Mentalität“. Wie es der Zufall will, haben sich Theres und Karl Latour ins Südburgenland verliebt. Den Latours gefällt´s hier so gut, dass sie sogar Führungen machen…

Von Maximilian Wiesler. Erstellt am 21. September 2020 (06:15)
Bei der „Arbeit“. Ein Abstecher ins Freilichtmuseum Gerersdorf darf bei den Ausflügen der Latours nicht fehlen.
BVZ

„Na, wenn du nicht magst, müssen wir eh nicht fahren“, sagte Theres Latour im Mai 2017 zu ihrem Mann, Karl. Die beiden sind, wie so oft, mit ihrem Wohnmobil, das schon fast die halbe Welt gesehen hat, unterwegs, stehen auf einem Friedhofsparkplatz im niederösterreichischen Engelhardtstetten, essen Mehlspeise und planen, wo sie den weiteren Tag verbringen könnten.

Theres will unbedingt noch ins Südburgenland. Karl nicht. „Was willst du denn dort? In dem Eck gibt´s ja nichts.“ Er möchte am liebsten heimfahren. Theres resigniert. Karl schwingt um.

Die Latours machen sich „des Friedens willen“ mit Wohnmobil und allem Drum und Dran auf ins Südburgenland. Die Reise sollte sich, anders als „befürchtet“, bezahlt machen. „Als wir dann in Stegersbach waren, sag´ ich zu meiner Frau. Hearst, da ist es schön. Das ist ja wie im Urlaub.“ Dem Karl, der „ja eigentlich gar nicht her wollte“, schien es zu gefallen. „Wir sind dann weiter nach Güssing und dort war es wieder richtig schön.“ Die beiden haben´s als so schön empfunden, dass sie sich gleich entschlossen haben, Nägel mit Köpfen zu machen.

„Am Molkereiberg oben wurden grad Wohnungen gebaut. Die Arbeiter waren dort und haben uns reingelassen. Mir hat das so getaugt, dass ich meiner Frau gleich gesagt habe, sie soll dort anrufen, und schauen ob wir rein können, wenn was fertig ist.“

Spontan ist ja bekanntlich immer gut. Die Latours haben ihr Haus in Niederösterreich, das acht Kilometer nördlich von St. Pölten steht, auch, weil es keines der Kinder wollte oder einen Wohnortwechsel mit beruflichem Leben unmöglich vereinbaren konnte, schnurstracks verkauft und sind im September 2017 in die Güssinger Wohnungen, die mittlerweile schon „fertig“ waren, eingezogen. Mittlerweile leben sie in Deutsch Tschantschendorf und sind glücklich wie selten zuvor.

Die Bekannten der Latours konnten deren plötzlichen Tapetenwechsel nicht verstehen. „Das könnt ihr doch nicht machen, das schöne Haus verkaufen und dort runtergehen, wo es eh nichts gibt.“ Ein „Kommt´s her. Wir zeigen euch, was es da alles gibt“ später, entschlossen sich die beiden, ähnlich spontan, ihre ganz persönlichen – unentgeltlichen – Südburgenland-Touren ins Leben zu rufen. Sie machen diese für Freunde, Verwandte und Bekannte, wenn die „uns besuchen kommen“.

Da wird dann alles hergezeigt, was den Latours so einfällt und wo sie sich sicher sind, dass es „mundet“. Die Burg Güssing, der Grenzerfahrungsweg in Bildein, das Landtechnikmuseum in St. Michael, das Freilichtmuseum in Gerersdorf, die Kellergasse in Heiligenbrunn und, und, und …

Karl gefällt es und er freut sich, wenn es auch seinen Gästen gefällt. „Einer, den wir da hatten, der hat, als er heimgefahren ist, seinen ganzen Kofferraum vollgepackt gehabt. Mit Uhudler, Uhudler-Frizzante und Sturm. Der hat gesagt: Das gibt es bei uns nicht. Bis ich das nächste Mal herkomme, muss ich versorgt sein.“ Karl lacht. Die Hauptkundschaft stammt aus Niederösterreich. „Aber wir hatten auch schon Salzburger bei uns.“ Sie haben allein im vergangenen Jahr 24 Führungen organisiert und selbst durchgeführt. Heuer sollte es coronabedingt noch nicht (ganz) so klappen. „Aber wir werden es schon wieder angehen.“

Die Latours helfen, wo sie können. Theres ist Autorin. Sie unterstützen mit der Hälfte der Tantiemen vom neuen Buch „So war der Urlaub nicht geplant“ den Sterntalerhof in Loipersdorf-Kitzladen, ein Kinderhospiz. „Ich habe eine Geschichte über unseren misslungenen Kroatien-Urlaub geschrieben, der mich fast mein Leben gekostet hätte. Das war der Anlass, Menschen zu helfen, die vom Schicksal hart getroffen wurden.“

Karl und Theres sind nach drei Jahren Südburgenland kein bisschen müde und weiterhin abenteuerlustig. Sie bleiben sicher da, sagen sie. „Das hier ist einfach richtig unsere Mentalität…“