Amateurfußball: Das Reservethema polarisiert. Die Spielgemeinschaft Lockenhaus-Rattersdorf und der USC Pilgersdorf wandten sich mit einem Schreiben an den BFV. Die Idee ist eine zweite Kampfmannschaft zu installieren.

Von Dietmar Heger und Martin Ivansich. Erstellt am 01. Juni 2020 (03:17)
Bald in eigener Liga? Die zweite Mannschaft des SC Oberpullendorf bestreitet aktuell die Reserven-Meisterschaft der 2. Liga Mitte. Sollte das neue Modell Anklang finden, würde man als eigenständige Kampfmannschaft in einer möglichen 3. Klasse antreten.
Heger

Wenn die Sprache auf den Reservenbetrieb kommt, ist das Lager der Amateurvereine schnell geteilt.

Auf der einen Seite steht eine große Anzahl an Klubs, die seit geraumer Zeit Schwierigkeiten haben, überhaupt jede Woche eine halbwegs konkurrenzfähige „Zweier“ auf den Platz zu schicken. Diese Vereine würden sich lieber heute als morgen der Verpflichtung entledigen.

Auf der anderen Seite gibt es jene, die über regelmäßigen Spielernachschub aus den Nachwuchsmannschaften verfügen, daher oftmals in ihrer Meisterschaft brillieren und ihre Reserve auch als Lieferant von künftigen Kampfmannschaftsspielern nicht verlieren wollen.

Wenig Änderung trotz brisanter Thematik

In den vergangenen Jahren flammte die Diskussion um die Reserven in regelmäßigen Abständen auf. Geändert hat sich trotz der vielen Gespräche bislang am Meisterschaftsbetrieb der „Revue“ nichts, weil es auch keine geeigneten Alternativen gab.

Die Corona-Zwangspause „bot Vereinsfunktionären allerdings nun die Zeit, um sich näher mit der Thematik auseinanderzusetzen“, wie der Vorstand des USC Pilgersdorf sein Schreiben an den Burgenländischen Fußballverband (BFV) eröffnet.

In diesem wird das heikle Thema neu aufgerollt.

„Die Spieler wären dann sicher mehr in der Pflicht, aber dementsprechend höher ist auch die Wertigkeit.“Alexander Bernhardt, Obmann des SV Schattendorf, über eine zweite Kampfmannschaft

Beim Spitzenklub der 2. Liga Mitte will man auf seine „Zweier“ nämlich auf keinen Fall verzichten. Daher gab es von den Funktionären zwei Reserve-Varianten, sollte der aktuelle Spielbetrieb wirklich infrage gestellt werden:

Variante 1: Jene Vereine, welche eine zweite Mannschaft stellen können, werden in die 2. Klassen der jeweiligen Region eingegliedert.

Variante 2: Für jene Vereine, welche kein zweites Team stellen können, wird eine eigene Klasse (3. Klasse) gegründet. In dieser soll die Aufstiegsregel, so wie in den anderen Ligen und Klassen, gelten.

Als Vorteile sehen die Pilgersdorfer das erhöhte Zuschauerinteresse, die gesteigerte Motivation der Kicker durch einen möglichen Auf- beziehungsweise Abstieg und die Sicherheit eines Bewerbsspiels am Wochenende, welches durch die Probleme vieler Vereine aktuell nicht gegeben sei. Als Nachteil merkte man den höheren Aufwand für Kantinenpersonal und Funktionäre an.

Jedenfalls ein Vorschlag, der durchaus seine Befürworter finden könnte. Einer davon ist auch Lockenhaus-Rattersdorf-Funktionär Hans Rubendunst, der zuvor schon ein ähnliches Ansuchen für seinen Klub an den BFV sandte: „Das ist der Weg der Zukunft. Für die 1. und 2. Klasse muss man sich das natürlich anschauen. Ab der 2. Liga sollte jeder verpflichtend eine zweite Mannschaft stellen.“

Laut Rubendunst würde „der sportliche Anreiz den Mehraufwand kompensieren und sich wirtschaftlich nicht wirklich viel ändern“. Beim Ligakonkurrenten aus Schattendorf kann man der Idee einer zweiten Kampfmannschaft definitiv auch etwas abgewinnen, wie SVS-Obmann Alex Bernhardt erklärt: „Das würde auf jeden Fall in unseren Weg reinpassen. Seitdem ich die sportliche Leitung beim Verein innehabe, haben wir unsere Reserve auch intern immer als zweite Mannschaft bezeichnet. Und mit der war es immer das Ziel, Meister zu werden.“

Vor allem die Wertigkeit wäre für Bernhardt herauszustreichen: „Es ist etwas anderes, wenn ich in einer echten Kampfmannschaft spiele als in einer Reserve – auch wenn es die 2. Klasse ist. Die Spieler wären dann sicher mehr in der Pflicht, aber dementsprechend höher ist auch die Wertigkeit. Wir würden es definitiv gutheißen, wenn man diese Idee einer zweiten Mannschaft auch umsetzen könnte. Zutrauen tun wir uns dies ohnehin, weil Schattendorf auch stets einen großen Kader hat.“

Seitens des BFV wird man die Causa Reserven erneut in Angriff nehmen, wie Geschäftsstellenleiter Karl Schmidt bestätigt: „Wir werden die eingelangten Vorschläge diskutieren, in den Klubmeetings Anfang Juni zu Sprache bringen, um abzuklären, in welche Richtung der Trend bei den Vereinen geht. Die Vorschläge sind ja ohnehin schon im Umlauf.“

Wichtig für den Verbandsfunktionär sei es, speziell in dieser schwierigen Zeit, so viele Vereine wie möglich im Spielbetrieb zu halten: „Es tut uns um jeden Verein leid, der nicht mehr dabei ist. Aber alles können wir deswegen nicht schleifen lassen.“ Damit spricht Schmidt an, dass zuletzt auch ein Verzicht der Strafen bei Absage der Reservepartie in den Raum gestellt wurde. „Das würde allerdings im Fiasko enden. Dann spiele ich Auswärtsspiele mit kurzer Anfahrt und jene mit weiterer schon nicht mehr. Wir müssen sehr vorsichtig vorgehen.“

Das Modell mit einer eigenen Klasse für Teams ohne Reserven, wäre laut Schmidt, der allerdings nicht vorgreifen möchte, schon realistischer: „Bei einem Aufstieg müsste die Reserve allerdings wieder gestellt werden.“

Weshalb das Thema sehr sensibel, weil hochexplosiv, bleibt.