ÖFB-Hilfsfonds: Kritik der Vereine an Transparenz. Die Ausbezahlung des Hilfsfonds an die Amateurvereine stieß nicht überall auf Wohlwollen. Die BVZ hörte sich um.

Von Martin Plattensteiner, Philipp Frank und Lukas Leier. Erstellt am 09. Juli 2020 (02:52)
Halbturns Sektionsleiter Werner Hoffmann (rechts) hätte sich über einen kleinen Betrag gefreut. Sankt Margarethens Obmann-Stellvertreter Günter Welz (links) freut sich über die ÖFB-Förderung.
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Mit Ende Juni wurde der vom ÖFB und dem Nationalteam finanzierte Hilfsfonds ausgezahlt. Nicht weniger als 1.400 Anträge gab es, angesichts der Gesamtzahl von rund 2.200 Vereinen österreichweit ist das ein beachtlicher Wert.

Rund 800 Vereine kamen letztlich in den Genuss der 1.000 beziehungsweise 2.000 Euro-Förderung seitens des österreichischen Fußball-Bundes. Insgesamt 1.150.000 Euro wurden laut ÖFB ausbezahlt.

Weitere Kriterien bei Gleichheit im Ranking

Eine Jury, bestehend aus ÖFB-Präsident Leo Windtner, Nationalteam-Kapitän Julian Baumgartlinger, ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer, dem Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe Bernhard Neuhold sowie Sportdirektor Peter Schöttel entschied dann über die Anträge.

Sollten mehrere Vereine nach Meinung der Jury gleichwertig aufscheinen, würde laut ÖFB das Engagement im Frauen- und Nachwuchsfußball als Kriterium herbeigezogen werden. Somit bekamen letztlich etwas mehr als die Hälfte der ansuchenden Vereine Gelder aus dem Fördertopf. Dies stieß manchen Klubvertretern jedoch sauer auf.

„Da benötige ich ja für die Busfahrt nach Wien schon 500 Euro.“Stefan Michlits, Obmann des USC Wallern, ärgerte sich über die 20 Freikarten anstelle einer Förderung

„Wir haben angesucht und bekommen lächerliche 20 Freikarten für ein ÖFB-Ländermatch. Da benötige ich ja für die Busfahrt nach Wien schon 500 Euro. Die Begründung? Frauen- und Nachwuchsmannschaften werden gefördert. Wir haben in der Jugend sechs Teams als Spielgemeinschaften. In der Reserve und Ersten spielen nur zwei Fremde. Das Angebot empfinde ich als Frechheit und Hohn“, ärgerte sich Stefan Michlits, Obmann des USC Wallern (2. Liga Nord).

Auch in der Burgenlandliga gab es nur wenige Klubs, die von der Förderung profitierten. „Wir haben einen namhaften Betrag von 2.000 Euro bekommen. Als Basis für diese Förderung wurden die Belege der Registrierkassen genommen. Das hat sich also doch ausgezahlt, die Kassen bei uns aufzustellen“, freute sich Sankt Margarethens Obmannstellvertreter Günter Welz.

20 Freikarten als Trostpflaster

Einige Kilometer weiter herrschte dagegen Unverständnis: „Angeblich gab es zu viele Anträge und die zuständigen Leute beim ÖFB konnten nicht alle Anträge bearbeiten. Als Trostpflaster bekommen wir 20 Freikarten. Das ist einfach nur unglaublich. Ohne Worte“, schmollte Leithaprodersdorfs Sportlicher Leiter Bernd Gratzer.

Der ÖFB verwies auf die Entscheidung der Jury: „Es wurde innerhalb der Jury so entschieden, weil es auch Abstufungen bei den Anträgen gegeben hat.“ Alle Vereine, die nicht in den Genuss des Fördertopfes kamen, bekamen als Trostpflaster 20 Karten zum Besuch eines Länderspiels zugesichert.

„Unterstützung ein Zeichen an die Basis“

ÖFB-Präsident Leo Windtner unterstrich hierbei auch den Symbolcharakter der Hilfsfonds-Aktion: „Es ist uns bewusst, dass wir angesichts der überwältigenden Zahl von Ansuchen nicht alle finanziellen Herausforderungen der Vereine lösen können. Die Unterstützung soll jedoch ein Zeichen an die Basis sein, dass Fußballösterreich in schweren Zeiten zusammenhält.“