Hannes Pleva: „Profi war stets mein Ziel“. Während das Fußball-Unterhaus weiter still steht, unterhielt sich die BVZ kürzlich mit Kobersdorfs Trainer Hannes Pleva — auch über seine Zeit als Bundesliga-Profi.

Von Daniel Hahofer. Erstellt am 18. April 2021 (02:13)
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„Im Alter von sechs Jahren habe ich zu spielen begonnen“, erklärt der gebürtige Wiener Hannes Pleva. „Das Ziel war immer Profi zu werden.“ Früh wurde er von Trainern des lokalen FC Atzgersdorf entdeckt und in den Verein geholt. Dort, im 23. Wiener Gemeindebezirk, wurde er schließlich vom bereits verstorbenen Josef „Pepi“ Argauer entdeckt, woraufhin das Interesse an dem noch jungen Stürmer anstieg. „Die Austria, Rapid und die Admira Wacker wollten mich damals in ihr Nachwuchsteam holen“, erinnert sich Pleva. Schlussendlich landete der Jugendliche im Nachwuchs des SK Rapid Wien.

Pleva: über Atzgersdorf zum Europacup-Helden

Auf seine Zeit beim SKR folgte allerdings die Rückkehr zum Stammverein, dem FC Atzgersdorf. Hier verblieb der Angreifer jedoch nicht lange und wechselte wenig später nach Simmering, wo der Nachwuchsentdecker Argauer erneut aufmerksam wurde. „Ich war ein schneller Spieler mit einem guten linken Fuß“, blickt Pleva auf seine aktive Zeit zurück. Nach zwei Jahren in Simmering war es schließlich so weit: Pleva unterzeichnete seinen ersten Profi-Vertrag bei der Wiener Austria. Ein steiler Aufstieg sollte folgen.

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„Ich durfte von Beginn an bei der Kampfmannschaft mittrainieren, aber ich musste mich zuerst in der U21 beweisen, um mir den Sprung ins Bundesliga-Team zu verdienen“, berichtet der heute 54-Jährige von damals. Es benötigte bloß zwei Monate, um sich einen Platz auf der Bank der Kampfmannschaft zu erarbeiten. Sein erster Einsatz folgte dann Ende September 1988, ehe er am 1. Oktober auswärts gegen Admira Wacker vier Minuten nach seiner Einwechslung auch gleich per Kopf seinen ersten Treffer erzielte. Auf die Liga-Premiere folgte kurz darauf die internationale Bühne im UEFA Cup.

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„Im Rückspiel gegen Zalgiris Vilnius wurde ich als dritter Stürmer einberufen und ich traf zweimal“, erzählt der Ex-Austrianer über den 5:2-Sieg im Oktober 1988 zufrieden. „Meine Partien gegen Zalgiris, Ajax Amsterdam oder Juventus Turin in den europäischen Pokalbewerben zählen zu den Highlights meiner Karriere — selbst wenn die Spiele gegen Juventus (Anm. zweimal 0:4, 1990) sportlich gesehen keine Erfolgsgeschichte waren“, fügt er mit einem Lachen hinzu. Besonders in Erinnerung blieb ihm sein Tor beim Europacup-Rückspiel in Amsterdam. Das Hinspiel im Jahr 1989 gewann die Austria daheim 1:0, auswärts lag man nach 90 Minuten 0:1 zurück, dann erzielte Pleva in der Verlängerung das 1:1: „Die Stimmung war ein Wahnsinn. Auf mein Tor folgte leider großer Aufruhr unter den niederländischen Fans, wodurch die Partie abgebrochen werden musste …“ … und dann am Grünen Tisch logischerweise mit 3:0 für die Austria gewertet wurde.

„Ziel ist natürlich der Aufstieg und bis wir dies nicht umgesetzt haben, sehe ich mich auch nirgendwo anders.“ Hannes Pleva über seine Ambitionen mit Kobersdorf

Nach der Zeit bei den Veilchen folgten Engagements bei St. Pölten und dem Sport-Club. Während seiner Profikarriere durfte er mit unzähligen Größen auf dem Platz stehen – Peter Stöger, Erich Obermayer, Andreas Ogris, Frenkie Schinkels, Roman Mählich und viele mehr. Als „Granaten der damaligen österreichischen Bundesliga“ bezeichnet er seine einstigen Teamkollegen. Herbert Prohaska durfte er sogar als Spieler und Trainer kennenlernen. „Der Prohaska war ein ‚Schmähbruder‘“, gibt Pleva mit einem lauten Lachen zu. Bedauerlicherweise beendeten schwere Verletzungen verfrüht seine Laufbahn in der obersten Spielklasse — die Erinnerungen blieben jedoch.

Viel erlebt: Hannes Pleva hatte eine ereignisreiche aktive Zeit, war Bundesliga-Profi und ließ seine Karriere dann im Burgenland ausklingen. Jetzt ist der ehemalige Torjäger als Trainer im Mittelburgenland im Einsatz, beim ASKÖ Waldquelle Kobersdorf. Dort hat sich der ehrgeizige Coach das Ziel Aufstieg gesteckt.
BVZ/privat, BVZ/privat

Mitte der 90er zog der Wiener aus familiären Gründen ins Burgenland und schnürte zugleich erstmals seine „Packler“ in Eisenstadt beim SCE. „Meine Großeltern hatten ein Haus am Esterhazy-See in Trausdorf. Folglich habe ich als Kind viel Zeit im Burgenland verbracht“, unterstreicht Hannes Pleva seine Verbundenheit zum Bundesland. Bis 2012 folgten Einsätze bei unzähligen burgenländischen Vereinen. In Lackenbach beendete er seine Karriere als Spieler. Ein Abschied vom Sport war zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht in Sicht: „Ich wollte auf jeden Fall weiterhin im Fußball tätig sein — egal auf welche Art und Weise.“

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Dieser Wunsch wurde ihm schlussendlich als Trainer in Kobersdorf erfüllt. „Es macht richtig Spaß hier zu arbeiten. Sowohl die Funktionäre als auch die Spieler sind großartig. Ziel ist natürlich der Aufstieg und bis wir dies nicht umgesetzt haben, sehe ich mich auch nirgendwo anders“, spricht der 54-Jährige Klartext. Aktuell ist Pleva in Rohrbach sesshaft und auch abseits des Sportplatzes ein sehr aktiver Mensch, der seine freien Stunden gerne zum Laufen nutzt. „Privat hält mich meine neunjährige Tochter auf Trab“, fügt er abschließend hinzu.