Hobby als Leidenschaft: Alles was Flügel hat fliegt. Zumindest, wenn es Herr Putz geplant und gebaut hat. Warum er „in echt“ trotzdem abgestürzt ist und seine Modellflieger auch mal die Fliege machen? Lesen Sie selbst!

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 24. Mai 2019 (04:56)
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„Zum Landen braucht´s a gmahte Wiesn“, weiß Alfred Putz und meint das auch wortwörtlich, denn: Seine Modellflugzeuge mögen hohes Gras auf der Landepiste wirklich nicht. Ob Segelflieger oder motorbetrieben, der Fliegerfan aus Willersdorf ist allem, was fliegt, restlos verfallen.

Seit über 60 Jahren plant und baut er in seinem „Verließ“, wie die Ehefrau von Herrn Putz dessen Werkstatt liebevoll nennt, Modellflugzeuge aller Art. Die Leidenschaft zum Fliegen überkam ihn bereits als fünfjährigen Bub. „Als die Amerikaner damals nach dem Weltkrieg mit ihren Flugzeugen über den Himmel gedüst sind, da war´s um mich geschehen. Und als dann auch noch kleine Regenschirme aus der Maschine gefallen sind, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus“, erinnert sich der heute 77-Jährige schmunzelnd.

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Bastelleidenschaft. Seit über 60 Jahren plant und baut Alfred Putz aus Willersdorf Modellflieger aller Art.

Die Regenschirme waren natürlich Fallschirmspringer – aber das weiß der Bastler heute ebenso wie so ziemlich alles andere, was mit Motoren über den Wolken zu tun hat. Wie viele Stunden und Mini-Flugzeuge er in den letzten sechs Jahrzehnten gefertigt hat, das wiederum weiß Alfred Putz beim besten Willen nicht mehr. „Ich trau mich jetzt auch gar keine Stundenzahl nennen, wenn meine Frau neben mir sitzt“, sagt er schmunzelnd.

Noch als Teenager beginnt der Willersdorfer eigene Flieger zu planen. „Das kam so nebenbei“, erzählt der rüstige Pensionist, dem die Arbeit mit dem Holz, welches er für seine Modelle braucht, mit am besten gefällt. Und das, obwohl Alfred Putz eigentlich die Lehre zum Schmied absolvierte.

„Die hab ich gemacht, weil mein Vater ein Schmied war. Aber ich hab dann so schnell wie möglich den Beruf des Mechanikers erlernt. Motoren faszinieren mich nämlich schon mein Leben lang. Um seine vielen Interessen und Talente noch zu untermauern, wollte Alfred Putz natürlich auch den Pilotenschein machen.

„Allerdings den für Segelflugzeuge, aber daraus ist leider nichts geworden“, verrät er. „Gott sei Dank nicht!“ wirft seine Ehefrau, die mit am Tisch sitzt, rasch ein, „Ich wollte nämlich noch länger einen Mann an meiner Seite wissen.“

„Der Vogel war hin, der Fredi nicht“

1970 war Herr Putz dann nur noch wenige Übungsstunden von seinem Pilotenschein entfernt. „Ich habe die Ausbildung damals in Punitz gemacht, aber wie es das Schicksal wollte, stürzte ich mitsamt Segelflugzeug und Lehrer aus 250 Metern Höhe ab. Der Vogel war hin, der Fredi allerdings nicht“, kann er heute über die lebensgefährliche Situation lachen. Seine Frau, die den Unfall vom Boden aus mitverfolgte, erteilte ihrem Mann daraufhin Flugverbot – verständlicherweise. Daran hält sich Alfred Putz allerdings nur teilweise, denn: Die Modellfliegerei ist und bleibt ein wichtiger Lebensinhalt für den Südburgenländer.

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Und ein bisserl ist er ja auch mit seinen Mini-Flugzeugen verheiratet. „Zuerst ist da eine Vorstellung im Kopf, dann folgt der Plan, dann bau ich die Flieger und es ist immer noch spannend wie am ersten Tag, ob der Vogel dann auch wirklich fliegt.“

Und auch, wo er landet, weil „es ist nicht erst einmal vorgekommen, dass ich Flieger suchen gehen musste“, gesteht Herr Putz lachend und fügt an, „Ich schau immer, dass ich weit weg von einem Kukuruzfeld bleibe, weil darin dauert die Suche wirklich ewig.“