Neusiedler Hallenbad-Schließung wirft langen Schatten. Nachdem das Neusiedler Hallenbad dichtgemacht wurde, verabschiedeten sich einige SUNS-Schwimmer nach Eisenstadt.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 03. Dezember 2020 (02:11)
Sanierungsfall. Die Schließung des Hallenbades in Neusiedl zieht einen Rattenschwanz an Konsequenzen mit sich.
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„Des einen Freud, des anderen Leid“ – so lässt sich die unendliche Geschichte um das Neusiedler Hallenbad zusammenfassen. Die Schwimmunion Neusiedl am See (SUNS) plagten nach der Schließung sogar Existenzängste. Bei den beiden Eisenstädter Vereinen freut man sich dagegen über Neuzugänge im Trainer- und Athletenteam.

„Wir haben derzeit keine Schwimmer, die meisten sind zu anderen Vereinen gewechselt. Das ist natürlich logisch, da wir wegen der Pandemie und der Schließung des Hallenbades keine Wettkampfstätte bieten können“, schildert SUNS-Obmann Hans Christian Gettinger. Man wolle den Athleten weiterhin Trainings ermöglichen, weswegen man die Leistungs-Schwimmer nach Eisenstadt ziehen lassen musste. Der Fokus liegt in Neusiedl nun auf der Sommersaison, da will man wieder mit Kursen durchstarten und vor allem den Anfängerbereich weiter abdecken. „Im Vorjahr gab es etwa Schwimmkurse in Purbach, Gols und Bruck an der Leitha, die sehr gut angenommen wurden“, so Gettinger.

„Das Beste aus der Situation machen“

Zeitweise sei sogar ein komplettes Aus für den Verein im Raum gestanden — „aber wir haben uns gefangen und das Schlimmste abgewandt.“ Der Schock nach der Schließung war jedenfalls enorm, erinnert sich Gettinger. „Mit viel Mühe und Einsatz sind wir durch diese schwere Zeit gekommen. Das haben wir auch dem hervorragenden Zusammenhalt im Verein zu verdanken“, ist der Obmann stolz auf sein Team.

Trainingspause. Die SUNS haben derzeit keine Trainingsstätte zur Verfügung, das Eisenstädter Hallenbad ist bereits ausgebucht.
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Richtung Eisenstadt verabschiedet haben sich auch die Trainer Lena Seebauer und Patrick Oberroither, die nun bei der Eisenstädter Schwimm Union (ESU) angedockt haben. Vorübergehend, wie der SUNS-Obmann hofft: „Beide sind uns weiterhin verbunden und werden hoffentlich wieder zu uns zurückkehren, wenn wir wieder eine Trainingsstätte haben.“ Es sei in beidseitigem Interesse, wenn sich die Trainer bei anderen Vereinen weiterbilden können. Mit Trainings im Neusiedler Hallenbad rechnet Gettinger nicht: „Experten schätzen, dass es mindestens drei Jahre dauern wird, bis die EU-weite Ausschreibung, die Planung und die Finanzierung geklärt sind. Immerhin ist der Denkmalschutz mittlerweile bestätigt.“ Man sei auch in engem Kontakt mit der Gemeinde bezüglich der Sanierung.

Bis dahin bleiben nur Trainings im Ausland — was allerdings wegen Corona unmöglich ist. Das Risiko, nach dem Training in Quarantäne gesteckt zu werden, sei einfach zu hoch. Etwa in Bratislava oder im ungarischen Nachbarort von Andau konnten die SUNS-Schwimmer zeitweise trainieren.

ESU und USCE freuen sich über Verstärkung

Doch wo Schatten ist, da ist auch irgendwo Licht: Die sportlich schwerste Zeit für die Neusiedler Schwimmer bringt den beiden Vereinen der Landeshauptstadt Auftrieb: Beide Klubs freuen sich über Neuzugänge aus der Leistungsgruppe der SUNS. Beim USCE sind es etwa fünf neue Schwimmer. Größter Profiteur der Neusiedler-Krise ist aber wohl die ESU: Stolze 26 Athleten der SUNS schwimmen nun für den Eisenstädter Verein.

ESU. Die Neo-Trainer Patrick Oberroither und Lena Seebauer verstärken seit Schließung des Hallenbades in Neusiedl die ESU um Routinier Sebastian Stoss und Obmann Anton Aufner (v.l.).
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ESU-Trainer und Routinier Sebastian Stoss ist seit kurzem auch in Wien aktiv, die meisten Trainings leiten die ehemaligen SUNS-Coaches Oberroither und Seebauer, einige Trainings hält Stoss weiter selbst. Zudem erstellt er die Trainingspläne für die zwei Neo-Trainer. Aktuell trainieren sowohl die Leistungsgruppe der ESU, als auch des Union Schwimm Clubs Eisenstadt (USCE) ausschließlich online. Die Breitensportler müssen wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf Kurse verzichten und mit Individual-Trainings Vorlieb nehmen. Bei der ESU ist man für das Online-Training voll des Lobes: „Es läuft super!“, freut sich etwa Obmann Anton Aufner.

Beim USCE ist man zwar zufrieden, betont aber, dass ein virtuelles Trocken-Training niemals die Einheiten im Becken ersetzen kann. „Die Bewegungen im Wasser kann man an Land nicht simulieren“, erklärt Lara Jäger vom USCE. Eines haben alle drei Vereine gemeinsam: die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie und eine Rückkehr zur Normalität. Am längsten ist der Wunschzettel zu Weihnachten wohl bei den SUNS. Ganz oben auf der Liste: eine neue Trainingsstätte.

USCE. Trainer Tamas Plangar und seine Schwimm-Asse müssen sich bis zur Öffnung der Hallen- oder Freibäder gedulden, bis wieder regulär trainiert werden kann.
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