Joachim Fuchs: Wenn Kicken wieder zählt. Joachim Fuchs, Defensiv-Allrounder beim SV Deutsch Kaltenbrunn, war lange weg von der Kickerei, kämpfte sich dann zurück und hat nicht nur fußballerisch vieles zu bieten.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 30. November 2020 (01:34)
Nicht mehr wegzudenken. Mit seinen mittlerweile 32 Jahren zeigte Joachim Fuchs in der Spielzeit 2020/21 sein Können, agierte als umsichtiger und zweikampfstarker Innenverteidiger und schaffte so SVDK-Stabilität.
BVZ

Manche Fußballerkarrieren verlaufen nicht immer so, wie sie sollten. Dabei kann sehr vieles passieren. Zum Beispiel, dass man die Lust daran verliert. So geschehen etwa beim gebürtigen Dobersdorfer Joachim Fuchs, der seit mittlerweile vielen Jahren in Graz lebt und schon früh in Burgenlands Unterhaus-Fußball für Aufsehen sorgte. Mit dem SV Güssing etwa, wo er 2006 überlegen 2. Liga-Meister wurde und dann auch in der damaligen BVZ Burgenlandliga als defensiver Sechser vieles wegräumte, was ihm in den Weg kam.

Früh erfolgreich, dann war anderes wichtiger

Die Güssinger Aufstiegs-Mannschaft von damals gilt noch immer so ein bisschen als eine der attraktivsten, die der GSV in seiner langen Historie jemals hatte. Diesen Weg verließ man dann aber und mit ihm ging auch Fuchs. Es ging in die steirische Landesliga zum SK Fürstenfeld, wo er aber ebenfalls nicht lange glücklich wurde. Kurzzeitige Stationen in Deutsch Kaltenbrunn und auch in Dobersdorf folgten, wobei dann schnell auch anderes wichtiger wurde. Freunde, Beruf, Leben und auch die Musik übernahmen Oberhand und verdrängten die Gedanken an die Kickerei, die aber in regelmäßigen Abständen zurückkehrten. „Ich konnte aber meinen inneren Schweinehund nicht überwinden. Erst durch die Gespräche mit Jochen Hafner (Anm.: jetziger SVDK-Trainer) wurde mir klar, wie sehr mir der Fußball doch fehlt“, sagt Fuchs.

Dennoch spannte ihn die Arbeit als Sozialbetreuer ähnlich ein, wie erst das Schlagzeugspielen in einer Punkband und später das Bassspielen in einer weiteren Musikgruppe. Die Liebe zum Fußball schwand dabei nie. Vor knapp zwei Jahren entschloss er sich, es dann wieder zum Spaß in der Kaltenbrunner Reserve zu versuchen. Lange dauerte es nicht, bis er in der Ersten zum Thema wurde und dort mittlerweile auch nicht mehr wegzudenken ist. Zwar konnte er den erstmaligen 2. Liga-Abstieg nach sehr vielen Jahren nicht mehr verhindern, aber die Premierensaison in der 1. Klasse Süd verlief bis zur Corona-Annullierung passabel – Fuchs hatte auch Zeit, körperlich auf das nötige Niveau zu kommen. Viele Lauf- und Trainingseinheiten später, folgte nicht nur ein starker SVDK-Herbst, nein, auch „Jogi“ war auf einem ganz anderen Level als noch Monate zuvor. So sagte etwa Großpetersdorf-Trainer Andi Konrad zu SVDK-Assistent Fritz Fuchs, dem Vater, beim 3:2-Auswärtssieg, dass sein Junge „überragend kickt“.

Lieber als Sechser, aber immer für das Team

„Mein Körper war eigentlich komplett eingerostet, auch weil ich fünf Jahre keinen Finger rührte. Das gute Teamgefüge in Kaltenbrunn und auch das bisschen Ehrgeiz, den ich besitze, brachten mich wieder dazu, regelmäßig zu trainieren“, meint er zur BVZ, auch wenn es im derzeitigen Lockdown schwerer als sonst fällt: „Ich mache sehr viel Musik, verbringe Zeit mit meiner Freundin und auch meine Plattensammlung wird größer und größer.“

Irgendwann wird der Ruf nach der Rückkehr zur sportlichen Normalität aber wieder drängend. Und es gibt hohe Ziele beim Kaltenbrunner Traditionsverein. „Wir wussten nach dem 0:3-Auftakt gegen bärenstarke Unterschützener, wo wir den Hebel ansetzen mussten. Es wurde dann aber von Spiel zu Spiel besser, ehe wir nach dem Sieg in Großpetersdorf aus dem Flow geworfen wurden. Unser Ziel bleibt aber ganz klar der Aufstieg, auch wenn es nicht abzusehen ist, wie es weitergeht.“

Es wird ein interessantes Frühjahr, auch für Fuchs, der lieber Sechser als Innenverteidiger kicken würde. „Nachdem ich im Herbst 2020 gar als Linksverteidiger auflaufen musste, ist es mir zentral innen deutlich lieber, auch wenn ich mich nach wie vor als Sechser sehe. Aber da stelle ich mein Ego hintenan“, schmunzelt er abschließend.