Erstellt am 16. Mai 2018, 10:18

von Michael Heger

Ludwig Kocsis: „Es gibt keine Rückkehr“. Nach 45 Jahren beendete der Lackenbacher seine Funktionärskarriere. Mit der BVZ sprach der Kegel-Freak über seine Anfänge, die Trägheit der Verbände und seine Zukunft.

Kegel-WM 2010. Ludwig Kocsis ist auf das organisatorische Meisterwerk seiner Ära als ÖSKB-Präsident noch heute stolz. „Was wir damals auf die Beine gestellt haben, ist nicht zu toppen.“  |  Bernhard Fenz

BVZ: Nach 45 Jahren Funktionärstätigkeit im Kegelsport – unter anderem als Präsident des Österreichischen Sportkegel- und Bowlingverbands (ÖSKB) sowie des Weltverbands – ist nun Schluss. Ein Abschied für immer?

Ludwig Kocsis: Ja. Ich habe am 21. April ein Buch zugeschlagen, das nicht mehr geöffnet wird. Es wird auch keine Kommentare von mir aus der Ferne geben. Eine Rückkehr als Funktionär ist ausgeschlossen. Das ein oder andere Spiel werde ich mir aber sicher anschauen.

Ludwig Kocsis traf Friedensnobelpreisträger Kofi Annan ebenso...  |  Bernhard Fenz

Verlief ihr Abgang beim ÖSKB reibungslos? Sie sind bekannt dafür, immer Ihre Meinung zu vertreten.

Kocsis: Ich habe in meiner langen Funktionärstätigkeit keinen Konflikt gescheut. Meine Vision war es immer, im Sport erfolgreich zu sein. Das bedarf einer konsequenten Linie. Das hat vielen nicht geschmeckt. Aber das Ergebnis gibt mir recht. Der Abgang verlief übrigens in aller Ruhe. Mein Nachfolger hat es nicht der Mühe wert gefunden sich bei mir zu melden.

Sie haben schon mit 15 Jahren ihr erstes Amt als Kegelfunktionär übernommen – nicht alltäglich.

Kocsis: Wahrscheinlich nicht und heute undenkbar. Ich habe damals als Schriftführer beim KSK Lackenbach begonnen. Mit 17 hat mich Anton Brezovits zum Landesverband geholt. Er war wie Anton Faymann ein wichtiger Förderer von mir im Kegelsport.

Was folgte war eine lange und stolze Karriere als Sportfunktionär, national wie international. Auf welche Momente blicken Sie am liebsten zurück?

Kocsis: Zum einen auf die organisatorische Leistung der WM 2010 in Ritzing. So etwas Perfektes wird es nie mehr geben. Da bin ich wirklich stolz. Sportlich sind natürlich 57 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften (Anm.: davon 17 WM-Titel) in den Sparten Classic und Bowling während meiner Amtszeit kaum zu toppen. Der allerschönste Kegelmoment war allerdings, als meine Tochter Melinda 2007 mit erst 15 Jahren in Koblach in Vorarlberg den österreichischen Jugendtitel geholt hat. Da schlägt dein Herz als Vater einfach höher.

Neben den schönen Momenten gab es aber auch etliche Konflikte auszutragen. Was bringt einen Ludwig Kocsis auf die Palme?

Kocsis: Wenn manche Menschen es nicht verstehen, dass nach demokratischen Entscheidungen Dinge auch so umgesetzt werden. Und wenn Funktionäre aus Bequemlichkeit den Stillstand bevorzugen.

... wie Schwimm-Weltrekordler und Olympiasieger Ian Thorpe.  |  Bernhard Fenz

Stichwort internationale Verbände. Diese wurden von Ihnen schon während ihrer Amtszeit als Weltkegelverbandspräsident teils heftig kritisiert.

Kocsis: Das mit diesen Verbänden würde ich als Hassliebe bezeichnen. Die Zusammenarbeit mit World Bowling und dem Europäischen Bowlingverband (Anm.: ETBF) funktionierte ausgezeichnet. Das Verhältnis mit der WNBA (Anm.: World Ninepin Bowling Association) und NBC (Anm.: Ninepin Bowling Classic) war eher schlecht, weil die Verbände sehr destruktiv handeln und ich immer wieder mehr Engagement für unseren Sport eingefordert habe. Damit habe ich mir keine Freunde gemacht. Ich konnte damals als Weltverbandspräsident aufgrund dieser Trägheit nichts bewegen. Daher habe ich dieses Amt auch niedergelegt.

Der Kegelsport beklagt aktuell einen Rückgang an Aktiven. Was muss sich ändern, um den Sport wieder salonfähig zu machen?

Kocsis: Dass wir die 2. Bundesliga noch wegreformiert haben, war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der Kegelsport kann nur überleben, wenn man attraktive Bewerbe hat, die medial für Aufmerksamkeit sorgen – zum Beispiel der Sprint oder Tandem. Grundsätzlich müssen die Bewerbe so gestaltet werden, dass die Jugend sie annimmt.

Abschließend noch weg vom Kegeln. Wie sieht Ihr Leben nach dem Sport aus?

Kocsis: Ich wollte mein Buch bis zu meinem 60. Geburtstag fertig haben. Das werde ich nicht schaffen, aber es wird fertiggestellt. Ein weiterer Punkt sind Reisen. Ich war zuletzt in Kuba und für 2019 ist ein längerer Südamerika-Trip geplant. Außerdem interessiere ich mich für soziale Projekte. An Projekten mangelt es mir nicht.

Interview: Didi Heger