Droht eine Zehnerliga?. Sowohl der SC Rattersdorf als auch der SC Unterfrauenhaid wackeln gehörig. Die Einstellung des Betriebs droht, somit könnte die 2. Klasse auf zehn Vereine schrumpfen.

Von Alfred Wagentristl und Dietmar Heger. Erstellt am 21. Juni 2020 (02:19)

Der SV Lutzmannsburg schockte in der Winterpause die Konkurrenz in der 2. Klasse Mitte. Überraschend zog sich der Klub aus der Thermengemeinde vom Meisterschaftsbetrieb zurück. Damit wären zum vorgesehenen Start zur Rückrunde am 13. März nur mehr zwölf Klubs am Start gewesen. „Corona“ hat die für viele Trainer eher mühsame Meisterschaftsabwicklung mit einer spielfreien Runde verhindert. Nachdem die Saison 2019/20 annulliert wurde und die Vereine wohl Anfang September wieder in die Punktejagd starten, ziehen nun neue Gewitterwolken am 2. Klasse Mitte-Himmel auf. Der SC Unterfrauenhaid und der SC Rattersdorf könnten es den Lutzmannsburgern gleichtun. Bei beiden wird sehr laut über eine Auflösung der Klubs nachgedacht.

SC Unterfrauenhaid

Die Verantwortlichen des Serien-Drittplatzierten klagen – wie viele Klubs – über Personalmangel. „Wir haben einfach zu wenige eigene Spieler, waren zuletzt auf Legionäre angewiesen. Natürlich ist das auch eine wirtschaftliche Herausforderung. Aber das hätten wir einigermaßen im Griff“, so der geschäftsführende Obmann Paul Milanovits. Dass eine mögliche Spielgemeinschaft mit dem Nachbarn aus Lackenbach (2. Liga Mitte) ins Wasser fiel, ist bekannt. Die Variante einer Zusammenarbeit mit einem anderen – höherklassigen – Verein ist für den scheidenden Obmann die einzige Überlebenschance: „Es laufen Gespräche.“ Heute, Donnerstag, steht die Generalversammlung an, in der laut dem Obmann die Entscheidung fallen muss, ob es überhaupt weitergeht und wenn ja, mit wem: „Idealerweise spielen wir so wie Lockenhaus/Rattersdorf in der abgelaufenen Saison mit drei Teams – der Partner in der höheren Liga mit Kampfmannschaft und Reserve und wir in der 2. Klasse nur mit einer Kampfmannschaft.“

SC Rattersdorf

Der Vorletzte der Hinrunde 2019/2020 kooperiert bekanntlich seit zwei Jahren mit dem 2. Liga Mitte-Klub aus Lockenhaus und musste als sogenanntes 1b-Team in der 2. Klasse zuletzt auch keine Reserve stellen. Nun entschloss sich die Spielgemeinschaft, die bisher mit einer größeren Anzahl an Ungarn-Legionären angetreten war, die Weichen Richtung Eigenbauspieler zu stellen.

„Allerdings war unsere Bitte an den Verband so formuliert, dass wir dann nur mehr zwei Teams stellen müssen. Ansonsten wäre der Spielbetrieb in Rattersdorf in ernster Gefahr. Die dortigen Funktionäre möchten aber schon, dass in der Ortschaft weiterhin Fußball gespielt wird. Es ist definitiv ein wichtiger Teil unserer sozialen Strukturen“, so der Sportliche Leiter-Stellvertreter Christian Erhardt. SpG-Geschäftsführer Gerhard Pichler zeigt sich enttäuscht vom Verband, dass auf den Vorschlag zu wenig eingegangen wurde: „Wir haben bisher keinen Sitzungsbeschluss oder ein klares Statement seitens des Verbandes zugeschickt bekommen. Ich hoffe, dass in dieser Causa das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde.“ In Rattersdorf wird in den nächsten Tagen versucht, einige nicht mehr aktive Spieler zurück ins Boot zu holen, beziehungsweise Eigenbauspieler, die woanders unter Vertrag stehen, zurückzugewinnen. Ob in Rattersdorf aber überhaupt weiter Fußball gespielt wird, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. „Ich denke, die Chancen stehen 50:50“, so Erhardt.

Fakt ist: Sollten beide Vereine wegfallen, droht den verbleibenden 2. Klasse Mitte-Klubs eine Zehnerliga. Kein Wunder, dass einige Funktionäre schon jetzt auf eine Klassenreform drängen. „Wir müssen alles durchleuchten“, sagt Gruppe Mitte-Obmann Gerhard Kornfeind. „Auch ob eine neue Klasseneinteilung nach der Annullierung der Saison 2019/20 überhaupt möglich ist.“ Bei der Sitzung der Gruppe Mitte wurde auch eine Meisterschaft mit drei Runden/Durchgängen angedacht, andernfalls wären nur 18 Spieltage anberaumt. „Zwei sind bei zehn Vereinen sicher zu wenig. Da braucht es ein neues Format“, kennt Kornfeind die Problematik.

Auf die Verbandsfunktionäre wartet in der kommenden Woche jedenfalls jede Menge Arbeit. Am Montag tagt bereits der Spielausschuss, am Mittwoch folgt eine Vorstandssitzung. Hoffentlich mit ersten Ergebnissen. „Irgendwas müssen wir uns einfallen lassen“, meint Kornfeind. „Denn die Zeit drängt.“